Zürich

Lehrer werden lohnt sich wieder

Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 16.11.2010 29 Kommentare

Der Kantonsrat genehmigt Lohnerhöhungen für Lehrpersonen – vor allem Einsteiger bekommen mehr. Dazu wird die Stellung des Klassenlehrers aufgewertet. Neu soll es eine Probezeit geben.

Des Beruf wird aufgewertet: Lehrerinnen mit Primarschülern.

Des Beruf wird aufgewertet: Lehrerinnen mit Primarschülern.
Bild: Keystone

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So viel verdienen Lehrpersonen

Primarschule: Der Einstiegslohn beträgt neu 90'000 Franken, bisher waren es 80'500 Franken. In der Lohnstufe 10 beträgt er neu 118'000 Franken (bisher 102'000 Franken). Künftig wird man die Lohnstufe 10 schneller erreichen. Der Maximallohn beträgt unverändert 144'500 Franken.

Sekundarschule: Der Einstiegslohn beträgt neu 95'000 Franken, bisher waren es 88'000 Franken. Der Maximallohn bleibt unverändert bei 154'000 Franken.

Mittelschule:Der Einstiegslohn für eine Lehrperson mit Hochschulabschluss und Lehramtsdiplom beträgt 109'000 Franken (bleibt unverändert). Maximum: 177'000 Franken. Neu sollen junge Mittelschullehrer lohnmässig auch schneller aufsteigen können.

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Der Entscheid im Kantonsrat war überraschend klar: Mit 110:47 Stimmen genehmigte das Parlament eine Revision des Lohnsystems, das den Zürcher Lehrpersonen an den Volks-, Berufs- und Mittelschulen deutlich bessere Saläre garantiert. Noch vor anderthalb Jahren, als Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) die Verordnung vorstellte, hatten sich CVP, FDP und SVP ablehnend geäussert. Die FDP hatte Kostenneutralität verlangt, die CVP andere Massnahmen, um den Lehrerberuf attraktiver zu machen, und die SVP fand die Lehrerlöhne ohnehin «sehr hoch».

Beim Nein ist gestern nur die SVP geblieben. CVP und FDP stimmten geschlossen für die Revision. Katharina Kull (FDP, Zollikon) bedauerte zwar, dass sie nicht kostenneutral erfolgen kann. Besonders die Gemeinden, die 20 von 36 Millionen Franken Mehrkosten berappen müssen, seien nicht erfreut. Dennoch bezeichnete Kull die Anpassung der Lehrerlöhne als «zweckdienlich». Sie begrüsste vor allem, dass die Leistung ein höheres Gewicht bekommt und der automatische Stufenanstieg abgeschafft wird. Corinne Thomet (CVP, Kloten) befürwortete die Verordnung gar mit «Überzeugung»: «Das ist ein grosser Beitrag, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.» Erfreulich sei, dass man im Vergleich mit den Nachbarkantonen wieder mithalten könne.

Ins Hintertreffen geraten

In der Tat ist der Kanton Zürich in den letzten 15 Jahren mit seinen Lehrerlöhnen im Kantonsranking ins hintere Mittelfeld zurückgefallen. Vor allem die Lehrpersonen mittleren Alters stagnierten, und auch bei den Einstiegslöhnen haben die umliegenden Kantone Zürich überholt. Grund sind in erster Linie die diversen Sparrunden im Kanton Zürich. Immer wieder mussten die Lehrpersonen auf Stufenanstiege verzichten. Im Vergleich mit anderen Zürcher Staatsangestellten erbrachten sie einen überdurchschnittlich hohen Sparbeitrag.

Gewerkschafter Jorge Serra (SP, Winterthur) spielte darum auf den Wahlkampfslogan der bürgerlichen Regierungsmehrheit an: «Wenn vier gewinnt, dann verliert das Personal.» Er sieht drei Gründe, dass die Löhne nun angepasst werden: den Lehrermangel, das tiefe Image des Berufs und die höheren Löhne der Konkurrenz. Für Susanna Rusca (SP, Zürich) wird die neue Lohnstruktur mittelfristig dafür sorgen, dass die Zürcher Lehrpersonen auch im Beruf bleiben.

«Ein falscher Anreiz»

Die SVP lehnte die Revision mehrheitlich ab. Man könne die Lehrpersonen besser motivieren, wenn man Schulreformen streiche, fand Rolf Robert Zimmermann (Zumikon). Drei SVPler stimmten der Vorlage trotzdem zu – unter ihnen Sekundarlehrer Matthias Hauser (Hüntwangen). Zu den Nein-Sagern gesellten sich drei Grüne. Hans Läubli (Affoltern) nannte die Lohnrevision «ein Gebastel». Zudem seien Anfangslöhne von 90'000 Franken für 24-jährige Primarlehrpersonen ein falscher Anreiz. «So unterrichten sie zwei Jahre, gehen mit dem Geld auf Weltreise und wechseln dann in die Privatwirtschaft.»

Für Bildungsdirektorin Aeppli ist die Lohnrevision «nichts als gerecht». Kein Verständnis zeigte sie für die Gemeinden, die über die Mehrkosten klagen. «Als wir die Stufenanstiege der Lehrpersonen aussetzten, profitierten die Gemeinden schliesslich mit.» Mit der Lohnrevision werden die Einstiegslöhne erhöht, aber auch erfahrene Lehrpersonen werden bessergestellt. Sie sollen von den Berufseinsteigern, die monetär schneller aufsteigen, nicht überholt werden. Und sie sollen die Maximallöhne auf der Skala wieder erreichen können, was heute nicht mehr der Fall ist. Weiter will der Kantonsrat die Lohnrückstände aus dem letzten Jahrzehnt ausgleichen.

Die neue Lohnverordnung tritt Anfang 2011 in Kraft. Gemäss Martin Wendelspiess, Chef des Volksschulamts, wird das Lohnsystem stufenweise umgesetzt. Bis 2014 werden alle nach neuem System entlöhnt sein.

Neu mit Probezeit

Der Kantonsrat hat mit 83 zu 81 Stimmen auch ein FDP-Postulat überwiesen, das eine dreimonatige Probezeit für Lehrpersonen fordert. Die Befürworter aus FDP, SP und CVP erachteten dies als sinnvoll. Damit gelte für Lehrpersonen, was für andere Staatsangestellte schon lange gelte. Zudem sei es eine Zumutung für Kinder, wenn sie teilweise jahrelang von einer ungeeigneten Lehrperson unterrichtet würden. Die Gegner aus SVP, GLP und von den Grünen erachten eine Probezeit als nicht umsetzbar, da man ohnehin keinen Ersatz finde – schon gar keinen geeigneten.

Weiter überwies der Kantonsrat mit 155:0 Stimmen ein Postulat, das die Funktion der Klassenlehrer aufwerten soll. Nein sagte er zu einer Entlastung der Junglehrer (108:53) und zu einem Schulpraktikum für Angestellte der Bildungsverwaltung (128:34). (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.11.2010, 22:53 Uhr

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29 Kommentare

Richard Rabelbauer

16.11.2010, 11:00 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Trotz der vermeintlich guten Löhne und Arbeitsbedingungen kenne ich - leider - immer mehr fähige und einstmals sehr engagierte Lehrpersonen, die resigniert den Bettel hingeworfen haben. Niemandem ging es dabei um höhere Löhne. Grund war vielmehr ein mittlerweile überladenes Jobprofil, das ausbrennt und zu wenig zusätzliche Ressourcen, die echte Entlastung bringen. Neid ist daher fehl am Platz. Antworten


Sam Brown

16.11.2010, 08:37 Uhr
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Erstaunlich, wie viel man mit wenig Einsatz verdienen kann, jeder in der PW kann nur staunen, was sich die Elite der Lehrer hier erlauben kann. Wenn man den Ansatz von einer 25h/Woche bei Primarlehrern nimmt, dann sind alle, welche eine andere Tätigkeit ausüben, unterbezahlt. Antworten



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