Mister Velo will ins Amtshaus
Von Jürg Rohrer. Aktualisiert am 12.02.2010 1 Kommentar
Daniel Leupi: Meist freundlich, aber nicht bei Parkplätzen. (Bild: Doris Fanconi)
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Daniel Leupi ist die verkörperte Veloförderung; und falls jemals in Zürich ein Velo menschliche Gestalt annimmt, wird es wie Leupi aussehen. Er ist Mitinhaber des Velobüros Olten, Projektleiter Schweiz Mobil/Veloland Schweiz, Geschäftsführer von Slow-up, den autofreien Erlebnistagen, und er war über zehn Jahre lang Präsident von Pro Velo Zürich.
Leupis erster Vorstoss als frisch gewählter Gemeinderat im Jahr 2002 verlangte sichere Velorouten rund um den Hauptbahnhof. Die gibts allerdings immer noch nicht. Seither sind etwa 60 weitere Vorstösse hinzugekommen mit Schwergewicht Umwelt und Verkehrsberuhigung – wie man es von einem klassischen Grünen erwartet. Von 2006 bis 2009 war er Präsident der Gemeinderatsfraktion.
Daniel Leupi stammt aus dem Luzernischen, er studierte Wirtschaftswissenschaften in Bern, lebt seit 1995 in Zürich, wohnt in Wollishofen, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Politisiert wurde er durch das Waldsterben und die Atomdebatte. Den Grünen trat er bei, weil sie ihm mehr individuelle Freiheit zu bieten schienen als die SP. Warum will er diese Freiheit jetzt aufgeben und sich ins Amtskorsett eines Stadtrates zwängen?
Er will Parkplätze abbauen
Zürich sei zwar eine Stadt mit hoher Lebensqualität, sagt Leupi, aber für die Nachhaltigkeit gebe es noch viel zu tun, vor allem beim Verkehr. Anders als der rot-grüne Stadtrat will er die Zahl der Kundenparkplätze in der Innenstadt um 20 Prozent abbauen, sobald 2013 die SBB-Durchmesserlinie eröffnet wird. Auch in Sachen Veloförderung sieht Leupi beim Stadtrat Defizite: Das Bemühen sei vorhanden, aber die Knacknüsse wie Bahnhofplatz oder Rämistrasse würden nicht beherzt angegangen. Entschiedener müsste der Stadtrat zudem den gemeinnützigen Wohnungsbau fördern.
Für Leupi selbstverständlich sind autoarmes Wohnen und der Rückbau von Strassen. Was ebenso selbstverständlich die Bürgerlichen auf die Palme bringt. Fürchtet er keinen Rechtsrutsch, falls die Stadt ihre Verkehrspolitik à la Aeschbacher verschärft? Nein, Leupi verweist auf die letzten Verkehrsabstimmungen, die alle die städtische Politik gestützt haben. Die Empörung stamme meist von Autofreunden, die nicht in der Stadt wohnen. Im Wahlkampf streicht Leupi neben den grünen Standards seine Kompromissbereitschaft heraus und – als gelernter Wirtschaftswissenschafter – sein Herz für die kleinen und mittleren Betriebe, was er mit seiner Mitgliedschaft in der KMU-Gruppe des Gemeinderates unterstreicht.
Richard Späh, der Leiter der parlamentarischen KMU-Gruppe und Präsident des Gewerbeverbandes, bezeichnet die Zusammenarbeit mit Leupi als angenehm. Leupi habe Verständnis für gewerbliche Anliegen, mehr als andere Grüne, allerdings nicht, wenn es um Verkehr und Parkplätze gehe. Dann halte er sich wenigstens angenehm zurück, wie das in der KMU-Gruppe die Regel sei. Michael Baumer, der Fraktionspräsident der FDP, bestätigt Leupis Kompromissbereitschaft – aber nur solange es nicht ums Velo und um Parkplätze gehe. Leupi blende völlig aus, wie wichtig Parkplätze fürs Gewerbe seien. Was Leupi verneint und auf seine Forderung nach Gewerbezonen mit niederen Mieten verweist. Welches sein Lieblingsdepartement wäre, sollte er am 7. März den zweiten grünen Sitz im Stadtrat schaffen, verrät Daniel Leupi nicht. Das Tiefbauamt mit der Velofachstelle bekommt er nicht: Das will Ruth Genner behalten.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.02.2010, 21:06 Uhr


































