Kreative sollen zwischen Sexboxen und Asylunterkunft ziehen
Von Georg Gindely. Aktualisiert am 01.10.2011 18 Kommentare
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Bis jetzt wissen sie es nur gerüchtehalber. Die Mieterinnen und Mieter im Basislager sollen nächstes Jahr von der Binz nach Altstetten ziehen. Der neue Standort des Containerdorfs für Handwerker, Künstler, Grafiker und Architekten liegt zwischen einer Siedlung der Asylorganisation Zürich und dem geplanten städtischen Strassenstrich. So plant es der Stadtrat.
Noch ist aber nicht sicher, ob es wirklich zum Umzug kommen wird. Die Verhandlungen zwischen dem Stadtrat, der das Basislager kaufen will, und der Eigentümerin Swiss Life sind immer noch nicht abgeschlossen. Im März hiess es, sie seien weit gediehen. Bis heute ist der Vertrag aber nicht unterzeichnet.
Der Stadtrat zögert
Gut informierten Quellen zufolge liegt das am Stadtrat. Zuerst sei diesem der geforderte Preis zu hoch gewesen. Nachdem die Swiss Life ein tieferes Angebot vorgelegt habe, hätten sich die Verantwortlichen der Stadt lange nicht zurückgemeldet. Der Stadtrat habe sich teilweise verhalten, als wäre er am Geschäft gar nicht wirklich interessiert, behaupten mehrere Quellen.
Das erstaunt, weil der Stadtrat vor einem Jahr die Förderung der Kreativwirtschaft zu seinem Legislaturschwerpunkt bestimmt hat. Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) betonte damals, dass der Stadtrat vor allem beim Raumangebot für Entspannung sorgen wolle. Bildhauer und Maler Adrian Humbel, der auf dem Areal in der Binz ein Atelier hat, kann das Verhalten des Stadtrats deshalb nicht nachvollziehen: «Das zögerliche Vorgehen wirkt, als wäre der Legislaturschwerpunkt ein Lippenbekenntnis.»
«Sorgfältiges Vorgehen»
Der Stadtrat weist die Vorwürfe zurück. «Wir gehen beim Basislager sorgfältig und gründlich vor – unabhängig davon, ob Räume für Kreative ein Ziel der Legislaturschwerpunkte sind», sagt Nat Bächtold, Sprecher von Corine Mauch. Auch weil die Stadt möglichst gute Konditionen aushandeln wollte, hätten die Verhandlungen Zeit erfordert. «Da sie aber noch laufen, geben wir zu den Details keine Auskunft.» Aber sie stünden jetzt kurz vor dem Abschluss. Auch zum Standort könne er noch nicht viel sagen: Das Grundstück in Altstetten sei aber derzeit das Einzige mit passender Zone und Grösse für das Basislager.
Dieses bietet rund 200 Kreativen einen Arbeitsplatz. Nicht alle von ihnen werden nach Altstetten ziehen, wenn der Verkauf des Basislagers an die Stadt zustande kommt. Das Kommunikationsbüro Varese Corridor etwa wird den Umzug nicht mitmachen. «Der neue Standort ist von der Lage her lange nicht so attraktiv wie der jetzige», sagt Mitinhaberin Alejandra Lauper. Mit den benachbarten Sexboxen könnte sie zwar leben, nicht aber mit dem weiten Weg bis nach Altstetten. Lauper wohnt im Kreis 3, ihre Kinder gehen im Quartier in die Krippe und in den Hort.
«Strassenstrich kann abschreckend sein»
Ebenfalls nicht umziehen wird das Architekturbüro Barao-Hutter. Die beiden Inhaber haben bereits einen neuen Raum an der Zurlindenstrasse gefunden. «Ich lebe im Quartier und möchte auch in Zukunft einen kurzen Arbeitsweg haben», sagt Ivo Barao. Zudem finde er die Lage neben den Sexboxen problematisch.
Auch ein anderes Architekturbüro wird deswegen den Umzug nicht mitmachen: «Der Strassenstrich kann auf Kunden eine abschreckende Wirkung haben», sagt ein Mitarbeiter. Noch unentschlossen ist Katrin Barth, die im Container ihre «KB»-Taschen herstellt. Sie arbeite oft bis spät am Abend, und sie wisse nicht, ob sie sich am neuen Ort im Dunkeln wohlfühlen würde.
«So schlecht ist es dort nicht»
Die meisten Mieter der 135 Container wollen aber nach Altstetten mitkommen. Anna Meyer vom Grafikbüro Genauso hat sich den zukünftigen Standort bereits angeschaut. «So schlecht ist es dort nicht.» Die Lage ist relativ zentral, das Areal mit dem Velo gut erreichbar. Ein Pluspunkt ist auch die nahe Werdinsel. Fehlen wird Meyer das Quartierleben im Kreis 3. «Die Gegend in Altstetten ist geprägt von Industrie und Verkehr.»
Und die Sexboxen? «Da die Stadt eine separate Erschliessung plant, werde ich damit leben können», so Meyer. Auch Künstler Adrian Humbel geht mit nach Altstetten. Die Mieter müssen Ende März 2012 ausziehen. Swiss Life plant auf dem Areal in der Binz einen Neubau mit Büros, ein Stock ist für die Kreativwirtschaft reserviert.
Das Zügeln der Container dauert pro Einheit drei bis fünf Wochen, «wenn möglich sogar noch kürzer», sagt Marc Angst vom Architekturbüro NRS-Team. NRS hat das Basislager für Swiss Life konzipiert und auch die Siedlung für Asylbewerber in Altstetten gebaut.
Die Asylorganisation AOZ freut sich auf den möglichen neuen Nachbarn Basislager. «Für uns ist es wichtig, dass neben unseren Siedlungen möglichst normal gelebt und gearbeitet wird», sagt Direktor Thomas Kunz. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.10.2011, 07:30 Uhr
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18 Kommentare
Zwischen Asylantenheim und Strassenstrich zu arbeiten, ist für Kreative bestimmt nicht die schlechteste Wahl. Das mit den Boxen wird irgendwann wieder aufhören, ist ja nun wirklich abartig und dem Steuerzahler nicht zumutbar, aber sonst ist das alles sehr zu begrüssen. Antworten

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