Zürich
Kommen die Grosskatzen in die Pubertät, wird es gefährlich
Von Carmen Roshard. Aktualisiert am 22.11.2012 9 Kommentare
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Die fünfköpfige sibirische Amurtigerfamilie auf dem Zürichberg zeigt fussballerisches Talent. Ob im kalten Wasser ihres Teiches oder zu Land – die grossen grünen Bälle haben es ihnen angetan. Nur Mutter Elena scheint sich nicht sonderlich für das runde Ding zu interessieren. Vater Coto hingegen ist kaum vom Ball zu trennen – bis das Futter in Form von toten Hühnern gereicht wird. Dann schaut jeder für sich. Und kaum lässt einer ein Huhn liegen, schnappt es der andere weg. Noch sind sie alle friedlich miteinander, doch bald kommen die eineinhalbjährigen Tigerkinder in die Pubertät, dann ist fertig lustig: Dann wird aus väterlicher Fürsorge gnadenlose Konkurrenz.
Löwenjunges wird ausgeschafft
Auch die vier indischen Löwenkinder, die bereits zweieinhalbjährig sind, werden langsam erwachsen. Die beiden Weibchen sind schon so gross wie ihre Mutter Joy, und Männchen Kuvams Mähne macht jener von Vater Radja bald Konkurrenz. Darum wird in nächster Zeit entschieden, sagte Zoodirektor Alex Rübel am Mittwoch vor den Medien, in welchen europäischen Zoo der junge Löwe ausgeschafft wird.
Während bei den Tigern in freier Wildbahn klar ist, dass sich die erwachsenen Tiere ein neues Territorium suchen müssen, werden bei den Löwen vorerst nur die Männchen vertrieben. Weibchen dürfen in der Gruppe bleiben, sofern diese nicht zu gross ist und es genug Futter gibt. Gelegentlich bleiben die jungen männlichen Löwen eine Weile zusammen, bis sie sich auf die Suche nach einem Weibchenrudel machen oder ein älteres Löwenmännchen aus einer Gruppe werfen können. Auf der Suche nach einer neuen Familie kommt es oft zu Kämpfen, die tödlich enden können. Tiger hingegen seien Einzelkämpfer, sagt Rübel. Die Auseinandersetzungen bei der Suche nach einem neuen Territorium verlaufen friedlicher. Trotzdem sei für Tiger wie auch für Löwen das Erwachsenwerden in der freien Wildbahn nach der Geburt die gefährlichste Zeit im Leben, sagt der Zoodirektor.
Einzelgänger Tiger, Rudeltier Löwe
Die Unterschiede zwischen dem Tiger als Einzelgänger und dem Löwen als Rudeltier zeigen sich auch bei der Aufzucht. Ist bei den Einzelgängern die Mutter allein verantwortlich für die Futterbeschaffung, so ist dies bei den Löwen Sache der weiblichen Rudelmitglieder. Gelingt einem Löwenmännchen die Übernahme eines Rudels, tötet er alle Jungtiere. Dieser Infantizid ermöglicht es dem neuen Rudelchef, seine eigenen Gene weiterzuvererben.
Das Verbreitungsgebiet des Tigers reichte noch vor 40 bis 50 Jahren bis zum Kaspischen Meer und zur östlichen Türkei. Schätzte man den Bestand Ende des 19. Jahrhunderts auf rund 100'000 Tiere, gehen aktuelle Berechnungen noch von 3000 bis 5000 Tieren aus. In dieser Zeit hat der Tiger rund 93 Prozent seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes eingebüsst. Von neun Unterarten sind bereits drei ausgestorben.
Einsatz in freier Wildbahn
Der Zoo Zürich versucht mit der niederländischen Tigris Foundation, im Osten Russlands den letzten Lebensraum der Amurtiger zu erhalten. Die Wälder des Unesco-Biosphärenreservats Kedrowaja Pad gehören zu den biologisch reichsten Russlands und beherbergen mehr als hundert gefährdete Tier- und Pflanzenarten.
Dem Indischen Löwen geht es nicht besser. Durch die Jagd während der Kolonialzeit schrumpfte die Löwenpopulation auf einige wenige Dutzend Tiere. Inzwischen wurde der Nationalpark Gir Forest unter Schutz gestellt, der Bestand wird auf rund 350 Tiere geschätzt. Weitere rund 80 Tiere umfasst das Europäische Erhaltungszuchtprogramm, an dem auch der Zoo Zürich beteiligt ist. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.11.2012, 09:38 Uhr
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9 Kommentare
"ausgeschafft" finde ich in dem zusammenhang etwas unangemessen. wie wäre es mit "umgesiedelt"? der junge löwe ist ja kein krimineller asylbewerber. vielleicht müsste man die ausschaffungsinitiative umformulieren in umsiedelungsinitiative. vielleicht wäre sie dann längstens vollzogen, oder was meinen sie, frau sommaruga?
jetzt kommen wieder die kommentare, was denn das mit dem anderen zutun hat...
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Nicht nur bei Grosskatzen wird es gefährlich, wenn sie in die Pubertät kommen - auch bei Hauskatzen leidet oft das Inventar der heimischen Stube, wenn aus einem süssen Kätzchen langsam aber sicher eine echte Mikro-Raubkatze wird. Ganz zu schweigen von den Kratzspuren, die man sich beim Spiel mit seinen heranwachsenden Stubentigern zuziehen kann. Antworten

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