Mehr Platz zum Leben für Behinderte
Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 03.03.2009
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Auf dem Bürkliplatz versammelten sich gestern Nachmittag über 50 Rollstuhlfahrer. Die an einer seltenen Form von Muskelschwund erkrankten Menschen feierten die Spatenübergabe für den Erweiterungsbau auf dem Areal des Mathilde-Escher-Heims (MEH). Dazu trugen sie orange, weisse und blaue Bauarbeiterhelme auf ihren Häuptern und ein breites Lächeln auf den Lippen. Regierungsrat Hans Hollenstein (CVP) begrüsste es, dass die Zeremonie «mitten in der Stadt, also da, wo das Leben stattfindet», über die Bühne ging. Dass das Heim seit geraumer Zeit aus allen Nähten platze, sei ein Zeichen dafür, wie gut dort gearbeitet, aber auch gelebt werde. Hollenstein wusste von einem Bewohner, der sein Zimmer mit allerlei Eishockey-Utensilien schmückt, oder einem anderen, der über 500 DVDs besitzt und in seiner Loge ein regelrechtes Privatkino betreibt. Es sei für die Politik selbstverständlich, dass sie den Menschen helfe, die vom Schicksal hart getroffen seien und dennoch Ja zum Leben sagen würden. Bund und Kanton beteiligen sich mit 11 Millionen am 19 Millionen teuren Projekt, der Rest soll mit Spenden finanziert werden. «Wir sind einen schönen Schritt weiter», sagte Hollenstein, «aber es braucht noch viel mehr Geld.» Dann rief er vom Bürkliplatz der ganzen Welt zu: «Holt einen Fünfliber, und gebt ihn diesen Leuten.» Für seine kurze Ansprache erntete Hollenstein von den Rollstuhlfahrern ein fröhliches Hupkonzert.
Auch Elmar Ledergerber (SP), der in seinem letzten Monat als Stadtpräsident an seiner ersten Spatenübergabe überhaupt teilnahm, wünschte dem Bauvorhaben im Namen des Stadtrats viel Erfolg. Zürich dürfe stolz sein auf das Mathilde-Escher-Heim, eine weltweit führende Institution bei der Betreuung von Duchenne-Betroffenen. Die Stadt unterstützt das Bauprojekt mit einem zinsgünstigen Darlehen von einer Million Franken. Ledergerber gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Bauzeit von 16 Monaten eingehalten werden könne, und versprach, dass bei der Eröffnung des Erweiterungsbaus seine Nachfolgerin eine bestimmt noch bessere Rede halten werde.
22 zusätzliche Wohnplätze
Von den 24 Wohnplätzen im MEH wurden im Jahr 1996 nur 6 Plätze von Erwachsenen belegt, heute sind es als Folge grosser Fortschritte bei der Betreuung und Versorgung deren 22. Durch die durchschnittlich um 10 Jahre gestiegene Lebenserwartung von Duchenne-Patienten (von 25 auf 35 Jahre) können deshalb bei gleich bleibender Nachfrage nach Wohnplätzen immer weniger Schüler und Lehrlinge aufgenommen werden, da die Plätze von Erwachsenen belegt sind. Mit dem Neubau erhöht sich Kapazität im MEH um 22 Wohn- und Arbeitsplätze. Ebenfalls sollen im Gebäude die Verwaltung, der technische Dienst und die Lingerie der Institution untergebracht werden. Um den Bewohnern optimale Mobilität zu ermöglichen, sind die Stockwerke mit Lift und einer Rampe erschlossen.
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.03.2009, 21:29 Uhr



