Zürich

Karge Beete und kein Ersatz für tote Bäume – weil der Stadt das Geld fehlt

Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 29.06.2011 3 Kommentare

Viele Blumenrabatten gleichen derzeit Äckern. Man müsse sparen, heisst es bei der Stadt. Auch für den Baumersatz sind 2011 in Zürich keine Mittel vorhanden.

Eine Brache, wo sonst die Blumen blühen: Wenigstens ist angesät vor dem Zürcher Hauptbahnhof.

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Bild: Nicola Pitaro

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Kein Weisser Salbei. Keine Rudbeckien. Keine Tagetes. Ein brauner Fleck begrüsst Touristen und Pendler, die mit dem Zug in Zürich ankommen. Der rechteckige Erdhügel beim Alfred-Escher-Brunnen sieht aus wie ein frisch zugeschüttetes Grab. Darin beerdigt: Das Budget, abgemurkst im Stadtparlament von der rechtsbürgerlichen Sparallianz im letzten Winter.

Axel Fischer, Chef Unterhalt bei Grün Stadt Zürich, sagt: «Wir müssen 2011 auf eine Bepflanzung der Wechselflorrabatten verzichten.» Grund seien die vom Gemeinderat geforderten Sparmassnahmen. Ausser in historischen Parkanlagen wie dem Rieter- oder dem Belvoirpark herrscht deshalb auf städtischen Beeten derzeit gähnende Leere. «Blütenpracht gibts ab Ende Juli», verspricht Fischer. Vor ein paar Wochen habe man eine Mischung mit über zwanzig verschiedenen Blumen gesät.Normalerweise begrünen die Gärtner die Rabatte dreimal pro Jahr mit saisonal blühenden Beetpflanzen. Es gibt einen Frühling-, Sommer- und Herbstflor. Ist nicht Sparzeit, kostet das 75'000 Franken jährlich. Wie viel durch den teilweisen Verzicht auf Wechselflor gespart wird, kann Axel Fischer nicht genau beziffern.

«Eine Trotzreaktion»

Von der Tristesse beim HB nichts bemerkt haben will Gian von Planta, Fraktionspräsident der Grünliberalen: «Ich bin nicht oft in der Gegend.» Seine Partei sorgte zusammen mit SVP, FDP, CVP und EVP für die Rückweisung des Budgets, verbunden mit dem Auftrag, 220 Millionen einzusparen. Es sei aber schade, sagt von Planta, dass die Stadt gerade dort, wo Touristen verkehren würden, nun ein Exempel statuiere: «Das ist eine Trotzreaktion.» Er sei überzeugt, dass Sparen auch möglich gewesen wäre, indem man zum Beispiel einen Waldweg einmal weniger geputzt hätte.

Grün Stadt Zürich spart aber nicht nur bei den Beeten. Auch der Baumersatz ist für dieses Jahr gestrichen. Gelangt der Tourist auf die Bahnhofstrasse, wird er dort ab nächster Woche Baumstrünke vorfinden. In der Nacht auf Mittwoch holzt die Stadt im Bereich der unteren und oberen Bahnhofstrasse drei dürre Bäume ab. Zurückbleiben wird ein anderthalb Meter hohes Stück Stamm. Versehen mit einem Schild von Grün Stadt Zürich, das die Aktion begründet. Es gehe um Verkehrssicherheit, Astabbrüche könnten Passanten gefährden. Jedes Jahr ersetzt Grün Stadt Zürich zwischen 400 und 600 kranke, alte oder beschädigte Bäume auf Siedlungsgebiet. Die dafür notwendigen 800'000 Franken sind 2011 aus dem Budget herausgefallen. «Gefällt wird nur, wenn ein Sicherheitsrisiko besteht», sagt Axel Fischer. So geschehen etwa am Limmatquai, wo vor einiger Zeit morsche Kastanienbäume der Säge zum Opfer fielen.

Kein Verständnis von rechts

Wie Gian von Planta stellt auch FDP-Präsident Michael Baumer die Sparstrategie infrage. Er hätte es lieber gesehen, wenn man die Ausgaben für neue Alleen gekürzt hätte. Es mache keinen Sinn, wenn man privaten Vorgärten zusätzlich städtische Beete vorlagere, wie das an der Weinbergstrasse der Fall sei.

Dass die Stadt den Hebel da ansetzt, wo es für alle sofort sichtbar ist, macht Mauro Tuena (SVP) wütend. Man habe den Stadtrat damit beauftragt, ein vernünftiges Budget auszuarbeiten. «Jetzt spart man bei ein paar Blümchen und plant gleichzeitig einen vier Millionen teuren Kiesplatz in Altstetten.» Gegen den Vulkanplatz hat die SVP zusammen mit der FDP das Behördenreferendum ergriffen. Auch versteht Tuena nicht, weshalb man den städtischen Jugendtreffs die «Kohle hinterherwerfe», obwohl diese die meiste Zeit leer stünden.Die karge Visitenkarte beim HB findet Elmar Ledergerber halb so dramatisch. «Deswegen kommt kein Mensch weniger zu uns», sagt der Präsident von Zürich Tourismus. Der ehemalige SP-Stadtpräsident zweifelt am Sparpotenzial in den Beeten. Er vermutet, dass die Stadt mit dem Verzicht auf die Rabattenbepflanzung zeigen will, dass man nicht sparen und gleichzeitig alles haben kann.

Freude über Guerilla-Malven

Ledergerber ist überzeugt, dass nächstes Jahr auch die Beete beim Alfred-Escher-Brunnen wieder bereits im Frühsommer in voller Pracht erblühen werden. In der Zwischenzeit solle man sich doch einfach über die vielen violetten, rosaroten und weissen Malven freuen, die Guerilla-Gärtner Maurice Maggi auch heuer wieder gesät hat: «Der Mann hat längst eine Anerkennungsmedaille verdient!»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.06.2011, 23:05 Uhr

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3 Kommentare

Peter Keller

29.06.2011, 08:27 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Dafür unterhält der Stadtrat eine riesige Bürokratie, betreibt z.B. bei der sog. Bewilligugnsabteilung der Wirtschaftspolizei ein Heer von meist unnützen Beamten im Dienst der Bewilligungsgesellschaft, einen Ausländerbeauftagten, Velobeauftragten, Engergiebeauftragten und was all der Jobs mehr sind, wo man einen Linken mit einem hohen Gehalt zu lasten der Steuerzahler versorgen will. Antworten


Anton Keller

29.06.2011, 08:40 Uhr
Melden

Ich bin sicher dass kein einziger Grün-Zürich Mitarbeiter wegen den Sparmassnahmen den Job verloren hat. Die stadteigenen Gärtnereien sind immer noch voll in Betrieb. Es geht wirklich nur um eine gemeine Trotzreaktion ohne konkrete Kosteneinsparungen. Antworten



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