Keine WM-Spiele in den Gartenbeizen
Von Georg Gindely. Aktualisiert am 27.05.2010 128 Kommentare
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Das wird die Stadtzürcher Gartenbeizer nicht freuen. Während der Fussball-WM dürfen sie Fussballspiele auf Fernsehern oder Leinwänden nur dann zeigen, wenn sie im Besitz einer Bewilligung für ein Public Viewing sind. Doch dafür sind bei der Stadt nur rund 20 Gesuche eingegangen – bei Hunderten von Gastrobetrieben. Eine Bewilligung erhalten haben unter anderem das Restaurant Gessnerallee, das Xenix und mehrere Quartieranlässe.
Zu hohe Lärmbelastung
Auch das Restaurant Piccolo Giardino im Kreis 4 hatte ein Gesuch gestellt. Doch die Abteilung für Bewilligungen im Polizeidepartement hat das Begehren abgelehnt. Begründung: Die Lärmbelastung für das Quartier wäre zu hoch. Zudem seien Bedenken angebracht, dass der Verkehr durch Zuschauer im Freien beeinträchtigt würde. «Wir sind sicher, dass wir damit im Interesse der Wohnbevölkerung handeln», sagt Reto Casanova, Sprecher des Polizeidepartements. Eine Ausnahmebewilligung ist nur dann möglich, wenn ein Public Viewing vom Quartierverein oder von drei im Quartier aktiven Vereinen organisiert wird. «Diese Bedingung ist hier nicht erfüllt», so Casanova.
Der Entscheid sorgt bei Mischa Steiner vom Piccolo Giardino für Unverständnis – vor allem, weil sein Restaurant vor zwei Jahren von der Stadt 40'000 Franken erhalten hat. Das Geld – 20'000 Franken à fonds perdu und 20'000 Franken als zinsloses Darlehen – stammte aus dem Langstrassenkredit, mit dem die Stadt Gewerbebetriebe unterstützen wollte, die das Quartier beleben. «Mit dem jetzt getroffenen Entscheid verunmöglicht uns die Stadt genau das», sagt Steiner. Auch das Argument mit der Lärmbelastung ist laut Steiner nicht haltbar. Sein Restaurant liegt eingeklemmt zwischen zwei stark befahrenen Strassen und in der Nähe der SBB-Geleise. Vor allem sei der Lärm im Langstrassenquartier während und besonders nach den Spielen wegen der feiernden Fans und hupenden Autofahrer derart gross, dass die Fussballübertragungen in seinem Restaurant nicht ins Gewicht fallen würden.
Andere Beizer haben kein Gesuch gestellt und wollen dies auch nicht nachholen. «Wir hatten nie Probleme mit Nachbarn, wenn wir die Spiele im Garten zeigten – das wird auch dieses Jahr nicht anders sein», sagt der Leiter eines Gastrobetriebs, der nicht namentlich genannt werden will. «Ich will schliesslich keine schlafenden Hunde bei der Stadtpolizei wecken.»
Aber darf die Stadtpolizei überhaupt darüber bestimmen, ob Wirte in ihrem Garten WM-Spiele zeigen dürfen? Ja, sagt Reto Casanova. Gartenrestaurants sind öffentlich zugänglich und gelten deshalb als Anlagen im Sinne des Umweltschutzgesetzes. Sie werden gleich behandelt wie Boulevardcafés, die ihre Tische und Stühle auf öffentlichem Grund aufstellen.
Bis zu 500 Franken Busse
Die Bewilligungspraxis der Stadtpolizei habe sich im Vergleich zur Weltmeisterschaft von 2006 nicht geändert, sagt Casanova weiter. Damals hat die Stadt 18 Gesuche für Public Viewing bewilligt. Während der Euro 08 habe man die Praxis ausnahmsweise gelockert, weil die Schweiz zusammen mit Österreich Gastgeberland war. Wer die WM-Spiele 2010 ohne Bewilligung zeigt, muss mit einer Busse von bis zu 500 Franken rechnen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.05.2010, 23:52 Uhr
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128 Kommentare
Lustig finde ich immer wieder die bemühten Aufrufe, irgendwohin in die Peripherie (Luzern, Urdorf etc.) zu ziehen oder die Ratschläge von Landbewohnern, man müsse halt SVP wählen, dann werde alles besser. Nö danke, es gefällt so in der Stadt. Natürlich ist das eine Posse, aber so heiss wie die Suppe hier gekocht wird, wird sie noch lange nicht gegessen. Antworten
@ Andy Holmes: Toleranz ist das, was man von der anderen einfordern kann, gell? Versuchen sie mal die andere Seite zu sehen: Es gibt sie wirklich, die paar Leute, die sich einen Deut um das runde Leder kümmern. Warum nicht tolerant den gegenüber sein und wenigstens die Gärten tschuttifrei lassen. Auch wenn dort geraucht wird ;-) Antworten





