Limmatschwimmen: Strömung war zu stark

Das Limmatschwimmen vom Samstag musste abgesagt werden, ein Verschiebedatum gibt es nicht. Es war erst die dritte Absage in 47 Jahren.

Trotz der Absage hatten sich einige Schwimmer beim Start am Stadthausquai eingefunden, so auch Ute Meffert (r.).

Sabina Bobst

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Unter sieben Brücken muss man durch – von der Frauenbadi bis zum Oberen Letten. Und jede Brücke steht auf Brückenpfeilern, an denen vorbei es zu schwimmen gilt. Doch wenn die Limmat zu viel Wasser führt, wird es dort gefährlich. «Die Gefahr, dass es jemanden um den Pfeiler wickelt, ist zu gross», sagt Peter Deul, Präsident des Schwimmvereins Zürileu, der das Limmatschwimmen seit 47 Jahren organisiert. «Es ist erst das dritte Mal, dass wir ein Limmatschwimmen absagen mussten.» Ein Verschiebedatum? «Keine Chance», sagt Deul. Bei rund 250 Helfern sei das organisatorisch ein Ding der Unmöglichkeit.

Getrübte Stimmung

Samstagmittag. Ein Sprühregen geht auf die Stadt nieder. Die Limmat zieht zügig. Eine Handvoll Helfer und Vereinskollegen stehen mit Peter Deul um einen Gasgrill unter der Kornhausbrücke. Man genehmigt sich ein paar Bratwürste vom Grossverteiler, bevor sie abtransportiert und an Bedürftige abgegeben werden. Die Getränke werden wieder zurückgenommen. Die Stimmung ist getrübt. Die Natur ist stärker, man nimmt das hin. Letztes Jahr habe man das Schwimmen, das inzwischen zum «Fun-Event» geworden sei, nur mit Ach und Krach durchführen können, erzählt Deul. Luft und Limmat waren kühl, aber nicht zu kühl. Das Wetter wäre diesmal an sich nicht das Problem gewesen, auch wenn die Luft keine 20 Grad warm war und die Limmat beim Mythenquai nur gerade 20,2 Grad anzeigte. Erst bei unter 20 Grad Wassertemperatur hätte man die Veranstaltung absagen müssen.

Für Plauschschwimmer zu gefährlich

Diesmal ist aber die Wassermenge das Problem. 137 Kubikmeter Wasser pro Sekunde sind 37 Kubikmeter zu viel. «Wenn nur Profischwimmer am Start gewesen wären, hätte man starten können», weiss Deul. Doch für die Plauschschwimmer wäre es zu gefährlich gewesen. Einmal, Ende der Neunziger, habe ein böser Westwind geblasen, sagt ein Vereinskollege von Deul. Das warme Oberflächenwasser sei dadurch abgekühlt worden und habe die Wassertemperatur innert einer Stunde um 2 Grad hinuntergedrückt. Viele Schwimmer, vor allem Kinder, habe man aus der Limmat ziehen müssen. Für Ungeübte, die beim Limmatschwimmen eine gute Stunde im Wasser sind (geübte Schwimmer haben 20 Minuten), ist ein solcher Temperatursturz zu viel. Trotzdem: Einen Unfall hat es laut Deul noch nie gegeben.

Am Stadthausquai stehen mittags ein paar ratlose Schwimmerinnen und Schwimmer. In der einen Hand den Schwimmsack, in der anderen das Handy: «Du, da ist niemand, ich glaub, es ist abgesagt.» Auch Markus Füreder hat nicht auf limmatschwimmen.ch nachgeschaut. Es wäre für den Wiener, der seit einem halben Jahr in Zürich wohnt, das erste Limmatschwimmen gewesen. Überrascht schaut er auf den Fluss und sagt: «Die Gefahr sehe ich nicht.» Als geübter Schwimmer hätte er keine Probleme gehabt, den Brückenpfeilern auszuweichen. Schwieriger wäre es für Ute Meffert geworden. Mit etwas Humor versucht die Plauschschwimmerin das Beste aus der Situation zu machen, setzt ihre farbige Badekappe auf und posiert für eine Fotosession im Regen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.08.2008, 20:40 Uhr

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