Lettenbadi: Protest gegen Beiz «Zum fröhlichen Spanner»
Von Silvio Temperli. Aktualisiert am 13.07.2010 13 Kommentare
Umstritten: Geplanter Gastrobereich im Letten. (Bild: Modellbild: Gut & Schoep Architekten)
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Braucht die Badi ein Frauendeck?
Ja klar, die Frauen brauchen Privatsphäre.
Nein, heutzutage sind gemischte Bäder üblich.
Egal, es soll bleiben wies ist: Frauendeck am Tag, Lounge am Abend.
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Noch immer sind die Stammgäste im Oberen Letten empört. Empört über den Stadtrat. Zwar hat die Regierung Volkes Stimme erhört und die Aufhebung der exklusiven Erholungsoase für Frauen zuhinterst in der Badeanlage rückgängig gemacht (TA vom Donnerstag). Doch dieser Rückzieher ist für die Interessengemeinschaft (IG) Frauendeck Oberer Letten eine «Mogelpackung».
Direkter Einblick
Die IG sowie Badegäste und Quartierbewohner wehren sich weiterhin gegen einen neuen Gastrobetrieb, den die Stadt unmittelbar neben dem Frauendeck errichten möchte. Das Restaurant ist baulich mit dem Frauenbereich eng verbunden. Es erschliesst sich über dieselbe Treppe und bietet tagsüber den Gästen direkten Einblick auf die Frauenterrasse, die abends aus der Sicht der IG zu einem «lärmigen Event-Treffpunkt verkomme». Die Gegner haben für die geplante Beiz bereits einen Namen gefunden: «Zum fröhlichen Spanner».
Abbruch der Übung gefordert
Auch Männer ärgern sich über das Bauvorhaben der Stadt. Ein langjähriger Badegast stört sich daran, dass die internationalen Hygienestandards mit Füssen getreten werden – Regeln, die in jedem Fitnesszentrum gelten. «Tag für Tag wird das Restaurant Hunderte von Passanten anziehen, die mit ihren Strassenschuhen den Barfussbereich der Badeanstalt verdrecken», wie er sich in einem Leserbrief an den TA ausdrückt.
Der Quartierbewohner wirft dem Sportamt überdies Profitgier vor, weil es in seinen Badeanlagen mehr und mehr mit Gastrobetrieben hohe Umsätze mit Partygästen anpeile: «Wir wollen kein Restaurant auf Kosten des Badebetriebs. Man errichtet doch auch nicht mitten in der Tonhalle einen Würstlistand.»
Die Übung abbrechen
Morgen Mittwoch befindet das Parlament über einen Zusatzkredit von einer Million Franken für die Erneuerung der Flussbadi. Eigentlich hat der Gemeinderat das Geld dafür schon bewilligt. Jetzt muss es noch auf das korrekte Konto geschoben werden, weshalb im Grunde lediglich über eine Kontoübertragung abgestimmt wird. Der Umbau kostet insgesamt etwas mehr als 6 Millionen, über 5 Millionen kann der Stadtrat in eigener Kompetenz verfügen.
Die IG, die sich schon mit einer Petition mit über 4400 Unterschriften für das Frauendeck starkmachte, ruft daher das Parlament auf, an der morgigen Sitzung diesen «Lettenkredit» abzulehnen. Sie fordert einen Abbruch der Übung und ein neues Projekt. Dieses soll den Qualitätskriterien von Sportstätten entsprechen und dürfe nicht allein auf ein «überdimensioniertes Gastroangebot» ausgerichtet sei.
Hilfe von SVP und AL
Ob das Parlament den Wünschen der IG Frauendeck nachkommt, lässt sich einen Tag vor der Debatte nicht voraussagen. Sicher ist, dass die IG auf sämtliche Stimmen der SVP und der Alternativen Liste zählen kann. Gemeinderat Niklaus Scherr (AL) befürchtet einen Nutzungskonflikt und spricht von einem «Scheinkompromiss», den der Stadtrat letzte Woche mit seinem Schwenker angeboten habe, als er sich – entgegen den ursprünglichen Absichten – plötzlich für den Erhalt des Frauendecks entschied. SVP-Fraktionschef Mauro Tuena hat nichts dagegen, wenn ohne zusätzliches Geld die technischen Anlagen der Flussbadi instand gesetzt würden. «Aber eine Partymeile mit viel Rambazamba wollen wir im Oberen Letten nicht.»
Die SP, die am Sonntag noch einen Augenschein vor Ort genommen hat und sich das Bauvorhaben aus erster Hand erklären liess, bleibt bis zu ihrer Fraktionssitzung am Mittwoch unschlüssig, ebenso die Grünen und die CVP. Für die Freisinnigen und die Grünliberalen hingegen ist der Fall klar. Sie sagen Ja zum umstrittenen «Lettenkredit» und damit zu einer Flussbadi mit einem neuen Gastrobetrieb auf gleicher Höhe mit dem Frauendeck. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.07.2010, 11:02 Uhr
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13 Kommentare
Wundert mich gar nicht, dass die Stadt Partygäste im Letten willkommen heissen will. Schliesslich werden wir seit Längerem regelmässig aus der öffentlichen Badi Mythenquai um 17 Uhr rausgeschmissen, weil eine ZH Grossbank einen Apéro-Event durchführen will und gleich die ganze Badi dazu benötigt! Antworten
Das Sportamt wird seiner Aufgabe nicht gerecht: Einerseits wird mit dem City Hallenbad die meistbesuchte Sportanlage der Stadt ersatzlos für zwei Jahre geschlossen. Andererseits wird um den Betrag, mit dem eine alternative zum City-Hallenbad möglich gewesen wäre, eine Beiz an einem äusserst fraglichen Ort gebaut. Das Sportamt sollte Möglichkeiten zum Sport treiben bereit stellen! Antworten





