Mister Kreuzworträtsel

Vor hundert Jahren erschien das erste Kreuzworträtsel. Der Zürcher René Lehner baut professionell Kreuzworträtsel und ist einer der wenigen Historiker in diesem Fach.

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René Lehner war schon immer begeistert von Rätseln. Vor knapp 15 Jahren kaufte er sich die erste Kreuzworträtsel-Software, mit der er eigene Rätsel zu bauen begann. «Der mitgelieferte Wortschatz war lächerlich klein.» Die Resultate, die das Programm lieferte, waren aber sehr ansprechend. Vor allem die Tatsache, dass er die Zeitvertreib-Software um Wörter und Definitionen ergänzen konnte, machte sie für Lehner über den Hausgebrauch hinaus interessant. «Damals kamen 99,5 Prozent aller Schweizer Zeitschriftenrätsel aus Deutschland.» Fragen wie «Kfz-Kennzeichen von Bad Neustadt an der Saale», «Stadt im Erzgebirge» oder «fränk. Hausflur» interessierten die Schweizer aber nicht.

Seit 1999 setzt René Lehner mit seiner Firma Rätselfactory und einem Team ganz auf Rätsel: «Wir hatten eine Nische gefunden und wurden vielerorts mit offenen Armen empfangen.» Schon bald nachdem die hiesigen Zeitungen und Zeitschriften mit Schweizer Rätseln versorgt waren, begannen er und seine Leute mit einem eigenen Magazin – dem «Schweizer Rätsel Plausch» –, das an Kiosken guten Absatz fand. Heute publiziert die Rätselfactory sieben Titel. Auch im österreichischen Markt ist Lehner aktiv, beliefert Zeitungen sowie Magazine. Sieben verschiedene Rätselhefte liegen in den Trafiken auf.

Wer mit Bleistift schreibt, ist feige

Allein in deutschsprachigen Ländern wird die Zahl der Rätsellöser auf 42 Millionen geschätzt, die sich nur gelegentlich an die Kästchen wagen. Dazu kommen zwölf Millionen Stammspieler. Sie sind der harte Kern und lösen Kreuzworträtsel nur mit dem Kugelschreiber. «Lösungswörter mit Bleistift einzutragen, gilt unter Profis als feige», sagt Lehner.

Er betätigt sich in Sachen Rätsel nicht nur als Erfinder, sondern auch als Forscher – als Rätselhistoriker. «Kreuzworträtsel sind immer ein Spiegel ihrer Zeit. Sprache, Wortwahl und Art der Fragen zeigen, was die Menschen jeweils wissen und was sie interessiert. Eine Rätselfrage, die wir heute leicht beantworten können, war vielleicht vor Jahrzehnten nur schwer zu lösen oder umgekehrt.»

«Sinnlose, läppische Sache»

Das erste Kreuzworträtsel erschien vor hundert Jahren am 21. Dezember 1913 in der einstigen amerikanischen Zeitung «New York World». Der Journalist Arthur Wynne hat es erfunden. Er leitete beim New Yorker Blatt das Ressort «tricks and jokes». Sein Chef hatte den Einwanderer aus dem englischen Liverpool beauftragt, sich einen Beitrag auszudenken, mit welchem sich die Leser der Weihnachtsbeilage die Zeit vertreiben könnten.

Das neue Rätsel war auf Anhieb ein Erfolg, und immer mehr Zeitungen taten es der «New York World» gleich. Im November 1924 schaffte es das Kreuzworträtsel nach Europa und erschien zuerst in einem britischen Blatt. Die ehrwürdige «Times» warnte damals vor dem neuen Leserspass und schrieb über die «crossword mania» jenseits des Atlantiks: «Fünf Millionen Stunden gehen dem amerikanischen Volk täglich verloren für eine sinnlose, läppische Sache.»

Tagi-Magi ist unerreicht

Aber alles Wettern nützte nichts. 1925 hatte auch die Schweiz ihr erstes Kreuzworträtsel in der «Schweizer Illustrierten Zeitung». Der Rätselschreiber des Unterhaltungsmagazins scheine das Rätsel geradezu neu erfunden zu haben. Laut Lehner ist es optisch nicht mit jenen aus dem Ausland zu vergleichen. 1930 musste selbst die «Times» nachgeben und druckte zuerst verschämt im Innenteil, dann im Grossformat auf der Rückseite regelmässig ein Rätsel ab.

In seiner Freizeit durchsucht René Lehner Flohmärkte, Antiquariate, aber auch Zeitungsarchive nach wertvollen Rätseln. «Es können schöne Illustrationen, ungewöhnliche Anordnungen oder spezielle Fragen sein, die ein Rätsel historisch interessant machen.» Derzeit durchsucht er deshalb das Archiv des «Tages-Anzeigers» in der Zentralbibliothek.

Für Lehner steht fest: Die «Weltwoche» und die «Neue Zürcher Zeitung» publizieren gegenwärtig sehr gute Querdenker-Rätsel. Ein grosses Kompliment macht er aber auch der Rätselautorin Trudy Müller-Bosshard: «Das Rätsel im ‹Magazin› des ‹Tages-Anzeigers› ist seit Jahren unerreicht.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 22.03.2013, 11:31 Uhr)

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