Zürich
«Mehrere Stunden, bis die Rauchwolke abzog»
Von Barbara Reye. Aktualisiert am 06.07.2010 17 Kommentare
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Jürg Brunner: Laborleiter des Umwelt- und Gesundheitsschutzes Zürich (UGZ) und verantwortlich für Luftschadstoffmessung in der Stadt Zürich.
Nach den beiden Feuerwerkspektakeln waberte über Zürich eine grauweisse Rauchfahne. Schlägt sich dies in Ihren Messstationen nieder?
Ja, das können wir deutlich sehen. Die Wolke zog zu unserer Station an der Stampfenbachstrasse, wo wir Feinstaub messen. Dort hatten wir in der Nacht von Freitag auf Samstag über kurze Zeit einen Wert von mehr als 220 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das ist etwa fünf- bis sechsmal mehr als vorher. In der darauffolgenden Nacht hatten wir dort ebenfalls einen Extremwert, während wir in Wiedikon in beiden Fällen nichts davon bemerkt haben.
Laut Angaben des Veranstalters wurden 12 Tonnen pyrotechnisches Material in die Luft geschossen, darunter 6 Tonnen Schwarzpulver. Wie lang bleibt dies in der Luft?
Das kommt ganz auf die Wetterverhältnisse an. Beim ersten Feuerwerk dauerte es mehrere Stunden, bis die Rauchwolke abzog und sich verdünnte. Interessant ist, dass beim zweiten Ereignis kurz danach die Luft sehr schnell wieder relativ rein war, weil es ab 0.30 Uhr einen heftigen Gewitterschauer gab.
Das heisst, dass der chemische Cocktail aus Verbindungen auf Basis von Kalium, Aluminium, Barium, Magnesium, Strontium, Kupfer, Blei, Eisen, Schwefel und vielem mehr heruntergekommen ist.
Zum grossen Teil ist dies sicherlich der Fall. Wo und wann genau diese Stoffe durch Niederschlag aus der Luft gewaschen oder durch Wind verwirbelt werden, kann man nicht präzis sagen.
Hat ein solches Grossereignis Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung?
Für eine gesunde Person spielt dies in der Regel keine Rolle, weil die erhöhte Feinstaubbelastung nur sehr kurzzeitig und lokal beschränkt ist. Dagegen können die im Rauch enthaltenen kleinen Partikel, wenn sie erst einmal in die Lunge gelangen, bei sehr empfindlichen, alten Menschen, Kleinkindern oder Patienten mit Atemwegserkrankungen negative Effekte haben. Allerdings muss man sagen, dass die chronische Belastung durch Feinstaub in der Stadt eine viel grössere Gefährdung darstellt als zwei solche kurzen Extremwerte an einem Wochenende.
Für Diskussionen sorgte im Vorfeld der Veranstaltung die Patrouille Suisse mit ihren Kampffliegern. Wirkt sich eine solche gigantische Show am Himmel auch auf die Zürcher Luft aus?
Natürlich ist ein Kampfjet nicht umwelt- und klimaverträglich, weil er enorme Mengen an Abgasen produziert. Doch anstatt über Zürich wären sie an diesem Wochenende wahrscheinlich woanders geflogen. Deshalb müsste man sich eher die Grundsatzfrage stellen, ob man es überhaupt will oder nicht. Weil die Tiger F5 ein paar Hundert Meter über Grund fliegen, können wir es hier unten gar nicht messen.
Aufgrund des Züri-Fäscht wurde die Innenstadt an vielen Orten für den Autoverkehr grossflächig gesperrt. War dadurch die Luft zum Teil auch wieder besser als an einem ganz gewöhnlichen Tag?
Das haben wir nicht untersucht. Generell gilt jedoch, dass weniger Autoverkehr auch weniger Emissionen bedeutet.
Dieses Jahr wurde am legendären Züri-Fäscht im Vergleich zu früher mehr geballert. Sollte man aus Ihrer Sicht das riesige Feuerwerk in Zukunft etwas mehr auf Sparflamme fahren?
Es ist ein riesiges Fest, das den Leuten Spass macht. Zumindest den meisten von ihnen. Dennoch sollte man sich Gedanken machen, ob es irgendwo auch Grenzen gibt. Und ob immer alles noch grösser werden soll.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.07.2010, 22:02 Uhr
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17 Kommentare
Das Züri Fäscht ist das Fest der Feste schlechthin. Ich habe diese Tage sehr genossen. Es war einfach nur herrlich in jeder Hinsicht! All die vielen aufgestellten Leute und was geboten wurde, machten unsere Stadt noch schöner. Pulverdampf und Abfall? – Gehören dazu. Wie vermeintlich Nörgelei und Kritik. Antworten
Es ist ungeheuerlich,dass Leute welche uns die 2000 Watt Gesellschaft andrehen (aufzwingen) wollen, solche umweltschädigende Anlässe organisieren. Die Glaubwürdigkeit solcher Personen und Organisationen ist somit gleich null. Es ist wie mit allem Anderen - jeder ist sich selbst der Nächste. Alles ist für sich einzel betrachtet ja nur 1 Anlass - welcher doch so viel Freude bereitet...Bravo..!! Antworten
das eine zu tun und das andere zu lassen : also zürifäscht nur am samstag und sonntag, ohne freitag, ohne feuerwerk, ohne heli und kunstflugstaffel. so spart mensch viel geld und dieses kann vermehrt in "echte" kultur wie big bands, öffentlichem tanzparkett, clowns und umweltverträgliche performance investiert werden. So stelle ich mir ein nächstes fest vor. Antworten
.........Generell gilt jedoch, dass weniger Autoverkehr auch weniger Emissionen bedeutet. Wenn's wenigstens weniger Autoverkehr gewesen wäre. Auf meiner Fahrt am Samstag von Kloten nach Zug hatte ich eher das Gefühl, dass es massiv mehr Verkehr auf den Strassen/Autobahnen hatte, als sonst an Wochenenden. Das Zürifäscht hätte auch ohne Feuerwerk und Flugshow zur Luftverschmutzung beigetragen. Antworten
Beim Lesen von Berichten wie diesen wird mir wieder klar, warum ich vor fünf Jahren nach Spanien gezogen bin: die Lebensfreude! Warum kann man ein solch tolles Feuerwerkspektakel wie jenes des Züri Fäscht nicht einfach geniessen? Es ist ja nicht so, dass jedes Wochenende ein solches Spektakel Hunderttausende entzückt... Also, liebe Zürcher: Es ist Sommer, es ist Lebensfreude angesagt! Antworten
@andreas helbling, wenn man sich nicht aus dem Lindenhof bewegt, sieht man auch nichts anderes. Es sei den dass weder Samba, noch Tango, noch Merenque etc. bei Ihnen als Kultur angesehen wird. Aber im Endeffekt spielt es keine Rolle. Es sieht mehr danach aus als wolle man einfach eine uniforme Kultur/Einwohnerschaft. Prinzipiell wird alles hinterfragt, dem Gefühl wird kein Spielraum gelassen. Antworten
Der zusätzlich Feinstaub, die Lärmbelastung durch Kunstflugstaffel, etc. ist sicher fraglich. Na ja, als NR und regelmässiger ÖV-Fahrer leiste ich meinen persönlichen "Kompensations-Beitrag". Insgesamt war das ZH-Fest aber grandios und ich bin happy dabei gewesen zu sein. Das Sa-Feuerwerk mit der Musik und den Helis war echt eindrücklich! Sehr grosses Kompliment an die Organisatoren! Antworten
Alles ist ein bisschen scheinheilig. Auf der einen Seite die schlechte Umweltsituation wo alle gefordert sind und nochmehr jammern und dann solche Mega Partys wo riesige Abfallberge entstehen und grosse Emissionen verursacht werden. Ja was will man nun? Umweltschutz oder Halli Galli. Antworten
danke für den artikel! ich finde sowohl die zusätzliche feinstaubbelastung als auch die verantwortungslose performance von kunstflugstaffeln über dicht besiedeltem gebiet eine unnötige sache. nebst schlechtem essen für viel geld, war ja wenig kultur dabei, einzig das konzert auf dem lindenhof... worum geht es eigentlich beim züri fäscht? Antworten
Zür-Fäscht wird organisiert mit Riesenaufwand etc. Das Feuerwerk war sehr schön,Patrouille Suisse war beeindruckend. 1 Rieseneinkaufsmeile + Chilbi-Athmosphäre. Und 2 Tage später wird festgestellt, dass die Wabberwolke, die Abgase der Jets, nicht der Hit, der Abfallberg ebensowenig. Hat man doch schon vorher gewusst, oder etwa nicht? Antworten




Rudolf Hauser
Ein Komerz-Massenverblödungsfest, ohne Sinn und Zweck. Die gleichen Besucher/innen Jammern dann Wochentags über die schlechte Luft und voll gestopfte Tram und Busse. Haben über jeden Güggel Mitleid der nicht Artgerecht gehalten wird. Meine Liebes Schwänchen und Entelein, fliegt schnell weg, bald kommt das nächste Fest. Antworten