«Ihr dort oben, wir da unten»
Von Felix Schindler. Aktualisiert am 20.07.2011 69 Kommentare
Interaktive Grafik: Wie Zürich West 2013 aussieht.
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Einst war der Kreis 5 das Quartier der sozial Benachteiligten, ein Industriequartier mit Arbeitersiedlungen. Ab Oktober werden dort zahlreiche Menschen leben, die im Stande waren, mehrere Millionen für ihre Wohnungen zu bezahlen. Im Mobimo-Tower und ein Jahr später auch im Löwenbräu-Turm entstehen insgesamt 111 Wohnungen der Superlative, die billigsten werden rund eine Million kosten.
In beiden Wohntürmen werden im obersten Stockwerk Penthouse-Wohnungen errichtet, die beide nicht weniger als 10 Millionen Franken kosten werden. Ein Preis, zu dem es feudale Villen an der Goldküste zu kaufen gibt. Der Käufer des Penthouse im Mobimo-Tower ist laut «Bilanz» der UBS-Verwaltungsrat Rainer-Marc Frey, dessen Vermögen auf 700 bis 800 Millionen geschätzt wird. Auch der Bührle-Erbe Christian Bührle soll zu den stolzen Besitzern gehören.
Die neuen Bewohner der «Brutalo-Bauten»
Obwohl das Quartier seit Jahren im Aufschwung ist, solche Bewohner kannte der Kreis 5 bisher nicht. Heute wohnen so wenige Menschen mit einem steuerbaren Einkommen von über einer Million im Kreis 5, dass Statistik Zürich deren Zahl «aus Datenschutzgründen» nicht nennen darf. Wenn der Löwenbräu-Turm im Herbst 2012 bezugsbereit ist, wird sich deren Zahl locker vervielfacht haben.
Das weckt Ängste im Quartier. Quartiervereinspräsident Helmut Werner sprach gegenüber Tagesanzeiger.ch kürzlich von «Brutalo-Bauten», die nicht nur neue Bewohner, sondern auch neue Probleme bringen werden. Insbesondere, weil die Infrastruktur mit den Veränderungen in der Bevölkerung nicht mehr Schritt halte.
Keine Berührungspunkte zwischen den Welten
Skeptisch ist auch Hanspeter Hongler, Professor für Soziale Arbeit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, allerdings aus anderen Gründen. Er sieht zwei Lebenswelten aufeinanderprallen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. «Der Mobimo-Tower wird sich zu einem Symbol entwickeln, das nach aussen signalisiert, dass es für normale Menschen nicht zugänglich ist.» Diese symbolische Dominanz werde Distanz erzeugen und das Trennende betonen. Der Turm signalisiere: «Ihr dort oben, wir da unten.»
Zwischen der angestammten Quartierbevölkerung und den neuen Bewohnern werde eine gewisse Isolation entstehen, vermutet Hongler. «Es gibt keine Berührungspunkte, diese Menschen werden nichts miteinander zu tun haben. Eine Auseinandersetzung, die für ein gutes Quartierleben nötig ist, wird zwischen diesen Welten kaum möglich sein.»
Viel mehr Luxustürme erträgt es nicht
Brigit Wehrli, Direktorin der Fachstelle für Stadtentwicklung Zürich, steht den Entwicklungen gelassener gegenüber. «Ich vermute, dass die Leute, die im Mobimo-Tower eine Wohnung kaufen, im Quartier wenig anzutreffen sind.» Sie erwartet «globalisierte Menschen», die ständig unterwegs sind und zwischen ihren verschiedenen Domizilen hin und her pendeln. Das beunruhigt sie jedoch nicht, da in den nächsten Jahren in Zürich West weitere Wohnbauten entstehen, die für die nötige Durchmischung sorgen werden.
Allerdings, sagt Wehrli, ertrage es auch nicht viel mehr als eine Handvoll solcher Bauten. «Viel mehr würde der Markt nicht ertragen und auch die Politik würde versuchen, dem Gegensteuer zu geben.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.07.2011, 11:00 Uhr
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69 Kommentare
Der Mobitower ist der neue Gesslerhut, ein Symbol der Macht der Reichen gegenüber dem Volk welchem sie das Geld weggenommen haben. Wieder ein Schritt mehr um die Grenze zwischen Luxus-Penthouse für Wenige und Ghetto für all die Anderen zu festigen. Was werden diese Menschen dem Quartier bringen - rein gar nichts, denn die verkehren in ihren eigenen Kreisen auf dem Golf- und nicht dem Dorf-Platz. Antworten
Was heisst hier "wie werden"? Die neureichen Neubewohner im Kreis 5 haben schon sehr viel zum Kreis 5 beigetragen. Z.B. haben sie dafür gesorgt, dass die Preise im Kreis 5 so astronomisch hoch und extrem schnell gestiegen sind, dass ich mit meiner Familie (Eingeborene Stadtzürcher aus dem Kreis 4 und 5) aus Zürich verdrängt wurden und jetzt in der Agglo wohnen müssen. Antworten

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