Kritik an der Millionenwerbung der Axpo

Das Engagement des staatlichen Stromversorgers Axpo in der Fussballmeisterschaft hat zu einer Debatte im Kantonsrat geführt. Kritisiert wurde dabei auch Micheline Calmy-Rey.

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«Strom brauchen alle, die Nati A interessiert aber nur wenige», sagte die Regensdorfer SVP-Kantonsrätin Barbara Steinemann. Strom ist Strom, «die beste Werbung ist, wenn dieser Strom billiger wäre». Die Axpo als stromversorgende Monopolistin sei zu 100 Prozent im Besitz der öffentlichen Hand, mit 36,75 Prozent ist Zürich der grösste Aktionär. Werbung und Sponsoring seien vor allem nötig bei Unternehmen, welche im harten Wettbewerb auf sich aufmerksam machen müssten. Steinemann wollte deshalb vom Regierungsrat in einer Interpellation wissen, ob das Fussballgeschäft tatsächlich «ein unterstützungswürdiges Gewerbe» sei und ob nicht besser die Strompreise gesenkt würden, statt jährlich Millionen in Werbung und Sponsoring zu buttern.

In seiner Antwort nannte der Regierungsrat eine wesentliche Zahl: 2005 habe die Axpo für Kommunikationsmassnahmen und Werbung knapp 12 Millionen Franken ausgegeben. Neuere Zahlen fehlen in der Antwort, weil der Kantonsrat das Geschäft lange liegen liess. Im Vergleich zum Umsatz der Axpo von 6,7 Milliarden Franken seien das bloss 0,175 Prozent. Andere Branchen, so der Regierungsrat, hätten wesentlich höhere Werbeausgaben.

Die Axpo könne sich als Monopolistin nicht in Sicherheit wiegen, meint der Regierungsrat, weil der Trend zur Strommarktliberalisierung auch nach dem Nein zum Elektrizitätsmarktgesetz anhalte. «Werbung und der Aufbau einer eigenen Marke entsprechen der Marktlogik und sind für den künftigen Unternehmenserfolg wichtig.» Die Axpo betrachte das Sponsoring von Fussball als geeignet, «ihre Leaderrolle auf dem Strommarkt zu verdeutlichen und emotional zu transportieren». Wenn die Axpo auf Werbung verzichte, falle der Strompreis lediglich um 0,012 Rappen pro Kilowattstunde. Dadurch könnte aber der zukünftige Unternehmenserfolg geschmälert werden.

Störche schützen statt Fussball förden

In der Diskussion wurden die Antwort der Regierung, aber auch die Interpellation der SVP kritisiert. «Man muss doch keinen Brand für ein Produkt schaffen, der beliebig austauschbar ist», sagte der Grüne Robert Brunner aus Steinmaur. Strom sei kein Trendprodukt, da könne man werben, so viel man wolle. Die Axpo sei in der Landschaft vor allem präsent «mit Strommasten und Atommeilern». Eine viel sinnvollere Imagekampagne als das Sponsern von Fussball und seiner Hooligans wäre, so Brunner, die Strommasten so auszurüsten, dass keine Störche mehr aufsitzen und sich verbrennen könnten.

Gewerkschafter Jorge Serra (SP, Winterthur) sagte: Die Axpo kann tun und lassen, was sie will, ausgerechnet die SVP will ja mehr privatwirtschaftliche Verantwortung. Einen ganz anderen Aspekt brachte Ruedi Lais (SP, Wallisellen) zur Sprache. Störche und Fussballwerbung seien völlig unbedeutend im Vergleich mit dem Gas-Deal, den Bundesrätin Micheline Calmy-Rey im März 2008 in Teheran für die Axpo-Tochter EGL Laufenburg abgeschlossen habe. «Die Zürcher Steuerzahler würden besser einen kritischen Blick auf solche Milliardengeschäfte richten!»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.09.2008, 07:00 Uhr

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