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Letzte Ruhestätte für Frauchen und ihren Liebling

Tierkrematorien sorgen dafür, dass man sein liebstes Haustier mit ins Grab nehmen kann. Sie bieten auch dezente Urnen sowie Sterbe- und Trauerbegleitung an – seit neuestem auch in Rüti.

Abschied in einem würdigen Rahmen.

Abschied in einem würdigen Rahmen.
Bild: Keystone

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Als die alte Frau gestorben war, wollte ihr Büsi nicht mehr fressen. Von einer Umplatzierung riet der Tierarzt ab – auch Katzen sind Gewohnheitstiere. So entschlossen sich die Kinder der alten Frau, das Büsi einschläfern und kremieren zu lassen. Und die Urne im Grab ihrer Mutter beizusetzen, damit sie wieder zusammen sind.

Eine Katze auf einem Stadtzürcher Friedhof? «Wir propagieren das zwar nicht, aber in begründeten Fällen ist dies möglich», sagt Marianne Herold, Leiterin des Stadtzürcher Bestattungs- und Friedhofamts. «Allzu häufig sind solche Anfragen aber noch nicht.» Erdbestattungen von Tieren sind allerdings auf dem Friedhof nicht möglich. Auch könne man weder eine Inschrift auf dem Grabstein anbringen noch Tiere im Gemeinschaftsgrab beisetzen.

Kein Verstoss gegen das Gesetz

Esther Sager vom landesweit tätigen Tierkrematorium Seon hört dagegen oft von Menschen, welche die Urne mit der Asche ihres Tieres zu sich ins Grab nehmen wollen, wenn es dann so weit ist. «Manche fragen mich, ob das wohl erlaubt sei. Und ich rate, nicht gross zu fragen. Man schadet damit ja niemandem.» Gegen ein Gesetz verstösst man in der Schweiz damit nicht.

Als Esther Sager vor neun Jahren ihre Stelle im Tierkrematorium Seon antrat, musste sie sich oft dafür rechtfertigen, dass man um ein Tier derart ein Aufheben macht. «Heute ist es umgekehrt. Heute wird eher der komisch angeschaut, der sein Tier einfach in die Kadaverentsorgung gibt.» Die Körper werden dort zu Tiermehl verarbeitet. Ähnliche Rückmeldungen bekam auch Konrad Risch, der zusammen mit Urs Kapp Anfang dieser Woche im Zürcher Oberland, in Rüti, ein neues Tierkrematorium mit Namen Dicentra eröffnet hat. «Von Tierärzten haben wir die Rückmeldung bekommen, dass vor allem in urbanen Gegenden ein grosser Teil der Leute ihr Tier in würdigem Rahmen beisetzen lassen wollen.» Auch sei sein Partner, der in Rüti das Krematorium für Menschen betreibt, oft gefragt worden, ob er auch ein Tier kremieren würde. «Das kommt natürlich nicht in Frage.»

Das Tierkrematorium Derrer in Nürensdorf wurde bereits vor vierzig Jahren eröffnet, war damals das erste im Land und bis anhin das einzige im Kanton Zürich. Die zwei Öfen sind oft Tag und Nacht und auch am Wochenende in Betrieb. Eine Kremation dauert je nach Grösse des Tieres bis zu fünf Stunden. Auf Wunsch kann der Tierhalter der Kremation beiwohnen. «Kremiert werden bei uns Tiere von der Maus bis zum 60 Kilogramm schweren Hund», sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Claudia Bürgi. Auch habe sie schon Echsen eingeäschert – am häufigsten aber würden Katzen und Hunde gebracht. Konrad Risch erzählt, dass im Krematorium Kirchberg BE auch einmal ein Zootiger eingeäschert worden sei.

In Rüti wird man bis zu hundert Kilo schwere Tiere annehmen können. Das reicht selbst für eine Dogge. Die Preise richten sich nach dem Gewicht des Tieres. In Rüti wird die Sammeleinäscherung einer rund fünf Kilogramm schweren Katze 90 Franken, die Einzeleinäscherung 155 Franken kosten.

Sterbe- und Trauerbegleitung

Die Nachfrage nach Tierkremationen steigt stetig. In Nürensdorf können knapp 50 Kremationen pro Woche vorgenommen werden, in Seon sind es 350. Dort hat man vor kurzem einen grösseren Neubau realisiert – «auch um das Raumangebot den heutigen Bedürfnissen besser anzupassen», wie Sager ausführt. Die meisten Tierkrematorien bieten nämlich mittlerweile unterschiedliche Zusatzbetreuungen an: Aufbahrungszimmer zum Beispiel. Oder Sterbe- und Trauerbegleitung.

Esther Sager hält Vorträge zum Thema «Wenn mein Tier stirbt» und bietet – kostenlos – telefonische Beratung an. Sie erfährt dabei: «Oft getrauen sich die Menschen nicht, ihre Trauer über den Verlust eines Tieres richtig zuzulassen oder gar mit andern darüber zu reden, weil sie befürchten, nicht ernst genommen zu werden.» Dabei erlebt sie manchmal rührende Geschichten: So habe vor kurzem ein altes Ehepaar den Hund zur Kremation gebracht. Mitten im Gespräch habe der Mann seine Frau sanft angestossen und gefragt: «Und du Müsli, wie möchtest eigentlich du begraben werden?»

Die Krematorien bieten auch Tier-särge und -urnen an. Seon hat zwei Dutzend Modelle im Sortiment: Von der schlichten Tonurne (Modell Sacrament, 58 Fr.) bis zur künstlerisch geformten Katze (Modell Passion, Ecru mit Gold, 250 Franken). Laut Sager entscheidet sich rund ein Fünftel der Klientel für eine Spezialurne.

Noch kein Tierfriedhof in Zürich

Wer sein Tier nicht nach Hause nehmen, sondern auf einem offiziellen Tierfriedhof bestatten möchte, hat in der Schweiz wenig Auswahl. Marianne Herold vom Bestattungsamt Zürich sagt zwar, dass sie bereit sei, bei Bedarf solche Projekte zu prüfen. «Bisher ist aber nichts im Tun.» In Schönholzerswilen TG liegt ein Tierfriedwald, in Läufelfingen BL der einzige Tierfriedhof der Schweiz. Dort können Tiere auch erdbestattet werden – in 95 Prozent ist das der Wunsch der Tierhalter. Sie haben die Wahl zwischen verschiedenen Kategorien: Vom Anonymgrab (Katze 200 Fr., sehr grosser Hund 500 Fr.) bis zum Einfachgrab (Katze 340 Fr., sehr grosser Hund 890 Fr.). Wer will, kann auch ein Mensch-und-Tier-Grab mieten (ab 4900 Fr.).

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.03.2010, 04:00 Uhr

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