Mehr Rauch, weniger Staat
Von Marcel Reuss. Aktualisiert am 30.03.2010 29 Kommentare
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In gut einem Monat, am 30. April, werden in Zürcher Restaurants die letzten Zigaretten ausgedrückt. Doch geraucht ist das Thema damit noch lange nicht. So will die Lungenliga die Serviceangestellten vor dem Passivrauchen noch besser schützen – mit einer landesweiten Regelung ohne bediente Fumoirs. Über 100'000 Initiativ-Unterschriften hat sie dafür bereits beisammen, wie sie am 25. Februar mitteilte. Just an diesem Tag begann in Bern eine andere Vereinigung mit dem Sammeln von Unterschriften. Sie will zurück zum Start. Dahin also, wo der Wirt entscheiden kann, ob in seinem Lokal geraucht werden darf, wie der Präsident der IG Freie Schweizer Wirte gestern in der Taverna Catalana erklärte.
«Gewerbefreiheit in Gefahr»
Unter einer Laterne nahm David Herzig Platz. Darauf auf Glas gemalt ein Eidgenosse im Hodler-Stil. Was insofern symbolisch wirkte, weil Herzig nichts weniger als den Niedergang des Stammtisches heraufbeschwor, der Urzelle unserer Demokratie. Das war in der Hitze des Gefechts. Konkret führte der Sekretär der Jungen SVP Bern und Gelegenheitsraucher hingegen anderes an.
Erstens: Viele Serviceangestelle seien Raucher, und viele, die es nicht seien, störten sich nicht am Rauch. Zweitens: Wie sich in einigen Kantonen bereits zeige, kämen die Nichtraucher trotz Rauchverbot nicht in Scharen. Die Raucher aber, die blieben weg oder konsumierten weniger. Das koste die Wirte bis zu 60 Prozent der Umsätze und viele Angestellte letztlich möglicherweise die Stelle. Drittens und grundsätzlich: Der Staat mische sich überall ein und gefährde so die Gewerbefreiheit.
Plädoyer für mehr Eigenverantwortung
Für Eigenverantwortung und gegen mehr Staat plädierte auch der Mann, der neben Herzig Platz nahm. Der Doyen der Schweizer Zigarrenindustrie, Heinrich Villiger. Natürlich spiele von seiner Seite auch Eigeninteresse mit, sagte Villiger. So produziert das Unternehmen des Bruders von Alt-Bundesrat und UBS-Präsident Kaspar Villiger mit 840 Mitarbeitern 770 Millionen Zigarren, Zigarillos und Stumpen im Jahr. Davon abgesehen störe ihn als Parteiloser aber schon sehr, wie der Staat die Konsumenten bevormunde. Dass Gesundheitsorganisationen wie die WHO aus vollen Rohren auf die Tabakindustrie schiessen würden und mit Zahlen von toten Passivrauchern operierten, obwohl solche Zusammenhänge nicht überprüfbar seien, wie eine deutsche Studie zeige. Das Terrain war damit abgesteckt. Ob die IG die 100'000 Unterschriften zusammenbringt, war danach weniger die Frage. Vielmehr, ob die Initiative eine Chance haben wird an der Urne – nach all den wuchtigen Nein zum Rauchen. David Herzig ist davon überzeugt und muss – auf Zürich bezogen – paradoxerweise hoffen, dass hiesige Wirte massiv unter dem Verbot leiden werden.
Genau dies befürchtet der Gastgeber des gestrigen Anlasses, Taverna-Catalana-Wirt José Ledesma. Zigarrenraucher gehören zu seinen besten Kunden, sagt er. Ein Fumoir könne er nicht einrichten, und die 2500 Franken, die er mit Zigarren im Monat umsetze, würden ihm deswegen wohl wegfallen. Seine Zigarrenfreunde wollten sich künftig privat treffen, sagt Ledesma. Zumindest einmal wollen sie noch kommen, an der «Last Smoking Night» am 30. April. Und danach? Ledesma hofft trotzdem auf ihre Besuche – und auf die Initiative.
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Erstellt: 30.03.2010, 04:00 Uhr
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29 Kommentare
@alle die hier das selbemitleidende lied von der enteignung wimmern: systematische vergiftung von angestellten wurde nur noch in der gastronomie geduldet. mit dem ist jetzt ENDLICH schluss. würde z.B. ein chemiekonzern die gesundheit seiner leute dermassen fahlässig aufs spiel setzen, wäre er schon lange verklagt. rauchen ist neben dem genuss vor allem eine sucht! das merkt man den schreibern an. Antworten
Die Initiative ist mitnichten die von "freien Wirten", sondern der freien Tabakindustrie! In keinem Land der Welt läuft die Gastronomie ohne Rauch schlechter, oft besser, als die Tabakindustrie will dass die Wirte Umbauten bezahlen von denen sie garnichts haben weil nicht mehr Gäste kommen. Die Lungen von Gästen und Angestellten sind nicht Eigentum des Wirtes. Antworten
Diejenigen, die behaupten, im Ausland funktioniere das Rauchverbot problemlos, sind ziemlich naiv. Sie gehören möglicherweise auch zu denjenigen, die meinen, auch ein Autoverbot würde den Wohlstand nicht gefährden und nur die Gesundheit fördern. Sie sollen doch mal bitte z.B. nach „Rauchverbot Kneipentod“ u.ä. googeln. Antworten
Die EU will immerhin bis 2013 die Tabaksubventionen einstellen. Wie sieht es hier aus? Solange der Bund für die Tabaksubventionen annähernd gleich viel ausgibt wie für Tabakprävention ist dies alles scheinheiliges Gerede. Lasst doch die Wirte entscheiden. Die kennen ihre Klientel am besten, und es kann ihnen evtl. auch einen Marketingvorteil einbringen als NR- oder R-Restaurantzu werben. Antworten
Ist es Freiheit, wenn 70% von 30% zum Passivrauchen genötigt werden? Oder ist es eher eine nicht hinzunehmende Zumutung? Die Freiheit des Einzelnen hört dort auf, wo sie die Freiheit des nächsten einschränkt: Allen uneinsichtigen Wirten, Rauchern und Tabaklobbyisten empfehle ich, mal genau über diesen Satz nachzudenken. Ach ja: Ich freu mich schon auf rauchfreie Gastro-Betriebe, ab dem 1. Mai. Antworten
Dass Wirte und Tabaklobby zusammenspannen, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Einfach "Toleranz und Lebensfreude" in Google eingeben und mal schauen, was so für Resultate kommen. Fazit: Unsere Wirte sind von der Tabaklobby gekauft worden. Über das Rauchverbot wurde demokratisch abgestimmt. Auch Besitzer haben sich in einer Demokratie nach der Mehrheit zu richten. Antworten
Gilt eigentlich der "Volkswille" bei der SVP und SVP-nahen Organisationen und Personen eigentlich gar nichts, aber warum beschwören diese Gruppen diesen dann permanent? Das Volk hat das letzte Wort, ob's gefällt oder auch nicht auch beim Rauchverbot! Basta! Antworten
@Gollier:nein eben genau nicht!sonst könnten ja die Wirte auch selbst bestimmen welche Hygieneregeln in der Küche gelten etc..und nein NR haben NICHT die freie Wahl da ja fast überall irgendein egoistischer Raucher sitzt der alles verpestet!was spricht denn dagegen kurz vor die Tür zu gehen?klappt ja an anderen Orten/Ländern auch(SBB,wenn man zu Besuch ist..Italien,GB..)freue mich auf rauchfrei! Antworten
Endlich erwachen die Wirte. Ihre Verbändeund die Parteien haben leider geschlafen. Es ist ungeheuerlich, was der Staat resp. die wenigen die abstimmen gehen, uns alles vorschreiben wollen. Es ist sicher richtig, dass die Stammtische durch das Rauchverbot mehr oder weniger verschwinden. Obwohl der Stammtisch sehr viele positive Aspekte gesellschaftlicher und sozialer Natur beinhaltet. Antworten
Endlich! Ich hatte schon Angst, Helvetia hätte keine Töchter und Söhne mehr, die ihre Freiheit verteidigen. Die Andauernd-Irgendetwas-zwangsweise-verbieten-Taliban sollen in die EU auswandern. Da gehören sie hin und können dort auch gerne dankbar devote Untertanen ihrer Politiker und Beamten sein, so wie sie es ja unbedingt wollen... Antworten
Die Initiative ist zwar eine Frechheit - aber ganz im Interesse der Befürworter eines Rauchverbots, denn die Wirte werden haushoch verlieren, womit das Rauchverbot noch stärker verankert wird. Mit Freiheit hat es übrigens nichts zu tun, wenn ich als Nichtraucher mich nur entscheiden kann, ob ich zu Hause bleiben oder vergiftet werden will - die Option rauchfrei essen gibts momentan de facto nicht. Antworten
Richtig so! Der Wirt soll das recht haben zu entscheiden was in seinem Lokal geschieht. Wenn man alles so hinnimmt, was kommt als nächstes? Separate Räume für Fleischesser? WIrd vorgeschrieben was auf der Speisekarte steht? Ich bin Nichtraucherin und kann in absolut jedes Restaurant/ jede Bar oder sonstwohin gehen ohne mich gestört zu fühlen. Was wirklich stört ist die Bevormundung des Staates! Antworten
Die 'Freien Wirte' bringen ein paar Dinge durcheinander: 1. Die Gewerbefreiheit ist überhaupt nicht tangiert! Oder ist Rauchen die Voraussetzung ein Restaurant zu führen? Eben! 2. Die "Urzelle unserer Demokratie" ist der Verein! Was ist bei einem Stammtisch demokratisch? Genau! Nichts! 3. Eigenverantwortung? Tabak ist ein Suchtmittel. So viel zu Eigenverantwortung! Antworten
Kann es sein, dass die Wirte die letzten 10 Jahre geschlafen haben? JETZT kommen die wieder mit einer Idee, die schon vor 10 Jahren lanciert wurde von den Wirten und schon damals nicht funktionierte. Und seither ist einiges gelaufen, z.B. gab es das ein paar Abstimmungen... Antworten
All das Geseiere um 'höchstwahrscheinlich sinkende Umsatzzahlen' und PiPaPo ist kaum mehr erträglich. Setzen wir den beschlossenen Volkswillen endlich um und schauen, was passiert. Wenn es dann *soo* schlimm wäre, kann man eine 'Pro-Rauch'-Initiative lancieren. Und dann spielt wieder die Demokratie. Wetten, dass bei positivem Entscheid die Aschenbecher am Tag nach der Abstimmung aufgestellt wären? Antworten
die schweiz: ein volk von sturen bünzlis, könnte man meinen. das gezänke um das demokratisch festgelegte rauchverbot wird immer peinlicher. rund um die CH herum funktioniert es ohne probleme; in diesem land scheint es jedoch ein ding der ungmöglichkeit. nichtraucher mussten raucher x-jahrzehnte aushalten. jetzt ist es halt mal anders rum. warum soll das unmöglich sein? lächerlich. Antworten
Als Vergleich: Bei der Minarett-Initiative mussten wir anhören, dass wir die Menschenrechte nicht genügend berücksichtigen und deshalb solche Abstimmungen ev. gar nicht vors Volk kommen sollten... Aber eine Abstimmung, welche Wirten vorschreibt, was sie in ihrer Gaststätte dürfen oder nicht, das stellt natürlich kein Problem dar.. Sorry, aber das kommt einer Enteignung gleich.. Antworten
Den Wirten gehören die Lokale schliesslich auch, also entscheiden sie auch, ob dort geraucht werden darf oder nicht. Das ist logisch und fair, alle anderen müssen da nicht hingehen!! Wenn Nichtraucherlokale soooo ein Supererfolg sein sollen... wieso sind dann nicht schon 2/3 der Restis und Bars NR-Lokale? Ich vermute auch, dass da eine starke Verbotslobby dahintersteht und viele prügeln mit! Antworten
Wie recht er hat. Mehr Eigenverantwortung, mehr Eintscheidungsfreiheit. Wie zuverlässig Studien und Hochrechnungen der Gesundheitsorganisationen sind, hat man im Fall der Schweinegrippe bestaunen dürfen. Wir sollten freie, mündige, verantwortungsbewusste Bürger sein und nicht falschinformierte, verängstigte Konsumsklaven. Antworten
Etwa 70% der CH-Bevölkerung sind NR - die NR-Initiative ist klar angenommen worden, NR verursachen Gesundheitskosten, im Ausland funktioniert es tiptop, etc. Viele Jahre mit stinkenden Kleidern und Haaren nach Hause gekommen. Wann hören diese unsäglichen Diskussionen auf? Nun ist es mal Zeit, dass die Raucher Rücksicht nehmen. Freue mich sehr auf den 1.Mai! Antworten
Was braucht es eigentlich, dass eine rechtsgültige Entscheidung durch das Stimmvolk akzeptiert wird? Weshalb ging dies von heute auf morgen in Italien? Vergisst man, dass die 0,5% Regel und der teure Wein auch für die Konsumenten einen öfteren Restaurantbesuch einschränken? Antworten
"2/3 der Bevölkerung will ein Rauchvebot ohne Wenn und Aber." Rauchverbot oder Nichtraucherschutz? Nichtraucher können sich selbst schützen, sie haben die freie Wahl, wo sie hingehen wollen. Die Gaststätten gehören nicht den 1/3 der Bevölkerung, sondern zu 100% den Gastwirten. Sie allein haben über ihr die Verwendung ihres Eigentums zu entscheiden. Antworten
Die beste Initiative (IG frei Schweizer Wirte) die es jemals geben wird. Die schleichende Bevormundung durch den Staat, sollte man sofort stoppen!!! Das Rauchverbot ist eine Pro- Forma Uebung. Es wird sich mit der Zeit in den Restaurants automatisch selbst regulieren. Das der Wirt der Herr ist über seine Gaststätte und schlussendlich selbst entscheiden kann ,ob jetzt geraucht wird oder nicht. Antworten




Cornelia Baschung
Mich nervt die Bevormundung. In D kämpft man mit allen Mitteln dagegen an, weil viele Wirte nicht mehr von ihrem Lokal leben können.In warmen Ländern kann mann länger draussen sitzen,also nicht so,,schlimm,,.Warum sagt man nicht einfach:Jeder Wirt hat an 3 Tagen die Woche sein Lokal rauchfrei.Das wäre eine Win-Win Situation für ALLE.Und dieses Hickhack hätte ein Ende. Antworten