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«Nur Beamte und Angestellte regieren Zürich»

Die wahre Macht des Zürcher Stadtpräsidenten wird immer wieder überschätzt. Nicht zu überschätzen ist aber der politische Nimbus, der mit dem Präsidium der grössten Schweizer Stadt verbunden ist.

Edgar Schuler kommentiert die Wahl von Corine Mauch als Zürichs erste Stadtpräsidentin.

Edgar Schuler kommentiert die Wahl von Corine Mauch als Zürichs erste Stadtpräsidentin. (Bild: Sophie Stieger)

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Nach einem lähmend langen Wahlkampf haben sich die Sozialdemokraten jetzt mit Corine Mauch an der Spitze des Stadtrats behauptet. Der nunmehr deutliche Erfolg von heute ist nicht selbstverständlich. Aber umso willkommener.

Nicht selbstverständlich ist der Wahlerfolg, weil die SP eigentlich gar nicht auf diese Stadtpräsidiumswahl vorbereitet war: Stadtpräsident Elmar Ledergerber hat überraschend vorzeitig das Handtuch geworfen. Der als sein natürlicher Nachfolger aufgebaute Parteikollege Martin Waser hatte eben erst ins Sozialdepartement gewechselt und kam für das Präsidium nicht mehr in Frage. Darum musste die SP zunächst unter einer Reihe von völlig unbekannten Parlamentsmitgliedern eine Kandidatin aussuchen, die dann gegen die amtierende freisinnige Stadträtin Kathrin Martelli anzutreten hatte.

Solid linke Stadt

Die SP-Parteiführung meisterte die schwierige Situation aber mit Bedacht und Umsicht. Parteipräsident Koni Loepfe liess sich auch nicht durch aufmüpfige Junge in der Partei aus der Ruhe bringen. Geholfen hat ihm dabei, dass Zürich in den letzten Jahrzehnten zu einer solid linken Stadt geworden ist. Mit dieser Mehrheit im Rücken braucht die Partei keinen offensichtlichen Star aufzustellen, um Erfolg zu haben.

Höchst willkommen für die SP ist der Erfolg, weil er auf eine Reihe von schweren Wahlschlappen in der übrigen Schweiz folgt – zuletzt im Aargau und in Solothurn. Der Schweizer Parteipräsident Christian Levrat müsste Corine Mauch den mit Abstand grössten Blumenstrauss überreichen. Der Sieg in Zürich verschafft der SP zwar kaum mehr Macht. Aber sie wird mindestens vorübergehend den Ruf der ewigen Verliererin los.

Streitsüchtige SVP lässt Bürgerliche scheitern

Um so verheerender ist die Niederlage für die FDP. Martelli war als Stadträtin aus der «pole position» in diese Wahl gestartet. Der Schwung ihrer Kandidatur ging aber spätestens mit dem ersten Wahlgang im Februar verloren. Alle Bemühungen als geeintes bürgerliches Lager in den Wahlkampf zu gehen, scheiterten an einer streitsüchtigen und selbstbewussten SVP, aber auch am Grunddillemma der FDP: Wie weit soll sie einer SVP entgegenkommen, die mit ihren Parolen die bürgerliche Politik definiert, aber im linken Zürich politisch immer weniger ausrichten kann?

In dieser Situation kam es stark auf die Persönlichkeit der beiden kandidierenden Frauen an. Aber auch hier war der ursprüngliche Vorsprung Martellis schnell verpufft. Die acht Jahre jüngere Corine Mauch machte trotz fehlender Erfahrung als Exekutivpolitikerin keinen Fehler. Sie gab sich fast noch staatstragender als Martelli. Aber sie wirkte um das Quäntchen frischer und fröhlicher, das wohl auch bei jenen Wahlberechtigen den Ausschlag gab, die der SP-Frau den Sprung direkt an die Spitze des Stadtrats zunächst nicht zugetraut hatten.

Nur noch Angestellte, Lehrer und Beamte

Was bedeutet die Wahl für die politische Zukunft Zürichs? Auf den ersten Blick ändert sich nichts: Sowohl im Stadtpräsidium als auch im Gesamtstadtrat bleibt die politische Zusammensetzung die selbe. Aber mit Elmar Ledergerber verlässt der letzte Politiker den Zürcher Stadtrat, der als ehemaliger Inhaber eines Beratungsbüros unternehmerische Verantwortung mitbrachte. Unter den übrigen Statdtratsmitglieder finden sich lauter ehemalige Angestellte, Lehrer und Beamte.

Auch Corine Mauch hat ihre ganze Laufbahn im behüteten Umfeld von Universitäten, Verwaltungen und Parlamentsdiensten hinter sich gebracht. Man soll nicht aus der Vergangenheit direkt auf die Zukunft schliessen, aber der Verdacht liegt nahe, dass der Zürcher Stadtrat unter Mauch noch staatsgläubiger wird, Probleme eher mit neuen Vorschriften und Ämtern zu lösen versucht.

FDP übervertreten

Allerdings: Nach der Wahl ist immer auch vor der Wahl. In einem Jahr kämpfen die Parteien dann um alle neun Stadtratsitze und um das Parlament. Schon in den nächsten Tagen fallen wichtige Vorentscheide: Die beiden langjährigen SP-Stadtratsmitglieder Esther Maurer und Robert Neukomm geben bekannt, ob sie nochmals antreten werden. So oder so wird die Wahl für die SP nicht zum Spaziergang: Die Grünen schielen auf einen zweiten Stadtratssitz neben Ruth Genner – und sie haben in der gegenwärtigen politischen Grosswetterlage durchaus Chancen. Der SP wird anderseits das Momentum aus dieser Präsidiumswahl helfen.

Düsterer sieht es für die FDP aus. Ihre beliebteste Stadträtin Kathrin Martelli ist nach dieser Niederlage geschwächt, und mit drei Stadtratsmitgliedern sind die Freisinnigen ohnehin im Verhältnis zu ihrem Wähleranteil übervertreten. Und dazu kommt, dass diese Präsidiumswahl erneut gezeigt hat, dass die FDP politisch und wahltaktisch nicht von ihrem Schlingerkurs wegkommt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.03.2009, 16:56 Uhr

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16 Kommentare

Jens Gloor

15.02.2010, 09:55 Uhr
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Corine Mauch - bald ein Jahr im Amt - hat's nicht gebracht. Eine unscheinbare Person ohne charismatisches Auftreten und sehr befangen. Mauch ist nicht in der Lage die Probleme der Stadt zu lösen - im Gegenteil, sie schafft Neue durch Uneinsichtigkeit und fehlende Dossier-Kenntnis... Antworten


Harald Buchmann

30.03.2009, 10:13 Uhr
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2 Grüne links und 1 Grünliberale rechts wären eine schöne Perspektive. Bortoluzzi mag ein gute Schreiner sein, einen 5-köpfigen Betrieb zu leiten und Zürich zu präsidieren sind aber leider 2 Paar Schuhe. Die SP hat leider mit Sozialismus nichts mehr zu tun. Vergleiche mit UdSSR hinken aber aus noch einem Grund: Die einzigen die dauernd mehr überwachen wollen, sind rechte, insbesondere SVP. Antworten


Fischer Martin

30.03.2009, 09:42 Uhr
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Lieber Herr Zimmermann, sagen Sie doch mal in eigenen Worten was genau ein "Gutmensch" ist. Oder noch besser, was genau ist das Gegenteil davon; ein "Bösmensch"? Also dann sind Gutmenschen bös und Bösmenschen gut? Ich bin verwirrt! Antworten


Jakob Denzler

29.03.2009, 22:30 Uhr
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Grosse Chancen auf einen Sitz bei den Gesamterneuerungswahlen hätten die Grünliberalen, sofern ihre Kandidatin Nationalrätin Tiana Angelina Moser ist. Nicht nur von Links-Grün geachtet, in der Mitte beliebt, sondern bis weit ins bürgerliche Lager geschätzt, würde sie einen FDP-Sitz holen, zumal die FDP nicht mehr auf die SVP-Unterstützung zählen kann Antworten


Albert Zimmermann

29.03.2009, 22:08 Uhr
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Die haben ja auch Zeit und der Zahltag kommt einfach so, ob die etwas leisten oder nicht. Und überall wo Filz und Genossen regieren wirds teuer für den Mittelstand, UdSSR Kuba etc lassen grüssen. Wer von den netten Stadträten würde es in der Privatwirtschaft auch nur zum Leiter einer Abteilung schaffen. Dass mit Mauch Genner Lauber und wie sie alle heissen Leute in diese Pöstchen gewählt wurden, und z.B. Bortoluzzi als kleiner Schreinermeister mit 5 Angestellten die Fähigkeit als Teamleader abgesprochen wurde zeigt doch dass ein Leistungsausweis in der Gutmenschenschweiz nur ein Hindernis ist. Antworten


Ernst Pauli

29.03.2009, 21:54 Uhr
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Die Journalisten sind gierig auf "Klassenkampf". Die beiden Damen haben sich anständig gestritten und die bessere hat gewonnen. Diese Kommentar ist lächerlich. Antworten


Ruedi Lais

29.03.2009, 21:48 Uhr
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@Alle vom SP-Wahlsieg Enttäuschten. Ich bitte um faire Beurteilung der Leistung von Stadtregierungen mit rot-grüner Mehrheit (fast alle Schweizer Städte werden rot-grün regiert). Geht es den Städten nicht wesentlich besser als früher? Eben. Lebt es sich in den 169 bürgerlich regierten Zürcher Gemeinden so viel besser? Eben. Und funktioniert der bürgerliche Bundesrat denn perfekt? Noch einmal eben. Antworten


reto camen

29.03.2009, 21:27 Uhr
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.....................jede Stadt hat die Regierung die sie verdient Antworten


Roland Güller

29.03.2009, 21:04 Uhr
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Guet Nacht Zürich, ja leider ist Zürich eine Hochburg von Beamten und Behörden die keine Ahnung haben von der Wirtschaft, Antworten


Imanol Studer

29.03.2009, 20:49 Uhr
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nun ja, wenn sich die bürgerlichen gegenseitig an die gurgel gehen, kann man nur sagen selber schuld. mich freuts :-) Antworten


Ruedi Lienhart

29.03.2009, 20:15 Uhr
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Und lieber Tagi wer isch Schuld. ? Wer ist Streitsüchtig ? Leb ich in einer anderan Stadt als Edgar Schuler ? Ja liebe Journalisten ich glaube ehrer Ihr habt wie immer die falsche Brille auf. Antworten


Stahel Harry

29.03.2009, 19:55 Uhr
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Hat die Stadt Zürich und Ihre Einwohner das verdient? In der jetzigen Wirtschaftlichen Situation das Politische Ruder den Linken zu überlassen, denn Sie sind ja eher als Wirtschaftsverhinderer-/ als förderer bekannt! Man muss der Stadtpräsidentin Mauch sicher Zeit geben, aber trotzdem ist es für die Stadt Zürich eine offene Zukunft. P.S. Fussball-/Eishockeystadion,kennt Mauch die Problematik. Antworten


David Meili

29.03.2009, 19:47 Uhr
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Der Wahlsieg von Corine Mauch zeigt deutlich, dass die Stimmbürger/innen sich gar nicht mehr so gross für die etablierten Parteien interessieren. Sie war ganz einfach die bessere Kandidatin und erhielt aufgrund ihrer souveränen Arbeit im Gemeinderat auch Stimmen von traditionellen SVP- und FDP-Wählern,- selbst Politikern. Sie ist alles andere als eine "wohlbehütete" Vertreterin der Beamtenschaft. Antworten


Rene Meier

29.03.2009, 19:40 Uhr
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Mir ist es egal, dass C. Mauch bei der SP ist; hauptsache bürgerlich. Antworten


Müller Walter

29.03.2009, 18:16 Uhr
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Wenn sich fast 70% der gewählten FDP-Politiker von der SVP abwenden, dann muss sich die FDP für die kommenden Wahlen warm anziehen. Auch ich bin einer, der die FDP mitgewählt hat, aber jetzt die "Schnauze" voll hat. Von unfairem Verhalten der SVP zu sprechen, ist absurd, denn zu viele FDP-Wähler stimmen lieber links als für die SVP. Antworten


Ruedi Lais

29.03.2009, 18:00 Uhr
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Soso, die böse linke Stadt Zürich wird von "Angestellten, Lehrern und Beamten" regiert, während ehem. Unternehmer im Stadtrat fehlen. Es ist aber im Kanton genau gleich, obwohl dieser eine rechte Mehrheit hat. Für UnternehmerInnen ist der Wechsel in die Berufspolitik halt wenig attraktiv. Aber lassen Sie doch C. Mauch erst mal ihre Arbeit machen, bevor Sie nörgeln! Antworten



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