«Im Seefeld gibt es immer noch ein breites Wohnangebot»
Von Georg Gindely. Aktualisiert am 25.11.2009 30 Kommentare
«Das Seefeld ist heute sehr attraktiv. Früher hatte sich an der Dufourstrasse der Drogenstrich angesiedelt»: Urs Egger. (Bild: Keystone)
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Urs Egger
Urs Egger ist Präsident der städtischen FDP, Gemeinderat und kandidiert für den Stadtrat. Der 54-Jährige wohnt im Seefeld, wo er auch Mitbetreiber einer Brauerei ist.
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Herr Egger, von der FDP hört man praktisch nichts zur angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt. Hat Zürich gar kein Wohnproblem?
Zürich hat immer ein Wohnproblem. Mal gibt es zu viel, mal zu wenig Wohnungen. Im Moment gilt Zweiteres. Das ist uns bewusst. Und wir nehmen das Problem ernst.
Aber Sie reagieren nicht.
Doch. Wir haben in den letzten Jahren alle Projekte des gemeinnützigen Wohnungsbaus unterstützt. Dessen Anteil liegt heute in Zürich bei rekordverdächtig hohen 25 Prozent. Damit mehr Wohnungen entstehen, setzen wir uns aber auch für einfache Bauverfahren ein. Je mehr Auflagen, desto teurer wird ein Bauprojekt – und desto höher werden die Mieten.
Wo sollen Wohnungen entstehen?
In allen Quartieren. Dafür müssen wir verdichten. Der Ausbau von Dachstöcken soll vereinfacht werden. Die FDP steht auch hinter Arealüberbauungen wie Ringling und Rautistrasse. Es gibt Parteimitglieder, die sich dagegen wehren. Das finde ich bedauerlich. Arealüberbauungen sind das wichtigste Instrument der Verdichtung.
Arealüberbauungen sind sehr umstritten. Taugt das Instrument überhaupt etwas?
Es stimmt, dass sieben- bis achtgeschossige Gebäude oft auf Widerstand in der Nachbarschaft stossen. Es ist paradox: Jeder will mehr Wohnfläche, und die können wir nur schaffen, indem wir in die Höhe bauen. Wenn das vor dem eigenen Balkon passiert, wehrt man sich aber. Das ist fatal.
Um die Situation zu entspannen, braucht es doch mehr als Verdichtung und schnelle Verfahren. Warum wehrt sich die FDP gegen die Vorstösse der Linken für mehr bezahlbare Wohnungen?
Wir sind damit nicht allein. Der Stadtrat hat am Montag seine Wohnbaustrategie vorgestellt, und sie deckt sich in den meisten Punkten mit unseren Ideen. Eine Erhöhung des Anteils an gemeinnützigen Wohnungen von 25 auf 33 Prozent, wie es die SP fordert, hätte dramatische Auswirkungen auf den restlichen Markt. Eine privilegierte Gruppe, vorzugsweise SP-Wähler, käme in den Genuss von tiefen Mieten. Für den grossen Rest aber würden die Mieten massiv steigen. Auch die Umsetzung der SP-Forderung, die Stiftung PWG mit 70 Millionen Franken zu unterstützen, um ihr Hauskäufe zu ermöglichen, würde die Preise in die Höhe treiben.
Was spricht dagegen, bei grossen Überbauungen einen Anteil an gemeinnützigen Wohnungen vorzuschreiben, wie das die Linken beim Manegg-Areal fordern?
Für das Manegg-Areal liegt ein ausgereiftes Projekt vor. Die neuen Forderungen verteuern das Projekt unnötig. Und man riskiert, dass die Investoren wieder abspringen. Wenn das bei jeder grösseren Überbauung passiert, dann ist es schnell vorbei mit der Investitionslust von Privaten. Und dann ist Schluss mit der Bauerei in Zürich.
Die FDP sagt, dass sich der Markt selbst reguliert. Das ist blauäugig.
Nein, es gibt bereits Anpassungen nach unten. Und wenn das Interesse am Wohnen in Zürich anhält, dann finden sich Investoren, die Wohnungen bauen, und zwar in allen Preisklassen.
Sie leben im Seefeld. Wehren Sie sich nicht gegen die soziale Entmischung Ihres Quartiers?
Das Seefeld ist heute sehr attraktiv. Vor nicht allzu langer Zeit war das aber noch ganz anders. An der Dufourstrasse hatte sich der Drogenstrich angesiedelt. Durch verschiedene Massnahmen hat sich das geändert. Viele Familien sind hierhergezogen. Das ist positiv.
Aber das Gleichgewicht droht zu kippen. ETH-Professor Christian Schmid sagte in einem TA-Interview, dass das Seefeld monoton wird, weil dort nur noch Reiche wohnen.
Das ist übertrieben. Es sprechen alle immer nur über fünf, sechs Bauprojekte. Im Quartier gibt es aber immer noch ein sehr breites Angebot an Wohnungen in jedem Preissegment. Zugegebenermassen tief ist der Anteil des gemeinnützigen Wohnungsbaus. Doch man muss die Situation über die ganze Stadt verteilt betrachten. Und da steht Zürich gut da. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.11.2009, 08:59 Uhr
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30 Kommentare
Die Massnahmen der SP können den jetzigen Trend zumindest abbremsen. Urs Egger jedoch weiss genau, dass sich mit seinen Vorschlägen die Wohnungsnot verschärfen- und die Mieten ungehindert steigen werden. Das ist natürlich in seinem Sinn, denn die FDP ist längst eine Partei des konsequenten Eigennutzes. Ihre Klientel ist zahlenmässig jedoch unterlegen, und die nächsten Wahlen sind nicht mehr weit. Antworten
Reiche die Geld haben investieren in Bauobjekte und vermieten die Wohnungen dann teuer, damit ist ihre Rendite vor allem in Zürich und dem Seefeld massiv höher als bei anderen Anlagen mit gleichem Risiko. Ist doch klar, dass die FDP kein Wohnungsproblem sieht. Ihre Parteimitglieder verdienen eben gerne und lassen sich doch ihre Pfründe nicht wegnehmen. Blauäugig wer etwas anderes denkt. Antworten





