Zürich

Kommt C-Bewilligung, kommt Scheidung

Von Felix Schindler. Aktualisiert am 29.06.2011 63 Kommentare

Im siebten Jahr werden mit Abstand am meisten Ehen geschieden. Das hat allerdings weniger mit dem Mythos des «verflixten Siebten» zu tun – sondern mit dem Ausländerrecht.

Anzahl Ehescheidu...

Quelle:Statistik Stadt Zürich


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Fast 2000 Ehen sind im Jahr 2010 geschieden worden, so viele wie noch nie. Dies zeigen Daten von Statistik Stadt Zürich. 25 Ehen haben weniger als ein Jahr gehalten, doch mit Abstand am meisten Ehen gehen sechs Jahre nach der Vermählung kaputt. 264 Ehen gingen dann in die Brüche.

Nur gut sieben Prozent dieser Scheidungen betrafen Scheidungen eines Schweizer Paares. Gut 60 Prozent davon waren binationale Ehen. Ein Zufall ist dieser massive Ausschlag nicht, denn er ist laut Judith Riegelnig von Statistik Stadt Zürich seit Jahren etwa gleich. Eine mögliche Erklärung für diesen Sachverhalt liefert Bettina Dangel vom Migrationsamt des Kantons Zürich: «Nach fünf Jahren Ehe erhält der ausländische Ehepartner eine Niederlassungsbewilligung C, die man nicht mehr so einfach verlieren kann», sagt Bettina Dangel. «Ich denke, das ist sicher mit ein Grund für diese hohe Scheidungsrate.»

«Viele nehmen sich noch eine Zeit lang zusammen»

Scheidungsanwalt Roger Groner betreut pro Jahr 60 bis 70 Scheidungen zwischen Schweizern und Ausländern. Auch er glaubt, dass diese hohe Scheidungsrate mit dem Ausländerrecht zu tun hat. «Ich beobachte oft, dass sich die Ehepartner noch eine Zeit lang zusammennehmen und erst in die Scheidung einwilligen, wenn die C-Bewilligung vorliegt.»

Muss man daraus schliessen, dass ein erheblicher Teil der geschiedenen Ehen Scheinehen waren? Der Kanton überprüft jährlich rund 3500 Ehen, 500 entpuppen sich als Scheinehen, Tendenz steigend. Eine Scheinehe zu beweisen, ist laut Angaben des Migrationsamtes allerdings äusserst schwierig, denn der Nachweis beruht fast immer auf Indizien. Wenn der Altersunterschied besonders gross ist, sich die Ehepartner nur sehr kurz kennen oder nicht verständigen können, wird das Migrationsamt hellhörig. Ebenso, wenn der ausländische Partner von einem Wegweisungsverfahren betroffen ist oder der Schweizer Partner Drogen- oder Alkoholsüchtig ist.

Auch Scheidungen von Ausländern nach sechs Jahren besonders häufig

Aus Sicht des Scheidungsanwalts Groner müssen aber längst nicht allen Scheidungen eine Scheinehe vorangegangen sein. «Von einer Scheinehe kann man nur dann sprechen, wenn von Anfang an kein Ehewille vorhanden war. Viele der Scheidungen binationaler Ehen, die ich betreue, haben sicher mit einer echten Beziehung begonnen.»

Die Statistik zeigt aber nicht nur, dass fünf Jahre nach der Trauung die Scheidung binationaler Ehen sprunghaft ansteigt. Auch Ehen, bei denen beide Partner aus dem Ausland stammen, gehen in diesen Jahren besonders häufig kaputt. Eine Interpretation sei allerdings äusserst schwierig, sagt Riegelnig. «Ich war selber überrascht, als ich das festgestellt habe.»

Laut Groner lässt sich auch dies mit dem Ausländerrecht erklären: Bei vielen Ehen zwischen Ausländern besitzt einer der Ehepartner einen C-Ausweis. «Dadurch erhält auch der andere Ehepartner nach fünf Jahren eine C-Bewilligung. So gesehen sind viele Ehen zwischen Ausländern binationalen Ehen gleichzusetzen.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.06.2011, 11:45 Uhr

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63 Kommentare

Katharina Keller

29.06.2011, 13:29 Uhr
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Aus meinen Erfahrungen weiss ich, dass viele binationale Ehen erst geschieden werden, wenn der Mann den C-Ausweis erhalten hat, weshalb er auch geheiratet hat. Es geht hierbei nicht um sog. Scheinehen, denn die Frauen sind wirklich verliebt und glauben an die grosse Liebe. Hier geht es um ein Geschäft, auch Bezness genannt, welches für die Männer ein Ticket für Europa bedeutet. Antworten


Sam Gerber

29.06.2011, 13:38 Uhr
Melden 38 Empfehlung

Es ist doch wie bei den Einbürgerungen: sowie die Visumpflicht z.B. für Serben aufgehoben wurde, sind die Einbürgerungsgesuche sofort zurück gegangen. Selbstverständlich ist der Standort Schweiz interessant für Ausländer. Jedoch wird man bestimmt feststellen müssen, dass es sich in der Regel um die Art von Ausländer handelt, die wenig zum Mehrwert des Standortes beitragen. Antworten



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