«Immer Grossstadt spielen, aber im Herzen halt doch provinziell»
Aktualisiert am 21.02.2012 186 Kommentare
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Sollen Tram und Bus anstelle der blau-weissen Bemalung künftig vermehrt mit auffälliger Werbung durch Zürich fahren?
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Fünf Trams sollen in den nächsten Monaten als rollende Werbebanner durch Zürich fahren. Zwei davon sind bereits unterwegs und stossen bei den Lesern von Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht nur auf Gegenliebe.
«Diese Scheusslichkeit grenzt an Körperverletzung», schreibt Andreas Burger und für Theo Lehmann gehören «die billigen Schmuddeldinger» nicht nur aus der Stadt, sondern gar «aus der Schweiz verbannt». Viele Leser bedauern, dass das traditionelle Blau-Weiss nicht mehr konsequent das Stadtbild mitprägt. «Die richtige Trambemalung steht genauso für Zürich wie das Fraumünster oder das Sechseläuten», findet Benno Eggenberger.
Auch verstehen manche nicht, warum man sonst überall auf Vereinheitlichung setzt, bei den städtischen Trams aber eine gegenteilige Strategie fährt. «Die Stadt gibt Millionen für einheitliche Marronihäuschen aus», meint Peter von Blass, «und dann so was.»
Grossstadt oder Provinz
Die Mehrheit der Leser versteht den Aufruhr aber nicht. «Was soll das Gezeter?», fragt sich Peter Schweizer. Bei über 200 Trams vertrage es problemlos fünf bis zehn Werbetrams. Für die meisten Befürworter stehen vor allem die Einnahmen im Vordergrund. «Solange das so verdiente Geld dafür verwendet wird, die Billettpreise stabil zu halten», erklärt Alfred Schmid, «kann von mir aus jedes Tram, jeder Bus und jedes Schiff mit Werbung bemalt werden.»
Viele sehen sich ob der negativen Kommentare gar darin bestätigt, dass Zürich den Schritt zur Weltstadt wohl nie schaffen wird. «Immer Grossstadt spielen, aber im Herzen halt doch provinziell», analysiert Maria Francoli. Auch den Tumult um eine Blau-Weiss-Tradition ringt manchen nur ein müdes Lächeln ab. «Dies als schützenswerte Ästhetik zu bezeichnen, kann ja nur ein Witz sein», meint Andreas Estermann.
Kritische Stimmen unter Befürwortern
Und Alfred Gfeller wird dadurch gar zu historischen Exkursen angeregt: Der frühere «VBZ-Mief» erinnere einen «geradezu an die Tristesse und Monotonie der ehemaligen DDR». Walter Boshalter macht sich gar einen Spass daraus und versucht, die Blau-Weiss-Traditionalisten zu beruhigen: «Im Gegenzug wird dann der Hafenkran blau-weiss gestreift angemalt.»
Aber auch unter den Befürwortern gibt es kritische Stimmen. Manche sehen nicht ein, warum man für ein Werbetram ein Billett lösen muss. «Mein Vorschlag: Die Benützung ist gratis», meint Hans Huber, dem die neuen Farben grundsätzlich gefallen, «dann haben alle etwas davon.» Und auch René Hofstetter, der die zusätzlichen Einnahmen begrüsst, warnt die VBZ: «Wenn die ÖV-Tarife bald wieder nach oben gehen, hat die VBZ versagt.»
(jcu)
Erstellt: 21.02.2012, 15:11 Uhr
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