Lizenz zum Zeuseln zündet nicht

Die Stadt will Pyros in Fussballstadien nicht verbieten, sondern prüft den Einsatz von besonderem Feuerwerk. Doch der Test findet nicht wie angekündigt am Samstag statt – und es ist offen, ob es überhaupt so weit kommt.

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Die Stadt will sich dem Problem der Pyros in Fussballstadien stellen. Gemeinsam mit den beiden Zürcher Fussballclubs und Vertretern der Fangruppen wird der Einsatz von Bühnenfeuerwerk geprüft.

Bereits am kommenden Samstag, wenn der FCZ in einem Heimspiel gegen Servette antritt, hätte das neue Konzept gemäss einem Bericht der NZZ getestet werden sollen. Doch von einem solchen Testlauf ist man noch immer weit entfernt. Auch für das kommende Jahr will das zuständige Schul- und Sportdepartement keine Termine dafür nennen.

Ob eine Lösung gefunden wird, ist unsicher

Auf Anfrage heisst es lediglich, dass derzeit noch immer geprüft werde, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Sicherheitsabständen bewilligungsfähige pyrotechnische Gegenstände auch während der Spiele zugelassen werden könnten. Sicher ist vorerst einzig, dass das Abbrennen von Notsignalfackeln verboten bleibt.

«Über die Ausgestaltung der neuen Bewilligungspraxis kommunizieren wir erst dann, wenn tatsächlich ein Ergebnis vorliegt», betont Departementssprecher Marc Caprez. «Ob tatsächlich eine Lösung gefunden wird, ist allerdings nach wie vor offen.»

Immerhin habe die Stadt laut Caprez bereits diverse pyrotechnische Gegenstände evaluiert, die unter Einhaltung der verschiedenen Sicherheitsbestimmungen bewilligungsfähig wären. Welche für den Einsatz im Stadion infrage kommen könnten, wird jedoch nicht verraten. Auch bei der städtischen Feuerpolizei will sich niemand die Hände am heissen Eisen Stadion-Pyros verbrennen. Eine Anfrage blieb unbeantwortet.

Sicherheitsabstand von 1 bis 20 Meter

Laut Marco Hannemann, Pyrotechniker und Betreiber eines Onlinefeuerwerkshops, kommen für den Einsatz in einem Stadion einzig Bengalfackeln infrage. «Diese werden auch für Konzerte und Auftritte benutzt und können selbst in Innenräumen angewendet werde. Sie brennen sicherer und kontrollierter ab als andere pyrotechnische Produkte, und sie werden weniger heiss.»

Je nach Konstruktion könne man solche Fackeln gut in der Hand halten. «In einem Stadion ist bei solchen Gegenständen allerdings besondere Vorsicht geboten», warnt Hannemann. So müsse ein bestimmter Sicherheitsabstand zur nächsten Person eingehalten werden. «Es gibt über 1000 verschiedene Bengalfackeln. Je nach Produkt muss dieser Sicherheitsabstand zwischen 1 und 20 Meter betragen.»

Hannemann ist der Meinung, dass das Abbrennen solcher Bengalfackeln bei einem Fussballspiel durchaus möglich sei, «wenn man beispielsweise eine Reihe zu den anderen Fans absperrt und geeignete Löschmittel in der Nähe sind.» Auch müsste das Sicherheitspersonal genau instruiert werden. «Das ist besonders wichtig. Wo man Feuerwerk im Publikum zündet, muss immer geschultes Personal in der Nähe sein.»

Swiss Football League blickt nach Zürich

Ob sich die Stadt nun für den kontrollierten Einsatz von pyrotechnischen Produkten in Fussballstadien ausspricht und welche Fackeln erlaubt werden, interessiert auch die Swiss Football League (SFL). «Wir beobachten die Entwicklung in Zürich aufmerksam und sind offen für neue Lösungsansätze», sagt Pressesprecher Philippe Guggisberg gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Diese würden wir darauf hin prüfen, ob sie dem Gesetz und unseren Reglementen und Richtlinien entsprechen – und ob sie überhaupt umsetzbar sind.»

Auch die SFL hat im Juni dieses Jahres Sicherheitsstrategien für ihre Fussballspiele präsentiert und dabei sieben Bereiche bezeichnet, in denen sie die Sicherheit verbessern will. «Pyros sehen wir dabei nicht als zentrales Thema», so Guggisberg. «Sie sind gesetzlich verboten, deshalb gibt es für uns keinen Handlungsspielraum.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 21.11.2012, 11:24 Uhr)

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