Mildere Strafe für gewaltbereiten Fussballfan

Das Zürcher Obergericht sprach einen Fussballanhänger vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung frei. Der Mann hat sich an der Fussball-WM 2006 mit einem Zürcher Polizeibeamten geprügelt.

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Die Straftat ereignete sich am 23. Juni 2006, als an der Fussball-WM in Deutschland die Schweiz gegen Südkorea spielte. Vor der Partie, die am Zürcher Bellevue übertragen wurde, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Fussballfans und Polizeikräften.

Zu den gewaltbereiten Fans zählte auch der Angeklagte, der einem Polizeibeamten zwei Schläge in die Brust versetzte. Beide Männer stürzten dann über ein Fahrrad. Dabei verletzte sich der Polizist laut Anklage an Schulter und Unterarm erheblich.

Bezirksgericht: Anklage wegen Tätlichkeiten

Das Bezirksgericht Zürich hatte den 21-jährigen Fussballfan daraufhin wegen Tätlichkeiten und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer bedingten Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu 30 Franken sowie 800 Franken Busse verurteilt.

Zudem hätte der Angeklagte dem verletzten Polizeibeamten eine Genugtuung von 2000 Franken und eine Prozessentschädigung von 3500 Franken entrichten müssen. Hinzu kam die Gerichtsgebühr von 2500 Franken.

Obergericht: Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung

Der Verteidiger des Fans verlangte am Dienstag vor Obergericht einen Freispruch. So sei es gar nicht erwiesen, dass sich der Polizeibeamte die Schulterverletzung beim fraglichen Sturz zugezogen habe, argumentierte der Anwalt. Er ging von Notwehr seines Mandanten aus. So sei dieser zuerst vom Polizeibeamten am Hals gepackt worden.

Das Obergericht folgte der Verteidigung und sprach den Fussballanhänger vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung frei – unter anderem wegen der schwachen Anklageschrift. So war bei der fraglichen Verletzung des Geschädigten in der Anklage mehrfach von vermutlich die Rede.

Basierend auf Vermutungen könne man aber keinen Schuldspruch fällen, hielten die Oberrichter fest. Zudem kam heraus, dass der Polizeibeamte erst zwei Monate nach dem Vorfall einen Arzt aufgesucht hatte. Was übrig blieb, waren die Tätlichkeiten gegen den Polizisten und der Konsum von Marihuana. (tif/sda)

Erstellt: 09.09.2008, 15:08 Uhr

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