Leuchtreklame stellt Zürcher «Lucy» in den Schatten

Die sechs Meter hohe Videoinstallation am Modehaus PKZ an der Bahnhofstrasse überstrahlt die Weihnachtsbeleuchtung. «Muss das sein?», fragen sich manche. «Darf das sein», fragt Dark-Sky.

«Hektik statt Romantik»: PKZ-Beleuchtung an der Bahnhofstrasse. Video: TA

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Sechs Meter hoch, bewegt und hell leuchtend. Die Fassade des Modehauses PKZ Women an der Bahnhofstrasse Zürich ist über zwei Stockwerke hinweg mit einer riesigen Leuchtreklame verziert. Reklame hört sich etwas despektierlich an: Es ist Videokunst des Briten Julian Opie.

Die im ewigen Umlauf vorbeischlendernden stilisierten Frauen ärgern derzeit manche Passantinnen und Passanten, welche in die Bahnhofstrasse kamen, um die Weihnachtsbeleuchtung zu bewundern. Tatsächlich wird die «sanfte Lucy» von den grellen Figuren in den Schatten gestellt.

Geteilte Meinungen

«Das verbreitet Hektik statt Romantik», sagt eine Frau mittleren Alters, die am Feierabend unter den schimmernden Lämpchen etwas Adventsstimmung tanken wollte. «Mir wird ganz Sturm im Kopf», meint eine ältere Dame. Und ein Teenie-Pärchen kritisiert: «Das passt stimmungsmässig überhaupt nicht zu dem Weihnachtsmarkt nebenan.»

Andere dagegen finden, dass diese Kunst am Bau bestens in die mondäne Bahnhofstrasse passe. «Wer es romantisch will, der kann ja ein bisschen weiter Richtung See gehen», findet ein junger Mann pragmatisch.

Allgemeines Lichterwettrüsten

Doch hat Lucy es auch im Rest der Bahnhofstrasse nicht ganz einfach, richtig zur Geltung zu kommen. Das Warenhaus Manor konkurrenziert sie mit einem dichten gelben Lichterteppich, am Paradeplatz stielt ihr die satt orange Fassadendekoration der Crédit Suisse die Show.

Die Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse, Trägerin der «offiziellen» Weihnachtsbeleuchtung Lucy, hat dieses adventliche Lichterwettrüsten schon früher zum Thema gemacht und die Bitte an die Liegenschaftenbesitzer der Bahnhofstrasse gerichtet, zugunsten des Gesamtbildes ihre individuellen Schaufenster- und Fassadendekorationen etwas dezenter zu gestalten.

Markus Hünig, Präsident der Vereinigung, sagt: «Gespräche sind zum Teil geführt worden, blieben aber leider nur selten von Erfolg gekrönt.» Man werde in dieser Adventszeit nochmals Kontakte aufnehmen

PKZ-Frauen wären noch heller

Keine Kritik kam jedoch Oliver Burger zu Ohren. Im Gegenteil: Der Inhaber und CEO der PKZ-Gruppe bekommt fast täglich begeisterte Mails für die künstlerische Fassadendekoration. Als diese im Frühling eingeschaltet wurde, seien ein paar wenige negative Rückmeldungen gekommen, die unter dem Stichwort Lichtverschmutzung liefen. Seither aber sei das kein Thema mehr gewesen.

Allerdings sei das Bewilligungsverfahren ziemlich aufwendig gewesen. Doch erfülle die Installation nun alle Bedingungen. Sie dürfte gar heller leuchten, als sie es tut. «Wir haben die Lämpchen aus freien Stücken auf vierzig Prozent ihrer Leuchtkraft gedimmt, weil sie uns zu grell schienen», erzählt Burger.

Normen werden überschritten

«Das besagte Objekt verletzt heute sämtliche existierenden Normen», kritisiert hingegen die Organisation Dark-Sky, die gegen Lichtverschmutzung ankämpft. Sie belegt das mit eigenen Messungen, welche eine massive Überschreitung der von der Stadt Zürich definierten Grenzwerte ergeben.

Laut Präsident Lukas Schuler sind Dark-Sky-Vertreter bereits Ende September bei der zuständigen Person des Plan Lumière vorstellig geworden. Diese verwies am vergangenen Montag an das Baudepartement, welches die Bewilligung erteilt hat. Dort zeigt man sich gesprächsbereit. «Wir haben in der kommenden Woche einen Termin», sagt Schuler.

«Für immer» konzipiert

Julian Opies Kunst am Bau ist «für immer» konzipiert. Die auf einer Fläche von fünfzig Quadratmetern erscheinenden Piktogramme bestehen aus Tausenden von LED-Lämpchen, deren Lebensdauer weit über zehn Jahre ist, wie der Künstler anlässlich der Einweihung im März dieses Jahres erklärte. Eingeschaltet sind sie täglich zwischen 6 Und 24 Uhr. Lucy leuchtet von 6.30 bis 8 und 16 bis 23 Uhr. An den Festtagen bis nach Mitternacht.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 05.12.2014, 10:42 Uhr)

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