Legale Graffitikunst an Wipkinger Häusern

Graffitikünstler besprayten am Wochenende zwei Hausfassaden. Und das völlig legal. Der Hausbesitzer, der dort neue Wohnungen plant, hat sie beauftragt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Unbehelligt gehen die Sprayer ans Werk. Die beiden älteren Häuser an der Habsburgstrasse stehen neben einem Gewerbehaus, das nächstes Jahr abgerissen wird und seit kurzem besetzt ist. Die Annahme liegt nahe, dass hier ebenfalls Hausbesetzer am Werk sind, die für günstigen Wohnraum in der Stadt kämpfen. Und tatsächlich: Die Häuser werden in absehbarer Zeit dem Erdboden gleichgemacht. Doch die Sprayer arbeiten legal, ja werden gar für ihre Arbeit bezahlt – vom Hausbesitzer.

Im April 2009 fahren die Bagger auf

Koni Osterwalder heisst dieser, arbeitet derzeit als Umweltwissenschaftler an der ETH und ist Miterbe der beiden Häuser, die 1891 erbaut und 1948 von seinem Grossvater gekauft wurden. Osterwalder bewohnt selber eine der Wohnungen und vermietet die anderen relativ günstig. Da nun aber in der Nachbarschaft Überbauungen in Planung sind, nahm er dies «im Sinne einer städtebaulich optimalen Lösung» zum Anlass, an seinen Liegenschaften ebenfalls Hand anzulegen. Und zwar richtig. Wenn alles gut läuft, fahren im April 2009 die Baumaschinen auf, um einen Wohnblock mit 13 Mietwohnungen zu realisieren. Das Gebäude soll mit den Projekten in der Nachbarschaft harmonieren und den hohen städtebaulichen und energietechnischen Ansprüchen Osterwalders entsprechen. Die Nachbarschaft wurde letzte Woche von ihm ausführlich informiert, und auch der Quartierverein weiss seit einiger Zeit vom Projekt.

Nun beauftragte Osterwalder also die Auftragskünstler von Onetruth.ch, um den architektonischen Wandel an der Ecke Habsburg-/Dammstrasse adäquat zu thematisieren. Die Motive sind zum Teil bewusst politischer Natur und beleuchten laut Osterwalder auf kritische Weise «die Widersprüche urbaner Lebensweise». So ist auf einem der Häuser ein Baggerarm zu sehen, daneben steht «Vertreibungspolitik». Osterwalder hat viel Verständnis für die Kritik, dass durch den Abriss und Neubau günstiger Wohnraum verloren geht. Statt eines Schildes «Hier entstehen neue Wohnungen» will er mit der Graffitiaktion einen «farbigen Punkt» setzen, der zum Nachdenken anregt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.09.2008, 22:24 Uhr

TA Marktplatz

Blogs

Nachspielzeit Dorfkicker im Schaufenster der Nation

Sweet Home Das macht Lust auf Sommer

Abo

Weekend-Abo

Unter der Woche Zugang auf das digitale Angebot, am Wochenende die Zeitung im Briefkasten. Jetzt testen.

Die Welt in Bildern

Wellenreiter: Jonathan Gonzalez, Mitglied des spanischen Surf-Teams, übt seine Künste im Wave Garden, einem grossen Pool, der Wellen künstlich erzeugt (25. Mai 2017).
(Bild: Vincent West) Mehr...