Zürich
Keine Lärmklagen nach ETH-Party: Kopfhörer sei Dank
Von Carmen Roshard. Aktualisiert am 06.07.2009
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Man nähert sich der angekündigten Megaparty, aber kein Mucks ist zu hören. Auch dann nicht, wenn die ersten farbigen Laserlichtstreifen sichtbar werden. Bunte Gestalten mit Kopfhörern bewegen sich zu imaginärer Musik. Was ist da bloss los? Ist den Partyveranstaltern der Strom abgedreht worden, oder handelt es sich hier um eine Zusammenkunft von Ausserirdischen, die einer inneren Stimme folgend, die Hüften hin und her bewegen?
Nichts von alledem ist der Fall. Es handelt sich um die «erste grosse Silent Party Zentraleuropas», an der Mann und Frau den Sound aus dem Kopfhörer serviert bekommen. Diese Headphoned Party, wie der lautlose Partytrend genannt wird, fand am Freitagabend auf der Polyterrasse statt. Und wären da nicht die farbigen Lichter gewesen, hätte es keiner gemerkt. Denn, was in England schon lange gang und gäbe ist, dachte sich der Verband der Studierenden an der ETH, das kann auch für Zürich nicht falsch sein.
Laute Partys beliebter
Die Silent Partys werden Mühe haben, ihre lauten Pendants zu verdrängen. Zwar liegt der glasklare Vorteil dieser stillen Partys auf der Hand: Endlich kann man sich wieder unterhalten, ohne vom Schreien des Gegenübers einen Ohrenschaden zu riskieren. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil hingegen ist, dass die Musik direkt in den Kopf geht und der Körper irgendwie auf der Strecke bleibt. «Kein Bass im Bauch spüren heisst für mich auch keine Partystimmung», fasst es ein namhafter Zürcher DJ zusammen.
Das sieht Gerald Weber, Medienverantwortlicher der Studierenden, ganz anders. «Ich war schon am Freitagabend total happy über die Freude der Anwesenden, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon wusste, dass wir finanziell nicht gut dastehen würden. Von den erwarteten 2500 Partyfans sind nur knapp 1500 gekommen. Was sicher auch am stolzen Eintrittspreis von 42 Franken lag, gibt Weber zu. Doch wir wollten «klotzen, nicht scheppern», was so viel heisst wie: Acts und Infrastruktur sollten nicht «cheap» daherkommen.
Wer spekuliert, zahlt weniger
Auch das «aussergewöhnliche Headphoned Pricing» kam, da die Veranstaltung nicht ausverkauft war, nicht zum Tragen. Dieses Ticket- und Pricingsystem geht so: Im Vorverkauf kosten die Tickets 90 Franken, und pro Tag sinkt der Preis, bis er auf einem Minimum von 39 Franken angekommen ist. Wer also spekulieren möchte, kann warten. Wer sicher ein Billett ergattern will, muss möglichst früh bestellen. Dieses System funktioniert aber nur, wenn die Nachfrage viel grösser ist als die Ware. Alle diejenigen, und von denen gab es laut Weber einige, die ihre Tickets für mehr als das Doppelte gekauft hatten, konnten sich grün und blau ärgern.
Headphoned Party auf dem Uetliberg
Ein Wermutstropfen für die Organisatoren ist, dass sich bereits Mietinteressenten für die 2000 gekauften Funk-Kopfhörer gemeldet haben. So zum Beispiel verschiedene Openair-Kinos und Clubbesitzer. Das studentische Organisationsteam hat auch bereits einen Korb voller Ideen parat, was es mit den Kopfhörern alles anstellen will: ein Silent Boat an der Street Parade bestücken oder eine Headphoned Party auf dem Uetliberg. Das wird den innovativen Wirt Giusep Fry sicher freuen, den Verein Pro Uetliberg jedoch weniger. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.07.2009, 10:50 Uhr



