Jugendliche Trinker lassen mit sich reden

Seit elf Monaten patrouillieren Teams der SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention) in der Stadt und sprechen junge Trinker an – mit Erfolg. Auch am Botellón werden sie vor Ort sein.

Ein SIP-Mitarbeiter sucht das Gespräch mit einer Jugendlichen.

Ein SIP-Mitarbeiter sucht das Gespräch mit einer Jugendlichen. Bild: Keystone

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Zwei 14- bis 15-jährige Mädchen sitzen betrunken auf dem Trottoir, der einen gehts ziemlich schlecht, und ihre Kollegin ist mit der Situation überfordert. Ein Mann und eine Frau in einer blauen Weste mit der Aufschrift «SIP Zürich» sprechen sie an und fragen, wie es ihnen geht und ob sie Hilfe brauchen. Es stellt sich heraus, dass den Mädchen das Geld fürs Billett nach Hause fehlt und sie nicht weiterwissen. Die SIP-Mitarbeiter rufen bei den Eltern an, schildern die Lage und bitten den Vater, die Mädchen abzuholen.

Der Wirt im öffentlichen Raum

Diese Situation ist typisch für die Arbeit der SIP-Teams in der Stadt Zürich. Die im Sozialdepartement angesiedelte Einheit SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention) ergänzt seit acht Jahren die Arbeit der Polizei, indem sie sich für Ordnung im stark unter Druck geratenen öffentlichen Raum einsetzt. Seit elf Monaten wird unter dem Titel «Züri Courage» die Möglichkeit erprobt, junge Leute im Ausgang auf ihr Trinkverhalten anzusprechen und an sogenannten Hotspots Präsenz zu markieren. Am Dienstagabend zog Christian Fischer, Betriebsleiter SIP Zürich, an einer Weiterbildungsveranstaltung des Sozialdepartements eine erste Bilanz über das Pilotprojekt.

Mit SIP-Teams vor Ort seien die Jugendlichen etwas zurückhaltender beim Trinken. Über Einstiegsfragen wie «Hast du vor, das ganze Sixpack Bier alleine zu trinken?», liessen sich Jugendliche einfach in ein Gespräch verwickeln. «Wir versuchen, frühabends an das noch klare Bewusstsein zu appellieren», so Fischer. Zu späterer Stunde gehe es dann mehr darum, Schlägereien, Sachbeschädigungen oder Lärmbelästigungen zu vermeiden. In Lokalen schränke der Preis der Getränke auch deren Verfügbarkeit ein, das gelte aber nicht für den öffentlichen Raum: «Wir sind der Wirt im öffentlichen Raum.»

Die Jugendlichen im Visier der SIP sind meist zwischen 16 und 18 Jahre alt und treffen sich entlang des ZVV–Verkehrsnetzes. Der wichtigste Hotspot ist der Hauptbahnhof, den Fischer als «eigentliches Jugendhaus» bezeichnet. Er sei Verkehrsknotenpunkt und Einkaufsparadies in einem und deshalb besonders beliebt als Treffpunkt. Zu den ganz heissen Hotspots gehören auch der Stadelhofen, der Limmatplatz, die Langstrasse und das Seebecken. Was werden die SIP-Teams machen, wenn tatsächlich Tausende Jugendliche am Freitag zum geplanten Botellón pilgern? «Wir werden auch dort sein und besonders auf ganz Junge zugehen und das Gespräch suchen», sagt Fischer.

Jugendliche sind wie Erwachsene

Gemäss seinen Erfahrungen hat ein richtiggehender Paradigmenwechsel stattgefunden, was das Bild der Jugendlichen betrifft. «Sie werden als gewaltbereit, saufend und lärmig wahrgenommen.» Dass sich die Jugendlichen tatsächlich geändert haben sollen, glaubt er nicht. «Sie sind genauso konservativ wie die Erwachsenen und wollen dasselbe: schnelle Autos, gute Jobs, Geld und feiern zum Abschalten.»

Da die Jugendlichen auch noch in zwei Jahren Alkohol konsumieren werden und es immer Täter und Opfer geben wird, hält Fischer an der Präventionsarbeit von SIP «Züri Courage» fest. In Zukunft wolle man vermehrt auch die Polizei einbinden, um das Vertrauen der Jungen in die Justiz zu stärken und sie so zu motivieren, bei Übergriffen auch Anzeige zu erstatten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2008, 22:37 Uhr

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