Zürich

Lärm, Prostitution, Littering

Von Philipp Albrecht. Aktualisiert am 28.11.2009

Seit der Aufwertung des Parks am Limmatufer häufen sich Klagen von Anwohnern. Diese wünschen sich mehr Repression. Die Stadt setzt aber auf eine andere Strategie.

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Zürich - Die Probleme rollten in zwei Etappen heran: Vor fünf Jahren kam mit der Eröffnung des Wipkinger Parks der erste Schub. Die Stadt ermöglichte mit einer grossen Treppenanlage den Zugang zur Limmat. Die Menschen kamen in Scharen ans Wipkinger Flussufer. Diesen Sommer kam der zweite Schub mit der Neugestaltung des Parks. Die Liegewiese wurde aufgewertet und der Kinderbauernhof des Gemeinschaftszentrums Wipkingen vergrössert. Noch mehr Menschen strömten ans Flussufer. Das führte zu Konflikten.

Das betroffene Gebiet erstreckt sich von der Hardbrücke bis zum Ampèresteg, jener Fussgängerbrücke, die Wipkingen mit dem Kreis 5 verbindet. Vom Gebäude der städtischen Schule SHL Viventa bis zum GZ Wipkingen befindet sich eine Fläche, auf der die Grenzen zwischen Privatsphäre und öffentlichem Begegnungsraum gefährlich verschwimmen.

Kondome auf dem Parkplatz

Seit der Parkaufwertung feiert die Jugend oft bis spät in die Nacht ihre Freiheit. Frühmorgens wird diese von Hundehaltern abgelöst, die lautstark ihre Vierbeiner dressieren. Neuerdings verlagert sich zudem die Prostitution vom Sihlquai nach Wipkingen: Auf dem SHL-Parkplatz sammelt das Reinigungsteam täglich benutzte Kondome auf. Zwischen Schulhaus und GZ steht eine Häuserzeile mit Bewohnern, denen wegen mangelnder Nachtruhe bald der Kragen platzt.

Damit es nicht so weit kommt, setzt sich die städtische Gemeinwesenarbeit Waidberg für eine einvernehmliche Lösung ein. Anwohner, Vertreter der SHL, des GZ und des ebenfalls angrenzenden Kreisbüros trafen sich unter der Leitung von Gemeinwesenarbeiter Roman Dellsperger bereits zweimal an einem runden Tisch.

«Permanenter Soundtrack»

Gestern Freitag nun fand eine gemeinsame Begehung des Geländes statt mit dem Ziel, konkrete Verbesserungsvorschläge zu besprechen. Im 90-minütigen Rundgang wurden die Hotspots definiert, die da wären: zwei Autozugänge zum Schulhaus von der Breitensteinstrasse her, der Limmatuferweg mit einem Steintisch und der Asphaltplatz des GZ mit dem Basketballkorb.

Eine Anwohnerin brachte gleich eine ganze Liste der entsprechenden Probleme mit: Abfall wird nicht entsorgt; trotz Leinenpflicht laufen Hunde frei herum; Velofahrer ignorieren das Fahrverbot; der Basketball hallt derart stark an Brett und Boden, dass an Entspannung bei offenem Fenster nicht zu denken ist; der Schallpegel nimmt auch nach 22 Uhr nicht ab. «Im Sommer herrscht hier ein permanenter Soundtrack», klagte ein Anwohner. «Jeden Abend feiert irgendjemand Geburtstag.»

Mehr SIP-Patrouillen geplant

Das Ziel ist nun, Massnahmen festzulegen, die im nächsten Frühling greifen, wie Gemeinwesenarbeiter Dellsperger sagt. Dazu gehört auch die Ressourcenplanung: «Eine Möglichkeit ist, dass wir die Präsenz der Patrouillen von Sicherheit, Intervention, Prävention erhöhen oder eine bessere Beschilderung vornehmen.» Doch die Anwohner und SHL-Vertreter wünschen sich mehr Repression, was Dellsperger zwar nachvollziehen kann, aber lieber mit Mediation lösen will: «Mit SIP-Leuten können wir verhindern, dass die Anwohner nach 22 Uhr die Polizei rufen müssen. So sparen wir doppelt: Kosten für die Stadt und Nerven der Anwohner», sagt er.

Damit wäre aber nur eines von vielen Problemen gelöst. Gegen die Entfernung des Basketballkorbs beim Gemeinschaftszentrum, wie es nun in Erwägung gezogen wird, ist Opposition zu erwarten. Am Montagnachmittag findet eine zweite Begehung statt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.11.2009, 09:58 Uhr

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