Mauch bereut täglich, Stadtpräsidentin zu sein

In einer Talkrunde beklagt sich Corine Mauch über den Verlust von Autonomie und Anonymität seit ihrer Wahl zur Zürcher Stadtpräsidentin.

«Ich habe dieses Amt nicht gesucht»: Corine Mauch macht offene Aussagen im Stadttalk.

«Ich habe dieses Amt nicht gesucht»: Corine Mauch macht offene Aussagen im Stadttalk. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am vergangenen Donnerstag, 13. Januar, wurde Corine Mauch zum Stadttalk nach Winterthur eingeladen. Dort kam es nach einer längeren, gemütlichen Plauderei vor rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörern zu einer Aussage, die für Wirbel sorgte. Auf die Frage, ob sie ihre Wahl zur Stadtpräsidentin bereue, antwortet Mauch: «Ja, diese Momente gibt es täglich.» Ihr Amt bedeute «einen totalen Verlust von Zeitautonomie und Anonymität.» Für sie als «spontanitäts- und freiheitsliebenden Menschen», sei dies teilweise äusserst anstrengend.

Dass sich die seit 2009 amtierende Stadtpräsidentin zu einer solchen Aussage hinreissen lässt, findet Michael Baumer, Präsident der Stadtzürcher FDP, «schlicht daneben». Mauch solle den Platz frei machen für jemanden, der mehr Spass an diesem Amt hat, sagt er gegenüber «20 Minuten». Auch SVP-Fraktionschef Mauro Tuena ist verärgert: «Das ist ein Affront für alle, die sie gewählt haben.» Es zeige deutlich, dass Mauch noch immer nicht in ihrem Amt als Stadtpräsidentin angekommen sei.

«Ihre Aussage war einfach sehr ehrlich»

Die Parteikollegen der Stadtpräsidentin nehmen Mauch hingegen in Schutz. «Ihre Aussage war einfach sehr ehrlich», meint Beatrice Reimann, Co-Präsidentin der Stadtzürcher SP. Jeder Job habe auch schwierige Seiten. «Das heisst aber nicht, dass die Freude an der Arbeit verloren geht.» Auch Fraktionspräsidentin Min Li Marti relativiert Mauchs Aussage: «Das Stadtpräsidium ist nun mal ein äusserst hartes Amt mit sehr viel Fremdbestimmung.»

Gegenüber «20 Minuten» wollte Mauch am Sonntag nichts mehr von Amtsmüdigkeit wissen. «Ich freue mich jeden Tag, Stadtpräsidentin von Zürich zu sein. Das habe ich im Gespräch in Winterthur auch klar und wiederholt zum Ausdruck gebracht.» Im Verlaufe der Talksendung sprach sie denn auch davon, dass Momente, in denen man einen Karriereschritt bereue, «in jedem Beruf und bei allem» vorkommen. Man bezahle eben einen Preis: «Alles ist auf mehrere Monate hinaus völlig durchstrukturiert. Das Pensum ist enorm. Das Leben besteht aus diesem Amt.»

(tif)

Erstellt: 17.01.2011, 07:58 Uhr

Umfrage

Corine Mauch bereut täglich, Stadtpräsidentin zu sein. Was halten Sie von ihrer Aussage?

Die Antwort ist daneben

 
61.6%

Ihre Aussage war einfach sehr ehrlich

 
38.4%

1893 Stimmen


Artikel zum Thema

Homosexuelle werfen Corine Mauch Schwulenfeindlichkeit vor

Es sollte eine friedliche Wahlkampfveranstaltung der SP werden. Die Betreiber der Schwulenbar Nervous störten das heitere Kuchenessen jedoch. Mehr...

Nötigung: Strafverfahren gegen Corine Mauch

Muss die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) vor den Richter? Gegen sie wurde ein Strafverfahren wegen Nötigung eröffnet. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Kommentare

Die Welt in Bildern

Süsse Handarbeit: In der Schokoladenfabrik 'La muchacha de los chocolates' platziert ein Arbeiter eine Kirsche in eine mit Schokolade ausgekleidete Form. (21. Juli 2017)
(Bild: Andres Stapff) Mehr...