Zürich
Zürich erhält eine «Fête des Lumières»
Von Benno Gasser. Aktualisiert am 25.08.2010 13 Kommentare
Auch die Trams sollen auf Lichtwolken schweben.
Déjà -vu
Anfang der 30er-Jahre zeigte die Zürcher Lichtwoche einer staunenden Bevölkerung, was auf dem Gebiet der elektrischen Beleuchtung alles möglich war. «Jeder braucht Licht!», lautete das Motto. Gemeint war das Licht aus der Steckdose und zwar für Wohnung, Arbeitsplatz, Aussenwerbung und Stadtbeleuchtung. Es war in der Schweiz die erste Veranstaltung ihrer Art. Der Stadtrat hatte dafür einen Kredit von 46?000 Franken gesprochen. Namhafte Künstler und Architekten beteiligten sich an der Lichtwoche: Max Bill, Ernst F. Burckhardt, Karl Egender, Augusto Giacometti, Max E. Haefeli, Walter Henauer und Stadtbaumeister Hermann Herter. Neben Entwürfen von Lichtanlagen zu Reklame- und Dekorationszwecken, waren eine schwimmende Lichtfontäne, eine beleuchtete Musterstrasse zwischen Zürich und Adliswil und speziell illuminierte Schaufenster und Bauten zu sehen. In der Innenstadt wurden während der Lichtwoche alle Monumentalbauten angestrahlt und ausgeleuchtet. Hoch im Kurs stand die Konturierung ganzer Gebäude mit Leuchtstoffröhren. Dem Publikum wurden Vorträge, nächtliche Stadtrundfahrten und sogar von Walter Mittelholzer, dem Schweizer Flugpionier, gesteuerte Flüge über «Die Grossstadt bei Nacht» geboten. (bg)
80 bis 100 Lichtinstallationen, Darbietungen und Ausstellungen sollen im November 2011 im Stadtzentrum und den Quartieren zu sehen sein. Willi Gyger, Inhaber der Messe-Firma Wigra, will mit seinem Zurich Light Festival mehr als eine Million Besucher anziehen. Geht es nach ihm, wird der jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit stattfindende Kunst- und Kulturanlass zu einem der führenden Lichtfestivals Europas. Ähnliche Events gibt es unter anderem bereits in Lyon, Frankfurt und Berlin. Zum Vergleich: Das «Fête des Lumières» in Lyon erwartet jährlich 4 Millionen Besucher.
Rund die Hälfte der gezeigten Veranstaltungen sind gratis. Mit einem Lichtpass für 18 Franken erhält man Zugang zu allen anderen Attraktionen, für 6 Franken zu zwei ausgewählten Darbietungen. Die Lichtshows erstrahlen von 17 bis 22 Uhr. Neben regional und international bekannten Künstlern und Lichtdesignern sollen auch Kulturinstitutionen wie Schauspielhaus, Kunsthaus oder Oper ins Festival miteinbezogen werden. Eine Lichtverschmutzung werde es nicht geben, das Konzept sei auch auf den Plan Lumière abgestimmt.
Laut Gyger ist die Realisierung weit gediehen. Noch fehlt die Zusage der Stadt, mit der er bereits mehrere Gespräche geführt hatte. Mit einer definitiven Bewilligung rechnet Gyger Ende Oktober. Auch Hauptsponsoren sind noch nicht bekannt. Das Interesse potenzieller Sponsoren sei aber gross.
Beinahe ohne Immissionen
Während der gestrigen Medienveranstaltung wurde Gyger nicht müde zu betonen, dass die Veranstaltung praktisch keine Immissionen verursache. Die Musik zum Licht kommt über Kopfhörer, verbrauchsarme Technik soll für einen niedrigen Energiebedarf sorgen. Gyger erwartet, dass über 90 Prozent der Besucher die öffentlichen Verkehrsmittel benützen und das Festival keine Alkohol-, Abfall- oder Drogenprobleme verursacht. Gyger rechnet damit, dass das Lichtfestival mittelfristig einen Umsatz zwischen 100 und 150 Millionen Franken generiert. Über das Budget wollte er keine Angaben machen. Es bewege sich im einstelligen Millionenbereich. Im Beirat sitzen Vertreter aus Gewerbe, Zürich Tourismus, Hotellerie und SBB.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.08.2010, 20:55 Uhr
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13 Kommentare
Zürich inszeniert sich als 2000Watt Gesellschaft, Zürich müse laut Politiker sparen, denkt aber laut über eine millionenteure, massenhaft energiefressende Lichtinstalation nach. Dieses unsinige Projekt geht in die gleiche Kategorie wie der Hafenkran. Es scheint Mode zu sein, überall zu sparen, für die Kunst aber Unsummen auszugeben. Wer bezahlt den Spass? Aber ganz sicher nicht der Steuerzahler! Antworten
Keine Immisionen.... Es muss angenommen werden, dass diese Lichtinstalationen sehr wohl beträchtliche Lichtimmisionen verursachen weden und eine unnötige weitere Aufhellung desses bewirken, was man noch mit Nacht bezeichnet. Da würde man sich wünschen, Zürich komplett zu überdachen. Antworten





Alex Hug
@ Ruedi Küng: Dann kippen wir lieber das Nagelhaus (an der Urne) und den Hafenkran (eigentlich schon passiert, aber der Stadtrat foutiert sich um gemeinderätliche Beschlüsse). Endlich einmal Kunst, die auch mir - und wohl vielen anderen - gefällt. Antworten