Knaben sind häufiger Opfer sexueller Ausbeutung

Aktualisiert am 27.01.2012

484 Fälle von Kindsmisshandlungen wurden 2011 im Zürcher Kinderspital gemeldet. Der Anteil sexuell ausgebeuteter Knaben ist dabei von 29 auf 65 Vorfälle gestiegen.

Verzeichnet immer mehr Fälle sexueller Ausbeutung an Kindern: Notaufnahme im Zürcher Kinderspital.

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Bild: Keystone

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An erster Stelle bei den Kindsmisshandlungen stand wie im Vorjahr sexuelle Ausbeutung: In 40,2 Prozent aller Fälle war sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Spiel, wie die Kinderschutzgruppe und die Opferberatungsstelle des Kinderspitals Zürich am Freitag mitteilten. Im 2010 lag diese Zahl bei 33 Prozent. Abgenommen hat im Vergleich zum Vorjahr hingegen der Anteil minderjähriger Täter bei sexuellen Übergriffen. Er sank von 32 Prozent auf 26 Prozent.

Körperliche Gewalt an Knaben häuft sich

Deutlich gestiegen ist die Anzahl Meldungen wegen gesicherter oder vermuteter sexueller Ausbeutung von Knaben. Im Jahr 2011 waren in 65 Fällen Knaben betroffen, im Vorjahr waren es 29.

Auch von körperlicher Gewalt sind immer mehr Knaben betroffen, 2011 waren es 94, im Vorjahr 70. Zwei Kinder starben an den Folgen von Misshandlungen. Es müsse offen bleiben, ob wirklich mehr Knaben Opfer von Misshandlungen geworden seien oder ob mehr Knaben – respektive deren Eltern – es wagten, sich als Opfer zu outen, heisst es in der Mitteilung.

Opfer melden sich häufiger bei der Polizei

«Markant verändert» hat sich gemäss Mitteilung das Verhalten der Opfer nach einem sexuellen Übergriff: Die Kinderschutzgruppe habe in einer solchen Situation stets zu einer Strafanzeige geraten.

Im Jahre 2010 folgten jedoch nur 37 Prozent der Opfer eines gesicherten sexuellen Übergriffs diesem Rat. 2011 hingegen machten 70 Prozent der Opfer eine Meldung an die Polizei.

Dies zeige, dass sich die einfühlsame Befragung der besonders dafür ausgebildeten Polizeibeamtinnen und -beamten herumspreche. Die Einschätzung, eine Anzeige bei der Polizei löse automatisch eine erneute Traumatisierung des Opfers aus, erweise sich immer mehr als falsch.

Geschätzte Beratung

Auch 2011 wandten sich viele Fach- und Bezugspersonen (Grosseltern, Nachbarn, Lehrpersonen, Kinderärztinnen, Behördenmitglieder) für eine Beratung wegen einer Misshandlung an die Fachstelle. Insgesamt waren es 243 (2010: 240).

Dies könne auch als Hinweis darauf gewertet werden, dass die Öffentlichkeit nicht die Augen verschliesse und vermehrt Fachhilfe suche, wenn Anzeichen für eine Kindsmisshandlung vorhanden seien.

Die Kinderschutzgruppe des Zürcher Kinderspitals ist die grösste Anlaufstelle für Kindsmisshandlungen im Kanton Zürich. Weitere Anlaufstellen gibt es am Zürcher Triemlispital und beim Verein Castagna sowie in Winterthur. Eine Statistik für den ganzen Kanton Zürich existiert nicht.

(tif/sda)

Erstellt: 27.01.2012, 14:07 Uhr

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