Kurzer Auftritt eines bunten Blechpolizisten

Am Walcheplatz haben Künstler eine Radarfalle verkleidet, um die Stadt zu verschönern. Drei Stunden später hat die Polizei das Werk schon wieder entfernt.

Die Verkleidung einer Radarfalle in Zürich. (Video: Lea Blum und Julian Rüthi)

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In einem Bekennerbrief, der bei Tagesanzeiger.ch/Newsnet eingegangen ist, steht, worum es ging: «In allen internationalen Städte-Rankings ist Zürich unter den Besten. Auch die Zürcher Polizisten wären heute bei einem Ranking vorne mit dabei. Leider können ihre Blechkollegen da in keiner Weise mithalten. Ganz im Gegenteil: Sie verschandeln unser Stadtbild, sind rücksichtslos und bedrohlich. Echte Monster.»

Diese Monster würden sich rasant vermehren und seien eine grosse Plage in psychischer, physischer und ästhetischer Hinsicht. «Haben sie dich einmal im Visier, sind sie gnadenlos. Du wirst von einem Blitz getroffen, welcher bei den meisten Opfern bleibende Schäden hinterlässt.» Gemeint sind die Blitzkästen der Stadtpolizei, die auf Tempoüberschreitung und Rotlichtmissachtung reagieren.

Trotzdem funktionsfähig

Absender des Briefs: eine bislang unbekannte IG pro Zürich. Die Apparate seien wohl ein unabwendbares Übel, das man akzeptieren müsse, heisst es darin weiter. Doch sollte es das Ziel sein, dass sie nicht länger wie eine «militärische Anlage» aussehen, sondern ein Gesicht erhalten. So könnten sie eine ästhetische Bereicherung im Stadtbild sein, eine Aufwertung des öffentlichen Raums – mit Akzeptanz aller zuständigen Amtsstellen und der Zürcher Bevölkerung.

Am Walcheplatz wollte die IG pro Zürich zeigen, was sie unter Bereicherung des Stadtbildes versteht. Der graue Blitzapparat sah nach ihrem Eingriff aus wie ein buntes Fabelwesen mit vielen Augen, das alles registrierte, was um es herum passierte – insofern passte es zum Überwachungsapparat. Die Akteure betonten, dass der Apparat trotz der Verkleidung weiterhin blitzen könne.

So sieht der Apparat unverkleidet aus.

Die Stadtpolizei Zürich sah das anders: Über Mittag entfernte sie die Figur wieder. Sie stellte sich auf den Standpunkt, die Sensoren der Überwachungsanlage seien nicht mehr frei gewesen. Deshalb hat sie Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht wegen Sachbeschädigung.

Sonst herrscht überall Designzwang

Die Aktion kritisierte auch das inkonsequente Verhalten der Stadt: «Der öffentliche Raum in Zürich ist heiliger Boden. Jegliche Möblierung und Beschilderung muss durch verschiedenste Ämter bewilligt werden, wobei hohe ästhetische Anforderungen erfüllt werden müssen. Für Papierkörbe, Bänke, Trinkbrunnen, Telefonkabinen, Marronihäuschen, Bootsvermietung etc. werden in Zürich internationale Wettbewerbe mit einer hochkarätigen Jury ausgeschrieben.» Vor diesem Hintergrund sei es schwer vorstellbar, dass eine Amtsstelle oder Jury die Blechpolizisten in der heutigen Form bewilligt habe.

Über 80 dieser automatischen Verkehrskontrollanlagen hat die Stadtpolizei im Einsatz, etwa 30 davon als kombinierte Rotlicht- und Tempokontrolle. Immer wieder werden sie Opfer von Anschlägen, meistens werden sie besprayt, manchmal wird auch Feuer gelegt. Eine Verkleidung der schönen Form wegen hat es bislang aber nicht gegeben. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 19.01.2016, 13:10 Uhr)

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