Jugendarbeiter zapfen Bier

Gestern hat die Stadt einen Jugendtreff mit Alkoholausschank eröffnet. Die Gegner wollen das Pilotprojekt am Sihlquai im Auge behalten.

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Von Gestern hat die Stadt einen Jugendtreff mit Alkohol- ausschank eröffnet. Die Gegner wollen das Pilotprojekt am Sihlquai im Auge behalten.

Die Stadt ist auch ein Wirt. Im neuen Jugendtreff am Sihlquai 240, der gestern Abend eröffnet wurde, schenken Sozialarbeiter Alkohol aus. «Natürlich halten wir uns an das Schutzalter 16. Und unsere Angestellten greifen ein, wenn die Jugendlichen übertreiben», sagte Stadtrat Martin Waser (SP). Die Stadt will so zu einem massvollen Alkoholkonsum erziehen.

Als «Lebendversuch» und «Prestigeprojekt» bezeichnet Helmut Werner den Jugendtreff. Der Theologe und Präsident des Quartiervereins Kreis 5 hält den Standort am Sihlquai für zu abgelegen. «Es fehlt die soziale Kontrolle.» Er habe die Stadt auch gebeten, den Alkohol erst an 18- und nicht schon an 16-Jährige abzugeben. Aber diese sei stur geblieben. Dabei liege es an den Eltern, ihren minderjährigen Kindern massvolles Trinken beizubringen. An eine ausreichende Überwachung glaubt Werner nicht. «Ein Wirt haftet mit seinem Patent für die Einhaltung der Regeln. Aber wer kontrolliert die Sozialarbeiter?» Der Quartierverein werde den Planet 5, so der Name des Jugendtreffs, im Auge behalten.

Dabei gehe es ihm nicht um Prohibition, sagt Werner. «Aber wir haben hier genug geschädigte Kinder. Da muss die Stadt nicht als Anbieter auftreten.»

Keine heile Welt bieten

Die beiden Leiter verstehen solche Bedenken nicht. «Jede Beiz schenkt Alkohol an 16-Jährige aus. Bei uns geschieht es wenigstens in einem stabilen Umfeld», sagt Bruno Werder. Man werde mit den Jugendlichen über das Trinken diskutieren und sie über die Folgen aufklären. Es würden immer zwei Fachleute vor Ort sein, die das Alter kontrollieren und darauf achten, dass Getränke nicht an Jüngere weitergereicht werden. Vor dem Jugendtreff soll die SIP Präsenz markieren. «Aber eine bessere Welt als draussen können wir auch nicht bieten.»

Gerald Knoll von der offenen Jugendarbeit (OJA) hat sich ähnliche Versuche in der Schweiz angeschaut. «Die Ängste haben sich nirgends bewahrheitet.» Und es sei halt so, dass viele Eltern den Alkoholkonsum ihrer Kinder nicht steuern könnten. In diese Lücke springe nun die Stadt. «Und natürlich bieten wir auch sehr günstige alkoholfreie Getränke an.»

Der Zapfhahn ist nicht das einzig Neue im Planet 5: Über Mittag funktioniert der Jugendtreff als Restaurant für Alt und Jung. In der Küche stehen Jugendliche, die Schwierigkeiten bei der Lehrstellensuche haben. An drei Abenden werden Konzerte gespielt. «Die Jugendlichen sollen später das ganze Programm selber auf die Beine stellen», sagt Knoll.

Mit den Konzerten und dem Alkoholausschank möchten die Leiter möglichst viele und unterschiedliche Teenager anlocken. «Es soll eine Mischung zwischen normalem Jugendtreff und Roter Fabrik entstehen», sagt Werder. Der Eröffnungsabend für die Jungen findet am nächsten Samstag, 13. September, statt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2008, 14:16 Uhr

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