Krippen-Schliessung stösst auf Unverständnis

Die Stadt will ihre einzige Kindertagesstätte in der Altstadt 2009 schliessen. Dagegen regt sich Widerstand.

Alltag in einer Krippe: Da wird vor allem gespielt, mit Lego oder Malstiften, allein oder zu zweit.

Alltag in einer Krippe: Da wird vor allem gespielt, mit Lego oder Malstiften, allein oder zu zweit. Bild: Keystone

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Die Kindertagesstätte (Kita) Frankengasse befindet sich in unmittelbarer Nähe des Grossmünsters. Durch ihre Lage ist die Krippe nicht nur für Altstadtbewohner attraktiv, sondern auch für jene, die im Kreis 1 arbeiten. Sie bietet 18 bis 22 Kindern eine Tagesbetreuung an. Nun hat das Sozialdepartement beschlossen, die seit 1992 bestehende Kita wegen der fehlenden Grösse sowie des fehlenden Aussenraums in der Altstadt aufzuheben. Christina Stücheli, Sprecherin des Sozialdepartements, bestätigt einen entsprechenden Bericht des «Altstadt-Kuriers». Die Plätze werden 2009 durch neue im Kinderhaus Artergut ersetzt.

Diese Massnahme löst bei den betroffenen Eltern und dem Elternverein rechts der Limmat Unverständnis aus. Eveline Vitali, die bis zum Beginn des neuen Schuljahres ihre Tochter und noch früher ihren Sohn in der Frankengasse hatte, war mit dem Angebot stets zufrieden. «Die Kita ist zwar klein und hat weder Hof noch Garten. Doch das haben die meisten Bewohner in der Altstadt nicht», sagt Vitali. Dafür nennt sie andere Vorteile. Die Knirpse können sich auf der nahen Trittliwiese austoben, im Sommer im Klausenbrunnen baden und im Zentrum Karl der Grosse turnen. Und vor allem: Die Quartierbewohner haben ihre Kita gleich vor der eigenen Haustüre und können sich einen langen Weg ersparen.

Die Auslastungszahlen an der Frankengasse bezeichnet Vitali als gut. Das bestätigt auch Christina Stücheli. Doch gerade jetzt sehe die Situation anders aus. Die Kita weise eine Unterbelegung von einem Platz auf. Er könne nicht besetzt werden, weil die angemeldeten Kinder entweder zu jung seien oder die verfügbaren Wochentage mit den Wünschen der Eltern nicht übereinstimmten.

Die Kita ist nicht die einzige Kindertagesstätte in der Altstadt. Es gibt noch die privat geführte Kinderkrippe Colibri (16 Plätze) an der Leuengasse und die Krippe Neustadtgasse (36 Plätze) vom Gemeinnützigen Frauenverein Zürich. Deshalb findet Stücheli, die Zahl der verfügbaren Betreuungsplätze im Verhältnis zu den Kindern im entsprechenden Alter sei im Vergleich zu anderen Quartieren in der Altstadt hoch. «Das Problem ist nicht die Nachfrage der Eltern, sondern wie wir darauf reagieren können», sagt sie. Diese Anforderungen würden grössere Betriebe wie beispielsweise das Kinderhaus Artergut mit verschiedenen Kinder- und Säuglingsgruppen besser erfüllen. Das sei auch eine der Zielsetzungen im Massnahmenplan: flexibel auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Eltern eingehen zu können.

Die Nachfrage ist kein Problem

Nach Ansicht von Eveline Vitali hat die Stadt in den letzten Jahren viel unternommen, um Familien zurückzugewinnen. «Jetzt sind die Kinder da, und nun wird den Eltern die Infrastruktur entzogen.» Vor etwa sechs Jahren sei der Kindergarten an der Schipfe geschlossen worden, dann jener an der Trittligasse, letztes Jahr wollte das Sozialdepartement dem GZ Altstadthaus den Kredit entziehen und nun seien die Tage der Kita Frankengasse gezählt, obwohl sie gut funktioniere und die Nachfrage gross sei. «Dieser Abbau muss gestoppt werden.»

Mit dieser Meinung steht Vitali nicht allein da. Brigitte Heeb, Präsidentin des Elternvereins rechts der Limmat, will den Entscheid anfechten. Andrew Katumba (SP) und Gabriele Kisker (Grüne) haben im Gemeinderat noch vor den Sommerferien eine schriftliche Anfrage eingereicht. Sie wollen wissen, wie sich die Schliessung mit dem Massnahmenplan für die Kinderbetreuung vereinbaren lasse. Dieser Plan sieht keine Reduktion, sondern eine Erhöhung der Krippenplätze vor. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.09.2008, 08:35 Uhr

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