Ledergerber wollte Wagner eine Chinareise verbieten
Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 14.01.2009 17 Kommentare
Elmar Ledergerber. (Bild: Keystone)
Thomas Wagner. (Bild: Keystone)
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Der Anruf aus dem Stadthaus am vorletzten Montag hat Alt-Stadtpräsident Thomas Wagner (FDP) ziemlich aus dem Konzept gebracht. Am anderen Ende der Leitung war Elmar Ledergerber, aktueller Stadtpräsident. Er forderte Wagner in «bestimmtem Ton» auf, die bereits gebuchte Chinareise Anfang März mit dem neuen Schweizer Botschafter, Blaise Godet, abzusagen oder zumindest zu verschieben. In erster Linie störte ihn Wagners vorgesehener Besuch bei der Stadtregierung in Zürichs Partnerstadt Kunming. Als Zürcher Stadtpräsident sei es seine und nicht Wagners Aufgabe, Godet in Kunming vorzustellen, sagte Ledergerber.
Wagner traf der Anruf unvorbereitet, wie er gegenüber dem TA erklärt. Dennoch habe er Ledergerber sofort angedeutet, dass er die Reise nicht verschieben könne, weil alles schon bis ins Detail geplant sei, und Absagen komme schon gar nicht in Frage.
Thomas Wagner hatte die Städtepartnerschaft zusammen mit dem damaligen Stadtpräsidenten Sigi Widmer 1982 initiiert. Sie ist in Zürich mehrmals stark in die Kritik geraten. Vor einigen Jahren hat die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) die Finanzierung übernommen. Dennoch blieb die Partnerschaft bestehen, und 2008 hat Elmar Ledergerber stolz Rückschau gehalten auf «25 erfolgreiche Jahre».
Wagner von Godet angefragt
Thomas Wagner ist heute Präsident der Schweizerisch-Chinesischen Gesellschaft und war in der Wettbewerbsjury, die das Projekt für den Schweizer Pavillon an der Weltausstellung 2010 in Shanghai auswählte. Jedes Jahr reist Wagner laut eigenen Aussagen vier- bis sechsmal nach China, pflegt alte und knüpft neue Kontakte, teilweise im Auftrag von Schweizer Firmen. Sein leidenschaftliches Engagement hat ihm die Ehrenbürgerschaft in Kunming eingetragen.
Im letzten November hat der neue Schweizer Botschafter in Peking Wagner bei einem Nachtessen in Shanghai gefragt, ob er ihm eine Studienreise durch die südchinesische Provinz Yunnan organisieren und ihn mit dem dortigen Gouverneur und den Behörden in Kunming bekannt machen könne. Wagner nahm das Angebot an, liess seine Beziehungen spielen, vereinbarte Termine und kaufte für sich und seine Frau die Flugtickets – auf eigene Rechnung, wie er betont.
Den Auftakt der gut einwöchigen Reise hat Wagner für sich selber reserviert. Von der Chinese People`s Association for Friendship with Foreign Countries wird er am 6. März in Peking mit dem Titel «Ambassadeur d`Amitié» geehrt – als erster Schweizer, wie Wagner betont. Dann geht die eigentliche Studienreise los – oder hätte vielmehr losgehen sollen. Denn Ledergerber hat nicht nur mit Wagner telefoniert, sondern auch bei der Deza in Bern interveniert, um Wagners Reise zu verhindern.
Gemeinsame Reise nicht möglich
Der Stadtpräsident verzichtete darauf, gegenüber dem TA persönlich Stellung zu nehmen, und beauftragte damit Rudolf Dannecker, den Projektleiter der Städtepartnerschaft. Die Reise Wagners störe ihn keineswegs, aber es gehe nicht, dass Zürichs Alt-Stadtpräsident mit dem Schweizer Botschafter «offiziöse Besuche» bei den Kunminger Behörden abstatte, eine Woche bevor in Kunming der amtierende Zürcher Stadtpräsident mit einer Delegation zu einem offiziellen Besuch eintreffe, teilte Dannecker schriftlich mit. «Das würde von unseren Partnern in Kunming nicht verstanden.»
Wagner ist konsterniert über die «unfreundliche Geste» des Stadtpräsidenten: «Ich konnte auf Ledergerbers Pläne keine Rücksicht nehmen, weil ich nichts von ihnen wusste.» Zudem habe der Antrittsbesuch des Schweizer Botschafters nichts zu tun mit dem Abschiedsbesuch des Zürcher Stadtpräsidenten. Die Chinesen seien in der Lage, dies zu unterscheiden und zu verstehen.
Warum können Ledergerber, Wagner und Godet nicht gemeinsam reisen? Ledergerber hat seinem Vorgänger laut Dannecker nämlich das Angebot gemacht, sich seiner Delegation anzuschliessen. Doch Wagner hat abgelehnt. Das Angebot komme zu kurzfristig. Er habe die wichtigsten Buchungen schon gemacht und in der zweiten Märzhälfte in Zürich weitere Verpflichtungen. Immerhin kommt er Ledergerber ein wenig entgegen.
Der Botschafter reist nun zweimal
Wagner und Ledergerber halten zwar beide an ihren Reiseplänen fest, aber Wagner wird Kunming mit Godet jetzt nur «inoffiziell» besuchen und «vielleicht bei den Behörden einen Höflichkeitsbesuch organisieren». Hauptbetroffener des Kompromisses ist Botschafter Godet, der innerhalb von zehn Tagen zweimal nach Kunming reisen darf – oder muss. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.01.2009, 23:04 Uhr
Kommentar schreiben
17 Kommentare
Mich nimmt es wunder wieviel Steuergelder der Herr Stadtrat Wagner schon für seine bisherigen so erfolgreichen Beziehungen zu Kunming dem zürcher Stadtbürger abgeknüpft hat. Wenn er seinen Erfolg nicht mal dem zweitbesten Stadtrat der Welt verheimlichen will, würde er sich da anders verhalten. Erfolg stinkt wenn man es nicht mit anderen teilt. Antworten
Bravo Ledergerber, so wirds gemacht. Auf Kosten der Steuerzahler noch ein Plauschreisli nach China. Nimmt mich Wunder was SIE dort verloren haben. Aber eben, das ist das Gesicht der SP. Gottseidank sind jetzt Wahlen. Zürcher wacht auf. Alle schnüren den Gürtel enger in der Wirtschaft und die Politiker leben wie in der Welt nichts geschehen ist. Was haben wir für eine Regierung gewählt???? Antworten





