Luxuswohnung, leer, sucht Mieter

In der Stadt Zürich stehen immer mehr teure Mietwohnungen leer. Das Angebot ist höher als die Nachfrage. Jetzt sehen sich die ersten Eigentümer gezwungen, die Mieten zu senken.

Herrliche Aussicht – doch die Hälfte der Wohnungen im Hochhaus Escher-Terrasse stehen immer noch leer. Foto: Dieter Seeger

Herrliche Aussicht – doch die Hälfte der Wohnungen im Hochhaus Escher-Terrasse stehen immer noch leer. Foto: Dieter Seeger

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Sucht eine Person im Kanton ­Zürich eine unmöblierte Mietwohnung in einer Preisspanne von 5000 bis 16'000 Franken, erhält sie auf der Internet-Vergleichsdienstsite Comparis.ch derzeit 146 Treffer. Die Mieten sind hoch, das Angebot ist enorm. Die Seitzmeir Immobilien AG vermarktet Neubauprojekte und vermietet unter anderem auch sehr teure Wohnungen. Doch dies ist gegenwärtig nicht einfach. «Heute ist der Absatz ab 4000 Franken schwieriger geworden», sagt Céline Stoop, Junior-Vermarkterin bei Seitzmeir Immobilien. Die sinkende Nachfrage im Hochpreissegment sei bereits seit zwei Jahren spürbar. Aufgrund der tiefen Hypozinsen sei der Kauf einer Immobilie zu einer interessanten Alternative zum Mieten geworden.

Preisvergleiche im Quartier

Die Hälfte der Wohnungen im Hochhaus Escher-Terrasse, welche seit April bezugsbereit sind, steht weiterhin leer. Gemäss Eigentümerin Allreal ist bei einem Teil der grösseren Wohnungen der Quadratmeterpreis gesenkt worden. Die teuerste Wohnung mit 5 ½ Zimmern und 251 m2 Fläche ist jetzt um 18 Prozent günstiger. Die Wohnung kam vor ungefähr einem Jahr mit 12'100 Franken auf den Markt und wird ab 1. November noch 9940 Franken kosten.

Matthias Meier, Mediensprecher der Allreal, sagt: «Wir haben jede einzelne Wohnung angeschaut und mit den Quartierpreisen verglichen.» Der Mietpreis für die Wohnungen sei vor zwei Jahren festgelegt worden. «Wir mussten feststellen, dass einzelne Wohnungen nicht mehr dem quartierüblichen Niveau entsprechen.» Es herrsche ein Überangebot, erklärt Meier weiter. Dass einzelne Preise zu hoch angesetzt seien, sei auch von potenziellen Mietern bestätigt worden. Individuelle Preisanpassungen, ein Massnahmenpaket im Innenausbau sowie intensivere Werbemassnahmen seien die Folgen.

Grosse Bautätigkeit

Auch Stoop von Seitzmeir Immobilien sieht die Gründe für die vielen Leerstände unter anderem in der Bautätigkeit: «Der Kreis 5 sowie Zürich-Altstetten erlebten einen wahnsinnigen Bauboom.» Neben teuren Mietwohnungen seien auch viele Wohnungen im Stockwerkeigentum erbaut worden. Der Absatz von Immobilien im Höchstpreis­segment sei zwischenzeitlich erheblich schwieriger geworden. Auch im Mobimo Tower im Kreis 5, welcher 2011 fertig­gestellt worden ist, gibt es noch immer leere Eigentumswohnungen. Die Eigentümerin Mobimo AG will auf Anfrage keine Stellung dazu nehmen.

Laut Stoop verursachen lang anhaltende Leerstände hohe Kosten. Preisreduktionen müssten von Fall zu Fall überprüft werden. Eine Reduktion im Rahmen von zehn bis fünfzehn Prozent habe dabei einen spürbaren Einfluss auf die Nachfrage. Auf Comparis.ch sind die Preisschwankungen ausgewiesen. Die Meinungen zu Preisreduktionen sind geteilt. Felix Schneuwly, Mediensprecher von Comparis.ch sagt: «Eigentümer hüten sich vor starken Preissenkungen.» Wenn es sich der Eigentümer leisten könne, lasse er die Wohnung eher leer stehen, statt den Mietpreis zu senken. Die Angst vor einem Dominoeffekt sei gross. Auch die Daten, wie viel der Nachbar zahlt, werden bei Comparis gesammelt und auf der Website publiziert. Michael Blaser, Geschäftsführer bei Wüst und Wüst spürt ebenfalls die Zurückhaltung der Mieter: «Ab 5000 Franken ist es ruhiger geworden.» Mietzinssenkungen kommen laut Blaser nur in Ausnahmefällen vor. Etwa wenn sich der Markt ver­ändere und der Eigentümer die Wohnungen schneller vermieten muss als ­geplant.

Vermietungen an Expats harzt

Seitzmeir Immobilien hat die teuren Wohnungen bisher meist an Expats vermietet. Doch auch hier ist ein Rückgang zu spüren. Laut Stoop haben bis anhin Internationale Firmen ihren Expats ein grosszügiges Budget für die Wohnung zur Verfügung gestellt. Heute seien diese Budgets deutlich gekürzt worden. Mladenka Fierz von der Relocation Firma Fierz Consulting sagt: «Das Hochpreissegment ist bei 7000 bis 15'000 Franken angesetzt, immer weniger Expats erhalten dieses Budget von ihren Firmen.»

Auch Daniel Bruckhoff, Mediensprecher von Homegate spürt bei den Vermietungen von teuren Wohnungen an die Expats einen Rückgang. Er sieht dafür politische Gründe: «Die Minder-Initiative, 1:12, steuerliche Reformen und die Masseneinwanderungsinitiative haben die Standortattraktivität der Schweiz für das Fachpersonal aus dem Ausland geschwächt.» Bruckhoff bestätigt den Trend, dass Inserate für teure Wohnungen länger auf der Website aufgeschaltet sind. Die zurzeit teuerste freie Mietwohnung in Zürich kostet inklusive Nebenkosten 15'770 Franken. Es ist eine 8‑Zimmer-Maisonettewohnung in einem Dreifamilienhaus in der Enge. 2005 wurde die Liegenschaft mit einer Nettofläche von 318 Quadratmetern komplett saniert. Die Wohnung besitzt einen Wintergarten mit direktem Zugang zum Garten und einen Balkon.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 16.10.2014, 20:50 Uhr)

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Günstiger und länger auf dem Markt

Das moderne Landhaus mit 5 ½Zimmern, Pool und grossem Garten am Dorfrand von Rüschlikon war lange für 2,7 Millionen Franken ausgeschrieben, jetzt ist es für 2,35 Millionen zu haben. Das Beispiel illustriert, was die Zürcher Kantonalbank (ZKB) dieser Tage mitgeteilt hat: Die Preise für Wohneigentum sinken. Deutlich ist der Preisrückgang in den Gemeinden rund um den Zürichsee: ­ 3,5 Prozent im dritten Quartal verglichen mit dem Vorquartal und 1,2 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal 2013. Im übrigen Kanton sind die Hauspreise vom zweiten bis zum dritten Quartal um 0,8 Prozent gesunken. Gesamthaft sei der Index für die Zürcher Wohneigentumspreise um 1,6 Prozent gefallen, schreibt die ZKB. Der Index basiert auf den Daten von 17'600 Transaktionen von Ein­familienhäusern und Stockwerkeigentum. Die Abkühlung auf dem Immobilienmarkt verlängert auch die Vermarktungsdauer: Eigentumswohnungen waren dieses Jahr im Schnitt 70 Tage ausgeschrieben, früher genügten 60 Tage, um einen Käufer zu finden. Für Mietobjekte braucht es 20 Tage. Einen Preiszerfall für Wohneigentum befürchtet die ZKB jedoch nicht, weil die Zinsen für zehnjährige Fest­hypotheken auf 2,0 Prozent gesunken sind, was historischen Tiefstand bedeutet und dem Markt Impulse verleiht. (jr)

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