Zürich

Kaufkräftige Neuzuzüger heizen die Mieten an

Von Reto Westermann. Aktualisiert am 01.04.2010 16 Kommentare

Das Regionenrating zeigt: Die Bevölkerung in Zürich wächst weiter. Eine Entschärfung auf dem Wohnungsmarkt ist deshalb nicht in Sicht.

Dossier

Stichworte

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Zürich wächst stetig. In den letzten zehn Jahren hat die Einwohnerzahl um 20'000 auf rund 380'000 zugenommen, und bis ins Jahr 2015 sind weitere 10'000 Neuzuzüger prognostiziert. Die neuen Stadtbewohner werden in der Mehrzahl aber nicht Familien sein, sondern sehr gut verdienende Singles und Paare, die auf dem Finanzplatz Zürich passende Jobs finden. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits jetzt den Wohnungsmarkt prägt.

Die grosse Nachfrage und die hohe Zahlungsbereitschaft haben das Wohnen in Zürich verteuert und ein Stück weit zu einer Segregation geführt: Wer es sich nicht leisten kann, muss aus gefragten Quartieren in günstigere Stadtteile umziehen. Das zeigen die Zahlen des aktuellen Regionenratings des «Tages-Anzeigers», basierend auf Analysen der Zürcher Kantonalbank. Selbst in traditionell günstigen Quartieren, so die Berechnungen der ZKB, haben die Wohnungspreise auf dem freien Markt unterdessen ein beträchtliches Niveau erreicht: In Leimbach und Schwamendingen etwa muss für eine Fünfzimmerwohnung mit Preisen zwischen 2800 und 2900 Franken gerechnet werden.

Gefragte Baugenossenschaften

Dass die Segregation passiert, lässt sich auch aus den Einzelbewertungen für die Quartiere ablesen: Tiefe Noten für den Wanderungssaldo (Saldo der Zu- und Wegzüge) in gefragten Quartieren sowie für die Marktdynamik (Wohnungsangebot, Leerstände, Neubautätigkeit) sind ein Hinweis darauf, dass Familien wegziehen und der Wohnraum durch Singles oder Doppelverdiener belegt wird. Typische Beispiele sind das Stadtzentrum, Oberstrass oder Hottingen, die alle im Rating Spitzenplätze belegen. Freiflächen für Neubauten sind dort Mangelware. Deshalb werden angejahrte Wohnhäuser mit preiswerten Wohnungen saniert oder durch Neubauten ersetzt.

Wer sich die neuen, hohen Mietzinse nicht leisten kann, muss ausweichen. Gefragt sind deshalb bei Normalverdienern vor allem diejenigen Stadtteile, in denen sich Wohnbaugenossenschaften engagieren, wie etwa Leimbach, Seebach, Schwamendingen oder Oerlikon. Doch auch dort sind die auf den Markt kommenden Wohnungen schnell weg und sind zahlbare Grundstücke, auf denen weitere preiswerte Wohnungen entstehen können, bald rar.

Wohneigentum als Alternative

Ein Ende der Wohnungsknappheit und der steigenden Preise ist nicht in Sicht: «Der Zustrom an sehr gut verdienenden Neuzuzügern wird anhalten», ist SP-Gemeinderätin Jacqueline Badran überzeugt. Sie ist die Initiantin der Initiative «Wohnen für alle», die den Erhalt von preiswertem Wohnraum und die Stärkung der Wohnbaugenossenschaften in der Stadt fordert.

Die derzeit einzige Alternative zum Wegzug sind die immer zahlreicher werdenden Eigentumswohnungen: Gab es gemäss den Erhebungen des statistischen Amtes 1997 auf Stadtgebiet rund 10'000 davon, ist ihre Zahl unterdessen auf 15'000 gestiegen. Und neue Projekte verkaufen sich gut, wie es das Beispiel Habsburgstasse in Wipkingen zeigt, wo der einstige Hauptsitz von Hotelplan zu Eigentumswohnungen umgebaut wird: «90 Prozent der Wohnungen waren vor Baubeginn weg», sagt Andy Sutter von der Firma Beat Odinga aus Uster, die das Projekt entwickelt hat.

Genügend Eigenkapital vorausgesetzt, können Wohnungen in solchen Projekten durchaus eine Alternative zu teuren Mietwohnungen sein: Lässt man die entgangene Rendite auf dem Eigenkapital in der Berechnung weg, liegt die monatliche Belastung meistens tiefer als in einer vergleichbaren Mietwohnung. Und kommt es zu einem Wiederverkauf, profitiert man von der Wertsteigerung – und nicht der Besitzer der Liegenschaft.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.01.2010, 04:00 Uhr

16

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

16 Kommentare

Rainer Freytag

29.01.2010, 17:55 Uhr
Melden

@Herr Schwitter: Ich würde sogar noch höhere Mieten in Kauf nehmen, um Sie aus ZH fernzuhalten. Antworten


Rene Wetter

29.01.2010, 10:12 Uhr
Melden

Das kommt daher, dass eine der Hauptprioritäten unserer Regierungen das Anlocken von reichen Ausländern ist. Im Kanton Zug und entlang dem Zürichsee (insbesondere Goldküste) ist es noch viel schlimmer, ebenfalls in gewissen Ferienorten, wie Verbier, St. Moritz und Zermatt. Da werden die Jungen durch die hohen Preise aus ihrer Heimat vertrieben, den Profit haben nur wenige Privilegierte. Antworten



Zürich

Populär auf Facebook Privatsphäre

Lokalverzeichnis

Werbung

Umfrage

Am 17. Juni stimmen wir darüber ab: Würden Sie die Volksinitiative «Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» heute annehmen?