Zürich

Martelli zum Kongresszentrum: «Diese Idee ist hochinteressant»

Von Janine Hosp. Aktualisiert am 26.06.2009 19 Kommentare

Ein Kongresszentrum auf dem Carparkplatz? Die Zürcher Bauvorsteherin will diesen Standort ernsthaft prüfen. Sie sieht aber auch Hürden.

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Auf der Suche nach dem idealen Standort für ein Zürcher Kongresszentrum kam auch der Carparkplatz beim Hauptbahnhof ins Gespräch. Für Stadträtin Kathrin Martelli wäre das möglich - «wenn man es wirklich will».
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Bauvorsteherin Kathrin Martelli.

Bauvorsteherin Kathrin Martelli. (Bild: Doris Fanconi)

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Architekt Walter Wäschle belegt in einer Machbarkeitsstudie, dass man auf dem Carparkplatz ein Kongresszentrum bauen könnte. Weshalb ist die Stadt nicht auf diese Idee gekommen?
Wir haben den Standort bei unserer früheren Evaluationen geprüft. Wir waren aber der Meinung, dass das Grundstück mit Carparkplatz und Parkhaus allein zu klein ist, es gäbe nur ein «Gwürg». Wir sind nie auf die Idee gekommen, dass die Eigentümer ihre schönen, sanierten Häuser auf dem benachbarten Grundstück hergeben würden.

Was halten Sie vom Projekt?
Das Projekt ist hochinteressant. Würde hier das Kongresszentrum realisiert, entstünde allerdings ein mächtiger und wohl auch sehr hoher Bau. Ich bin nicht überzeugt, dass dies der richtige Eingang zum Kreis 5 wäre. Ich selber sehe dort ein Haus für ein breites Publikum, ein Haus mit Dienstleistungscharakter und öffentlichen Nutzungen. Und natürlich muss es architektonisch etwas Schönes sein. Wir werden Walter Wäschles Projekt aber prüfen.

Erstaunlich ist, dass dieser mächtige Bau im Quartier keinen Aufstand provoziert, ganz im Gegenteil. Das Projekt sei eine «supergute Idee», heisst es dort.
Den Carparkplatz kann man noch zum Bahnhofareal zählen. Würde das Kongresszentrum am Limmatplatz gebaut, sähe es ganz anders aus.

Gibt es etwas, was gegen den Standort Carparkplatz spricht?
Wir haben 2002 den Standort verworfen, weil es auf dem städtischen Grundstück alleine einfach zu wenig Platz hat und weil darauf die Baulinie des Stadttunnels liegt. Es wäre eine langwierige Angelegenheit gewesen, daran etwas zu ändern. Aber vielleicht könnte man die unterirdische Baulinie auch in den Untergrund verlegen, das müssten wir mit dem Kanton klären. Grundsätzlich geht fast alles, wenn man es wirklich will und bereit ist, Häuser abzureissen und den Richtplan zu ändern.

Glauben Sie noch an den Standort Kaserne? Da sich das Polizei- und Justizzentrum um unbestimmte Zeit verzögert, wird der Kanton die Kaserne nicht so bald räumen.
Wir glauben an den Standort - allen Unkenrufen zum Trotz. Wir prüfen ihn zusammen mit dem Kanton und werden im Herbst sagen, wie es weitergeht.

Der Stadtrat selber hat keinen Standort am See vorgeschlagen. Will er sich damit nicht mehr die Finger verbrennen?
Diese Standorte sind heikel. Man sah beim Moneo-Projekt, dass die Bevölkerung am See keine grösseren Eingriffe akzeptiert. Wir prüfen aber im Auftrag des Parlaments den Standort im Bereich des Seehafens Enge bis Sukkulentensammlung vor der Swiss Re. Dafür sind viele schöne Projektvorschläge eingegangen, von Privaten, aber auch von renommierten Zürcher Architekten. Es gibt auch Ideen, das alte Kongresshaus miteinzubeziehen. Wie werden jede Anregung prüfen, selbst wenn uns jemand sagt, stellt das Kongresszentrum doch einfach in den See. Wir wollen keine Idee zum Vornherein abblocken. Das Kibag-Areal in Wollishofen oder der Hafen Tiefenbrunnen hingegen sind zu weit von der City entfernt. Ein Kongresszentrum wirkte dort, als wäre ein Ufo gelandet - es fehlt dafür die Infrastruktur.

Was ist mit dem Hochschulquartier?
Diesen Standort haben wir vorläufig zurückgestellt. Von der Universität selber, den Hochschulen und vom Uni-Spital bestehen bereits viele Nutzungsansprüche. Es ist absehbar, dass es für ein Kongresszentrum nicht auch noch reicht.

Wer wird das Kongresszentrum zahlen? Will es die Stadt wieder mit Privaten im Rahmen einer Partnerschaft planen und bauen?
Nein, ich habe gelernt, dass eine solche Partnerschaft heikel ist - sie ist ein Nährboden für Misstrauen und für missbräuchliche Vorwürfe. Dieses Risiko möchte ich nicht mehr eingehen. Wir werden das Projekt wohl selber oder je nach Standort zusammen mit dem Kanton entwickeln und danach Investoren und Betreiber suchen. Falls in einigen Jahren die Kassen überquellen sollten, können wir es uns immer noch selber leisten.

Braucht die Stadt überhaupt noch ein Kongresszentrum? Die SVP ist der Ansicht, die Stadt hätte heute vordringlichere Probleme.
Ja, eine Mehrheit will nach wie vor ein Kongresszentrum. Soll Zürich eine international ausgerichtete Stadt bleiben, in der Wirtschaft, Bildung und Forschung eine wichtige Rolle spielen, dann gehört eine solche Infrastruktur dazu. Und schliesslich schaffen wir uns mit einem Kongresszentrum auch eine Lebensgrundlage. Es entstehen damit viele Arbeitsplätze.

Sie treten nächstes Jahr zurück und sind längst nicht mehr Stadträtin, wenn das neue Kongresszentrum steht. Schmerzt Sie das?
Ich habe nicht die Illusion, im Amt jedes Projekt zu Ende bringen zu können. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich Zeit nehmen und mit allen Betroffenen reden muss, auch wenn man langsam ungeduldig wird und meint, man wisse schon alles. Wenn man am Anfang Fehler macht, dann trägt man sie die ganze Zeit über mit. Im nächsten Frühling sind die Pläne aber so weit ausgearbeitet, dass ich das Projekt beruhigt in andere Hände legen kann. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.06.2009, 11:24 Uhr

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19 Kommentare

Daniel Walter

16.06.2009, 08:20 Uhr
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So und jetzt an die Arbeit den einen besseren Standort gibt es nicht. Zeigt euch weltstädtisch in Zürich ihr wollt so wahrgenommen werden in der Welt. Antworten


walter mattle

16.06.2009, 08:49 Uhr
Melden

Sensationell! Nachdem Zürich leider wiedereinmal Grösse vermissen liess und die Seepromenade nicht aufwerten wollte, könnte beim Carpark doch noch etwas wegweisendes entstehen. Antworten



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