Zürich

Lärm, Russ und Kopfweh

Aktualisiert am 02.08.2010 4 Kommentare

Fast 40 Jahre lang war es die Hölle, an der Weststrasse zu wohnen. Jetzt zieht es sogar Touristen dorthin.

Ein Bild, das der Vergangenheit angehört: Reger Verkehr auf der Westtangente.

Ein Bild, das der Vergangenheit angehört: Reger Verkehr auf der Westtangente.
Bild: Keystone

Ein Hotel an der Weststrasse? Als noch 1000 Autos und 100 Lastwagen pro Stunde über die Transitachse rollten, war das undenkbar. Seit Anfang Juli ist es Wirklichkeit: 110 bis 160 Franken kostet es Touristen, im 3-Sterne-Guesthouse West-End zu übernachten. Die Betreiber haben das Haus zum Lebensbaum an der Weststrasse 152 frisch ­renoviert und rot verputzt. Zuvor war es grau – und verrusst. Direktor Ernst Jungreithmeier ist überzeugt, dass ein Hotel an dieser Lage floriert: «Schliesslich entsteht hier ein ganz neues Quartier.» Die ersten Gäste – hauptsächlich aus dem Ausland – waren schon da. Einige hätten sich noch über Autolärm beklagt. «Doch damit ist zum Glück nun Schluss.» Dafür fahren jetzt die Bagger auf, um neue Wasserrohre zu verlegen und die West- bis Frühjahr 2012 in eine Wohnstrasse mit neuen Plätzen zu verwandeln.

Schuld ist das Ja zum Nationalstrassennetz

Als Transitrouten schluckten Bullinger-, Sihlfeld- und Weststrasse so viel Verkehr wie eine Autobahn – und waren als «Auspuff der Nation» verschrien. Die Anwohner litten unter Lärm, Abgasen und Kopfweh. Häuser verlotterten. «An dieser Strasse halte ich es nicht mehr aus», klagte eine Betroffene 1974 in einer Reportage über die «Pesttangente». Wer es sich leisten konnte, zog weg. Zurück blieb laut den städtischen Statistikern «eine Anwohnerschaft mit hohen Anteilen an einkommensschwachen Personen und ausländischen Familien».

Schuld an der Blechlawine war das Volks-Ja zum Nationalstrassennetz. Drei Autobahnen endeten in Zürich – ein grosses «Ypsilon» beim Platzspitz sollte die Transitströme miteinander verbinden. Die Bevölkerung lief dagegen Sturm. Als provisorischer Ersatz wurde dafür 1971 die «Westtangente» erfunden – und Teilstück für Teilstück verlängert. 1982 wurden die früheren Quartierstrassen definitiv dem Durchgangsverkehr geopfert. Der «Anwohnerverein Weststrasse» hatte sich immerhin eine ­Barriere erkämpft, der das Viertel ab 22?Uhr ruhig einschlafen liess.

Noch keine Ruhe hat dagegen bis heute, wer an der Rosengartenstrasse wohnt. Darum kämpfen die Betroffenen jetzt darum, auch diesen Teil der Transitroute zu beruhigen – und das fast 40-jährige Provisorium Westtangente zu beerdigen. Endgültig.

(pak)

Erstellt: 02.08.2010, 22:33 Uhr

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4 Kommentare

Jan van Beilen

03.08.2010, 08:21 Uhr
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Zum klarstellen: mit Verkehr wird hier wohl der Autoverkehr gemeint. Dieser produziert tatsächlich Feinstaub, NOx, Ozon, Lärm, ist eine Bedrohung für andere Verkehrsteilnehmer, und hat den Fuss und Veloverkehr sehr viel Platz genommen. Pendler müssen umdenken, aber für sie geht die eigene Bequemlichkeit über die Gesundheit von ihre Mitbürger. Antworten


Marcel Zürcher

03.08.2010, 10:35 Uhr
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Ich find's ja prinzipiell gut dass die Strasse jetzt endlich echtes Leben bekommt. Nur wird das einem rechten Teil der heutigen Bewohner nichts bringen. Die besagten Liegenschaften werden einfach unbezahlbar und somit wird die 'Seefeldisierung' dort weitergehen. Antworten



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