«Kein Mensch versteht, weshalb der VPOD streiken will»
Von Janine Hosp. Aktualisiert am 23.05.2011 12 Kommentare
Oberster Trämler und FDP-Stadtrat: Andres Türler.
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Herr Türler, die Gewerkschaften fordern einen Gesamtarbeitsvertrag, und der Stadtrat will sie darin unterstützen. Was ist das Problem?
Das wüsste ich auch gerne. Der VPOD rennt mit seiner Forderung nach einem Gesamtarbeitsvertrag beim Stadtrat offene Türen ein. Kein Mensch versteht, weshalb er streiken will.
Vielleicht zu Werbezweckenin eigener Sache?
Wenn Sie das so sagen, wage ich fast nicht zu widersprechen.
Der VPOD schert als einzige Gewerkschaft aus den Verhandlungen aus.
Vielleicht will er einfach trommeln, um zu zeigen, dass er noch da ist. Man kann aber nicht die ausgestreckte Hand zur Verhandlung ausschlagen und streiken.Mit den Gewerkschaften haben wir am runden Tisch bereits erste Resultate erzielt, weitere sind in Griffnähe, etwa bei der Gestaltung der Dienstpläne. Es ist absolut unnötig, dass der VPOD davonläuft – und Forderungen aufstellt, die am runden Tisch besprochen werden. So geht es nicht. Der Stadtrat tritt deshalb auch nicht auf dessen Ultimatum ein.
Ist es überhaupt sinnvoll, überall dieselben Arbeitsbedingungen einzuführen? In der Stadt etwa ist es hektischer als auf dem Land, das Personal braucht längere Pausen.
Natürlich muss man in einem Gesamtarbeitsvertrag den regionalen Begebenheiten Rechnung tragen. Im Kanton Bern funktioniert dies, und ich sehe keinen Grund, weshalb das bei uns nicht auch gehen soll. Wir müssen aber alle an einen Tisch sitzen, um das zu regeln: der Zürcher Verkehrsverbund, die VBZ und die Gewerkschaften.
1999 waren die Gewerkschaften kurz davor zu streiken. Offenbar ist seither nichts geschehen.
Doch, natürlich. Der ZVV hat in der Folge 3,5 Millionen Franken zugunsten des Personals investiert. Aber heute diskutieren wir über andere Forderungen.
Geht es am Ende gar nicht um Gesamtarbeitsverträge undRuhepausen, sondern vielmehrum weiche Faktoren wie Wertschätzung?
Dies ist auch ein Thema. Mit den Gewerkschaften Syna und Transfair haben die VBZ deshalb eine paritätische «Groupe de Réflexion» ins Leben gerufen. Sie soll aufzeigen, wie man das Betriebsklima verbessern kann.
VBZ-Angestellte werfen Ihnen vor, Sie würden sich nicht für deren Probleme interessieren.
Ich? Ich pflege seit meinem Amtsantritt das «Prinzip der offenen Tür». Jeder, der das Bedürfnis hat, kann mit mir reden, in meinem Büro, im Betrieb oder wenn ich die Werkstätte besuche. Der Leserbrief, den Sie ansprechen, ist möglicherweise eine bestellte Meinungsäusserung des VPOD.
Der Bund will alle Linien des ÖV neu ausschreiben. Wie gross ist das Risiko, dass die VBZ eine Linie verlieren?
Wenn wir so weitermachen wie bisher, ist das Risiko gross. Die VBZ haben ausserhalb der Stadt bereits zwölf Buslinien verloren.
Was meinen Sie mit: Wenn wir so weitermachen wie bisher?
Unsere Arbeitsbedingungen sind heute schon sehr komfortabel und die Dienstleistungen der VBZ vergleichsweise teuer. Aber das lässt sich begründen: Wir fahren in der Stadt, und die Tram- und Busführer brauchen mehr Zeit zur Erholung. Zudem profitieren sie von den guten städtischen Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen.
Aber wer ausser den VBZ könnte in der Stadt Zürich Tram fahren?
Ich nenne keine Namen – ich will keine schlafenden Konkurrenten wecken.
Malen Sie schwarz, um die Forderungen der Gewerkschaften nicht erfüllen zu müssen?
Nein, ich möchte niemandem etwas wegnehmen. Meiner Meinung nach ist ein Gesamtarbeitsvertrag eine vernünftige Lösung. Die Sicherheit würde leiden, wenn Lohndumping betrieben würde.
Wie wollen die VBZ ihre Linien gegen Herausforderer verteidigen?
Sicher nicht, indem wir die Löhne senken. Wir müssen unsere Produktivität weiter steigern und die Arbeitsabläufe in Werkstätten und Betrieben optimieren. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.05.2011, 07:15 Uhr
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