Zürich
Kinderkrippe in Zürich-West steht vor der Schliessung
Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 02.09.2010 8 Kommentare
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Die Zahl der Krippenplätze in Zürich steigt kontinuierlich an, doch ausreichend ist sie noch nicht. Das hat ein junges Paar aus Höngg in den letzten Wochen schmerzlich erfahren. Die Eltern wollten ihren achtmonatigen Sohn in der städtischen Krippe des Quartiers anmelden. Doch keine Chance. Der Kleine wurde auf der Warteliste auf Platz 104 eingereiht. «Wir waren schockiert und ratlos», sagt der Vater. Weit und breit sei keine Lösung in Sicht gewesen.
Dann stiessen die Eltern zufällig auf den Klein-Kindergarten Hardturm, der erstaunlicherweise noch «freie Plätze» anbot. Die Eltern waren erleichtert, denn die junge Mutter musste nach dem Mutterschaftsurlaub wieder zur Arbeit. Doch die Freude währte nur kurz. Schon das erste Gespräch mit der Krippenleiterin, einer 38-jährigen Tanzlehrerin, war etwas seltsam verlaufen. Der Kleine brauche höchstens zwei Tage Eingewöhnungszeit, fand die Krippenleiterin, obwohl in «richtigen Krippen» zwei Wochen Standard sind. Trotzdem zahlten die Eltern die ersten 860 Franken für die Betreuung ein.
Leiterin nicht mehr erreichbar
Am vorletzten Montag brachten sie ihren Kleinen in die Krippe. Dort war aber weder das versprochene qualifizierte Personal noch die Krippenleiterin anwesend. Eine Praktikantin, die sich als Hauswirtschaftspraktikantin vorstellte, nahm den Kleinen in Empfang. Mit schlechtem Gefühl ging das Elternpaar zur Arbeit. Und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis das Telefon aus der Krippe kam. Der Kleine schreie und müsse sofort abgeholt werden, teilte die Krippenleiterin mit.
Das gleiche Spiel wiederholte sich am zweiten Tag, der Kleine war in der Krippe nicht zu beruhigen. Ende Woche hatten die Eltern das Vertrauen in die Kindertagesstätte verloren. Per Zufall haben sie in der Zwischenzeit eine Tagesmutter gefunden und ihr Betreuungsproblem vorerst gelöst. Jetzt wollen sie vom Klein-Kindergarten Hardturm nur noch das einbezahlte Geld zurück. Das könnte allerdings schwierig werden, denn die Krippenleiterin ist für die Eltern telefonisch nicht mehr erreichbar.
Krippenaufsicht ist alarmiert
Der Krippenaufsicht der Stadt Zürich ist der Klein-Kindergarten Hardturm bekannt. Wie Leiter Peter Walter bestätigt, sind in letzter Zeit mehrere Reklamationen eingegangen, von Eltern, aber auch von Angestellten, die keinen Lohn bekommen haben. Laut Walter hat der Kindergarten keine Bewilligung und steht deswegen unter Beobachtung. Bis Ende dieser Woche hat Walter der Krippenleiterin Zeit gegeben, die nötigen Unterlagen für eine Bewilligung einzureichen. Dazu gehören die Arbeitsverträge der Angestellten, ein Krippenkonzept, Informationen über die Kapitalisierung und ein Grundriss der Räumlichkeiten.
Weil die Krippe bis heute noch ohne Bewilligung ist, hat die Krippenleiterin die Auflage, nicht mehr als fünf Kinder gleichzeitig aufzunehmen. Grund: Nur für eine Einrichtung, die mehr Kinder betreut, ist eine behördliche Bewilligung nötig.
Es droht die Schliessung
Bei ihren Besuchen stellte die Krippenaufsicht ebenfalls fest, dass kein ausgebildetes Personal vorhanden war. Weil aber weniger als fünf Kinder in der Krippe und diese nicht unmittelbar gefährdet waren, darf die Krippe auf Zusehen hin weitermachen. Sollten nächste Woche aber die geforderten Unterlagen nicht eintreffen, werde die Schliessung der Krippe verfügt, sagt Walter. Zudem würden dann die Eltern der Kinder kontaktiert. Die Behörden würden ihnen auf der Suche nach einem neuen Betreuungsplatz helfen.
Die Krippenleiterin war gestern nicht erreichbar. Die Festnetznummer der Krippe, die im Internet angegeben ist, war «nicht mehr in Betrieb». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.09.2010, 22:23 Uhr
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8 Kommentare
Am intelligentensten wäre es, wenn die Eltern, wo es möglich ist, die Kinder, v.a. im Kleinkindsalter selbst zu betreuen, statt an den Staat zu delegieren. Und für den Tatbestand, dass die Tiere im Zoo scheinbar besser betreut werden, können die Tiere wiederum nichts, oder? Antworten
Genau das gleiche erlebt!! Unsere Krippe hatte sogar eine Bewilligung, da sie offiziell (aber nie anwesend) eine ausgebildete Krippenleiterin hatte. An der Wand hingen irgendwelche Diploma, aber das anwesende Personal wusste gar nichts ueber Babies und Kleinkinder. Papier heisst also auch nix. Sogar die Gemeinde hat ein platziertes Kind wieder raus genommen. Zum Glueck ist die heute geschlossen Antworten
Das Problem liegt auch darin, dass jemand mit 3jähriger Ausbildung in Kindererziehung in Zürich mit einem Hungerlohn von ca 4000.-- Fr rechnen muss (und darunter). Sehr hohe Verantwortung und Kompetenz und der Lohn reicht kaum für die Miete einer Wohnung und die Krankenkasse. Ich bin keine Emanze, aber Frauenberufe ist zu schlecht bezahlt. Undankbare Wirtschaftswelt. Antworten
wir haben auch lange gesucht und auch platz gefunden für unsere kleine. die kinderkrippe blüemli in witikon hat eine bewilligung und das personal ist ausgebildet. die adresse haben wir auf der sozialamt zürich webseite gefunden... übrigens sie haben noch ein paar freie betreuungsplätze da sie neu eröffnet haben. Antworten
Die Betreuung von (Klein-) Kindern erfordert qualifiziertes Personal und ein ernstzunehmendes Management seitens der Krippe. Ein staatliches Zertifikat, das Eltern zeigt, dass minimale Standards eingehalten werden, tut Not. Aktuell ist in Zürich die Betreuung von Zoobewohnern besser organisiert als diejenige von Kindern. Antworten





Brullo Laura
Ich kenne da einige KiTas im selben unseriösen Stand. Meine ehemalige KiTa in Dielsdorf wurde letzte Woche geschlossen. Die Betriebsbewilligung wurde entzogen. Ungenügende Anzahl an Diplomierte Erzieher/innen und mein Lohn kam nur sporadisch. Ich begreife es nicht wie Leute in dieser Branche nur Geld verdienen möchten!...Hier gehts um kleine Lebewesen die sich in KITas zu Hause fühlen sollten. Antworten