Kantonsrat befürwortet Kunsthochschule

Die ehemalige Toni-Molkerei soll zur Hochschule der Künste umgebaut werden. So will es die Mehrheit des Kantonsrats. Die Gegner geben aber nicht auf.

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Leuchtturm oder Moloch? Der geplante Umbau der Toni-Molkerei zu einer Hochschule der Künste hat am Montag im Zürcher Kantonsrat polarisiert.

Heute ist die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) auf rund 40 Standorte verteilt. Die meisten sollen spätestens ab 2015 in der ehemaligen Toni-Molkerei Platz finden. Gut 138 Millionen Franken kostet das den Kanton, und das war Teilen der SVP, der GLP und der EDU zu viel. Ihm sei diese «monströse Zentralisierung» zuwider, sagte René Isler (SVP, Winterthur). Hans Egli (EDU, Steinmaur) hielt den Prospekt einer Theateraufführung der ZHdK in die Höhe, auf dem nackte Menschen abgebildet sind. Er rief: «Für diese Kunst wollen wir kein Geld ausgeben!»

Vehement sprach sich auch die CVP gegen den Toni-Campus aus. Willy Germann (CVP, Winterthur) liess keinen guten Faden an der Vorlage. Die CVP vermisse ein Gesamtkonzept; was die Regierung präsentiere, sei unseriös. Zudem sei das Konservatorium in Winterthur in Gefahr, wenn das Musikkollegium Winterthur, das zur ZHdK gehört, nach Zürich umziehe.

Kritik am Vorgehen der Regierung

SP, FDP, Grüne, EVP und ein Teil der SVP befürworteten den Campus auf dem Toni-Areal. Samuel Ramseyer (SVP, Niederglatt) schwärmte von einem «Leuchtturm, der über die Landesgrenze hinausstrahlt»; Karin Maeder (SP, Rüti) sagte, damit stelle der Kantonsrat für den Werkplatz Zürich eine wichtige Weiche.

Ganz vorbehaltlos war die Begeisterung der Befürworter aber nicht, es gab etliche Kritik am Vorgehen der Regierung und am Bauprojekt selbst. Denn im Grunde hatte der Kantonsrat wenig zu sagen. Das Toni-Areal gehört der ZKB, den Mietvertrag für die Räume hat der Regierungsrat in eigener Kompetenz abgeschlossen. Der Kredit von 138 Millionen Franken betrifft lediglich den Innenausbau.

Das Parlament bemängelte insbesondere, dass die alte Molkerei nicht nach dem Minergie-Standard umgebaut werde, geschweige denn mit erneuerbaren Energiequellen für Heizung und Strom ausgestattet werde. «Das ist unbefriedigend», sagte Thomas Hardegger (SP, Rümlang), Präsident der Planungs- und Baukommission. «Aber Public-Private-Partnership lässt kaum eine Mitsprache zu. Faktisch bedeutet das für uns: Nimm es unverändert, oder lass es ganz bleiben.»

Anträge auf mehr Veloparkplätze und eine geothermische Heizung schmetterte das Parlament ebenso ab wie einen Rückweisungsantrag der CVP. Wegen der hohen Kosten waren mindestens 91 Ja-Stimmen notwendig – es kamen 107 zusammen. 27 Kantonsräte votierten dagegen, 30 SVP-Parlamentarier enthielten sich.

Droht ein Referendum?

An der ZHdK ist man über den neuen Standort geteilter Meinung. Während Rektor Hans-Peter Schwarz den Entscheid begrüsste, kündigte Thomas Müllenbach, Dozent für bildende Kunst, ein Referendum an. Angesichts des Abstimmungsresultats sieht er gute Chancen für ein Behördenreferendum. CVP-Fraktionschef Philipp Kutter sagte am Montag aber, seine Fraktion stehe dafür kaum zur Verfügung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.09.2008, 08:21 Uhr

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