Zürich

Kampf gegen Taxi-Misere: Nur noch 1200 Fahrer in der Stadt Zürich

Von Stefan Häne. Aktualisiert am 17.05.2010

Das fordert der Präsident des Taxi-Verbands. Rechte Politiker sehen darin eine Einmischung ins Gewerbe, Linke halten den Vorstoss für prüfenswert.

Wieviele davon sind genug für die Limmatstadt? Taxi in der Zürcher Innenstadt.

Wieviele davon sind genug für die Limmatstadt? Taxi in der Zürcher Innenstadt.
Bild: Keystone

In der Stadt Zürich gibt es über 1500 offiziell zugelassene Taxifahrer. Dies sei zu viel, moniert Roberto Weidmann, Präsident des Dachverbands Stadtzürcher Taxigewerbe und Mitglied der städtischen Taxi-Kommission. Weidmann schlägt deshalb im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» einen staatlichen Eingriff ins Taxigewerbe vor: Die Zahl sei auf 1200 zu reduzieren. Dies entspräche drei Taxis auf 1000 Einwohner - ein Wert, wie er international üblich sei und den Fahrern genügend Fahrten und Einkommen ermögliche.

Erreichen will Weidmann dieses Ziel über natürliche Abgänge bei den Fahrern. Innert drei Jahren wäre nach Ansicht Weidmanns das Problem gelöst, «ohne dass ein einziger Fahrer seinen Job verloren hätte». Vom neuen Zürcher Polizeivorsteher, dem Grünen Daniel Leupi, erhofft er sich dabei grössere politische Unterstützung als zuvor von der Sozialdemokratin Esther Maurer, die immer «alle Vorschläge vom Tisch gewischt» habe.

Tuena winkt ab

Die Stadtzürcher Parlamentarier reagieren unterschiedlich auf Weidmanns Vorschlag. Für SVP-Fraktionschef Mauro Tuena hat sich der Staat «prinzipiell nicht ins Gewerbe einzumischen». Mittelfristig werde der Markt für eine Bereinigung sorgen. Skeptisch zeigt sich auch FDP-Fraktionschef Michael Baumer. Es sei für die Stadt schwierig, zu bestimmen, wo die Obergrenze für ein funktionierendes Taxigewerbe liegen soll. Baumer will deshalb anderswo ansetzen: Die Eintrittsschwelle für neue Taxifahrer soll hoch sein, die Fachprüfungen für eine Zulassung streng. Taxifahrer in der Stadt Zürich müssen nebst der theoretischen und praktischen Prüfung ihre Ortskenntnisse ausgiebig testen lassen. «Diese Hürde könnte zu einer Selektion führen», sagt Baumer. Es gelte deshalb, die Entwicklung abzuwarten. Die Grünliberalen erachten einen staatlichen Eingriff ebenfalls als weder sinnvoll noch nötig. «Hier soll das Nachfrageprinzip nach guter Qualität spielen», sagt Co-Präsidentin Maleica Landolt.

Von einem «möglichen Weg» spricht hingegen CVP-Fraktionschef Christian Traber. Fraglich sei allerdings, ob sich ein staatlicher Eingriff mit der Handels- und Gewerbefreiheit vereinbaren lasse. Traber schlägt zudem regelmässige Prüfungen für die Taxifahrer vor. So wäre seiner Ansicht nach gewährleistet, dass die Taxifahrer ihr Wissen nicht verlören. Auch SP-Fraktionschefin Min Li Marti hält Weidmanns Idee für prüfenswert. Der Markt habe sich bislang nicht von allein reguliert. Es bestehe ein Überangebot, die Fahrer würden zudem «relativ schlecht verdienen». Eine Entspannung könnte laut Marti höchstens dann eintreten, wenn bei einem Wirtschaftsaufschwung ein Teil der Taxifahrer wieder in die angestammten Berufe zurückkehrte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2010, 06:59 Uhr

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