Zürich

Missionar und Diktatorenfreund

Aktualisiert am 10.06.2011 17 Kommentare

Reinhard Bonnke predigt am Wochenende im Zürcher Hallenstadion vor Tausenden Gläubigen. Der Missionar ist umstritten: Er verteufelt die Homosexualität und ist mit afrikanischen Diktatoren befreundet.

Er verspricht Millionen von Menschen, sie von ihren Krankheiten zu heilen: Der Missionar Reinhard Bonnke in Lagos, Nigeria.


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«Ich bin beeindruckt von Bonnke, weil er wie ich ein sehr emotionaler Typ ist». Er kenne ihn seit langem und schätze seine einfache und bildhafte Sprache, sagt Leo Bigger, Gründungsmitglied und Senior Pastor bei der Freikirche «International Christian Fellowship» (ICF) die Einladung des Predigers. Die Organisation feiert am Wochenende ihr 15 jähriges Jubiläum und erwartet zwischen 6000 und 8000 Besucher.

Experten beurteilen den Auftritt kritisch. «Es ist problematisch, Reinhard Bonnke eine Plattform zu geben», sagt Susanne Schaaf, Geschäftsleiterin der Fachstelle infoSekta. Der Prediger sei sehr missionarisch. «Er vertritt ein sehr enges Verständnis von christlichem Glauben.»

Zürcher Gottesdienstbesucher bringen 4 Millionen

Georg Otto Schmid, Mitarbeiter von Relinfo, einer Informationsstelle im Auftrag der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, weist zudem darauf hin, dass Bonnke umstrittene Beziehungen zu diktatorischen Machthabern in Afrika pflegte. «Die Einladung von ICF erstaunt mich».

Gratis dürfen die Zuhörer den Worten des Predigers nicht lauschen. Eine Eintrittskarte für Samstag und Sonntag kostet 94 Franken. Die Einnahmen gehen vollumfänglich an ICF. «Wir rechnen aufgrund der Ausgaben mit keinem grossen Gewinn», sagt Leo Bigger.

Bei der Freikirche klingeln aber auch ohne Bonnke die Kassen: Gottesdienstbesucher von ICF spenden freiwillig zehn Prozent ihres Einkommens, den «Zehnten». 3000 Besucher allein in Zürich bringen gemäss Bigger jährlich gegen 4 Millionen Franken ein. Dazu kommen Einnahmen durch CD- oder T-Shirt-Verkäufe und dergleichen.

Eine «Luxus-Freikirche»

Mit dem vielen Geld finanziere ICF aufwändige Multimedia-Shows, erläutert Georg Schmid. Für ihn ist der «Zehnte» problematisch, weil nicht frei wählbar ist, welcher Organisation das Geld zukommt.

Schmid spricht von einer «Luxus-Freikirche», in der die 3000 Besucher in Zürich rund 30 Vollzeitstellen unterhalten. Zum Vergleich: Bei der reformierten Landeskirche kommen auf dieselbe Personenzahl rund drei Vollzeitstellen.

ICF wurde 1996 in Zürich gegründet. Damals besuchten einige hundert Personen die Gottesdienste. Bis 2003 strömten immer mehr Menschen in die Freikirche, führt Schmid aus. Danach kam es zum Rückgang, weil jeder ICF-Angehörige zwölf Personen anwerben sollte. «Dieses System war vielen zu autoritär. Sie verliessen die Gemeinschaft.»

Die Gruppierung dürfte gemäss Schmid in Zürich kaum mehr besonders stark anwachsen. Aus den Landeskirchen wendeten sich nur Einzelne ICF zu. Die Mitgliederzahlen erhöhten sich vor allem durch die Gründung regionaler Gruppen. Schweizweit ist ICF an 17 Orten präsent, wie etwa in Bern, Basel, Chur, Genf und Luzern.

Homosexualität als Sünde

Für Susanne Schaaf von infoSekta ist ICF eine christliche Trendgemeinschaft mit sektenhaften Zügen. Die Freikirche habe zwei Gesichter: Der peppige Auftritt passe sehr gut zum heutigen Lifestyle der Jugendlichen. Innerhalb der Gemeinschaft stiessen die Jungen und Mädchen aber auf sehr enge Wertvorstellungen.

Als Beispiel nennt Schaaf die Homosexualität: «Diese wird als Sünde angeschaut.» Für schwule oder lesbische Jugendliche gebe es bei ICF keinen Platz. Diese Liebe werde als «Wirkungsbereich der Dämonen» bezeichnet, die «geheilt» werden solle.

Wer anders ist, sündigt

Durch die Verinnerlichung von Geisteshaltungen trauten sich die Jugendlichen nicht mehr, gewisse Gedanken zu haben. Weil sie Schuldgefühle plagten, blieben keine mentalen Experimentierräume mehr.

«Sie haben keine Möglichkeit, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln», erklärt die Sektenspezialistin. Dies den jugendlichen Kirchgängern zu erklären, sei oft schwierig. «Sie erkennen nicht, dass die Medaille eine Kehrseite hat.»

(lcv/sda)

Erstellt: 10.06.2011, 16:05 Uhr

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17 Kommentare

maja naef

10.06.2011, 16:13 Uhr
Melden 91 Empfehlung

Einreise verbieten. Es geht nicht an, dass dieser Wirrkopf öffentlich gegen Homosexuelle hetzen darf.
Dachte die Schweiz schützt Minderheiten. Die ICF soll dafür gebüsst werden. Das hat nichts mit Religionsfreiheit zu tun.
Antworten


Markus Müller

10.06.2011, 16:54 Uhr
Melden 63 Empfehlung

"Wirkungsbereich der Dämonen." Wer glaubt noch an so einen Schwachsinn? Mit Verlaub, bei Idiotie geht mir das reliöse Verständnis verloren, insbesondere wenn diese unwissenschaftliche These Homosexuelle angreift und diskriminiert. Antworten



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