Lesbe entlassen: Gewerkschaft ist empört über die Heilsarmee

Die Heilsarmee habe gegen das Diskriminierungsverbot verstossen, kritisiert der VPOD. Das christliche Hilfswerk sieht das anders.

Die Gewerkschaft verfasste Empörungsbrief an die Organisation: Eine Musikgruppe der Heilsarmee. (Archivbild)

Die Gewerkschaft verfasste Empörungsbrief an die Organisation: Eine Musikgruppe der Heilsarmee. (Archivbild) Bild: Keystone

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Für die Gewerkschaft VPOD ist der Fall klar: Niemand darf entlassen werden, weil er oder sie homosexuell ist. Dies verstosse unter anderem gegen das Diskriminierungsverbot in der Schweizer Verfassung. Mit einem Brief an die Heilsarmee hat die Gewerkschaft gestern ihrer Empörung über die Entlassung einer Heimleiterin im Kanton Zürich Ausdruck verliehen.

Publik geworden ist der Fall vor zwei Wochen. Anfang April hatte das christliche Hilfswerk der Leiterin eines Zürcher Behindertenheims wegen deren intimer Beziehung zu einer Mitarbeiterin gekündigt. Die Heilsarmee argumentierte, sie toleriere keine «aussereheliche und gleichgeschlechtliche Verbindungen von Führungskräften mit Mitarbeitenden». Diese Regel weckt offenbar Ängste. Der VPOD schreibt in seiner Mitteilung, es hätten sich mehrere Angestellte der Heilsarmee an ihn gewandt, weil sie «nun ebenfalls um ihre Anstellung fürchten». Der VPOD verlangt, dass die Heilsarmee die Grundrechte in der Verfassung anerkennt und künftig in der ganzen Schweiz vorbehaltslos respektiert.

Juristisch umstritten

Juristisch ist der Fall umstritten. Die sexuelle Orientierung ist gemäss Arbeitsrecht eine Eigenschaft, die einer Person zusteht. Ein Gericht könnte die Kündigung darum für missbräuchlich erklären. Andererseits gilt die Heilsarmee als sogenannter «Tendenzbetrieb», dessen Angestellte die geistig-ideellen Grundsätze ihres Arbeitgebers bis zu einem gewissen Grad mitzutragen haben.

Gestärkt sieht sich der VPOD durch Thomas Geiser. Der Arbeitsrechtsprofessor von der Universität St. Gallen bezeichnet in der Gewerkschaftszeitung «Work» das Verhalten der Heilsarmee als «unverständlich», die Kündigung als missbräuchlich. Die Heilsarmee hingegen erwartet, dass ihre Führungskräfte die biblischen Grundsätze nach ihrer Interpretation mittragen und glaubhaft vertreten. Bei Mitarbeitenden ohne Kaderrolle gälten nicht dieselben Massstäbe. In jedem Job gebe es gewisse Rahmenbedingungen, sagt ein Sprecher der Heilsarmee. «Wenn jemand Gemeindepräsident von Thun werden will, kann er auch nicht in Zürich wohnen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.05.2012, 07:16 Uhr

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