Mit Amoklauf wie in Zug gedroht

Ein 38-jähriger Franzose hat gegenüber dem Betreibungsamt mit dem Schlimmsten gedroht. Dass er es so gar nicht meinte, schützte ihn vor Strafe nicht.

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Es ging um den Weinvorrat des Franzosen. Auch dieser war vom zuständigen Betreibungsamt in der Stadt Zürich gepfändet worden. Dabei hatte man dem Mann zuvor offenbar noch gesagt, er müsse sich um seinen Weinvorrat keine Sorgen machen. Dass das Amt seiner Ansicht nach illegal oder willkürlich handelte, war das eine. Aber dass man ihm, dem Weinhändler, den Weinvorrat wegnahm, kam einer Art Berufsverbot gleich. Seither ist er arbeitslos und nach eigenen Worten «zum Sozialfall geworden».

Äusserst aufgebracht griff er am 27. September 2006 zum Telefon. Er wolle, dass jemand anderer für ihn zuständig sei. Mit der bisherigen Person könne man einfach nicht zusammenarbeiten. Was er dann auch noch sagte, ist umstritten. Gemäss der am gleichen Tag erstellten Aktennotiz soll er gesagt haben, er wolle eine andere Beamtin, sonst passiere so etwas wie in Zug. Damit spielte er auf den Amoklauf von Friedrich Leibacher an, der am 28. September 2001 im Zuger Kantonsparlament 14 Menschen erschossen hatte.

Wer Zug erwähnt, «löst Ängste aus»

Nein, wehrte sich der 38-Jährige gestern Montag vor dem Obergericht. Das sei ein Missverständnis gewesen, für das er sich entschuldigt habe. Er habe gesagt: Wenn man so mit Menschen umgehe, wie die Pfändungsbeamtin mit ihm, müsse man sich nicht wundern, dass jemand die Geduld verliere und Fälle wie in Zug passierten. Er habe das nur allgemein gemeint und nicht auf sich bezogen. «Ich hatte nur gute Absichten.» Der Hinweis auf Zug sei sehr spontan gewesen, weil gerade an diesem Tag die Medien an den fünften Jahrestag des Zuger Amoklaufs erinnert hätten.

Das Obergericht glaubte dem Franzosen ohne weiteres, dass er nicht daran dachte, zur Waffe zu greifen. Gleichzeitig sah das Gericht aber keinen Grund, warum die Frau, welche die Aktennotiz erstellt hatte, den 38-Jährigen zu Unrecht belasten sollte, war sie doch für ihn damals gar nicht zuständig. Es verurteilte den Mann daher wegen versuchter Gewalt und Drohung gegen Beamte zu einer bedingten Geldstrafe von zehn Tagessätzen à 30 Franken.

Aber selbst wenn die Richter von der Darstellung des Angeklagten ausgegangen wären, wonach er nur in ganz allgemeiner Art auf den Zuger Fall hingewiesen hätte, wäre er verurteilt worden. «Zug war mehr als schrecklich», sagte der Gerichtsvorsitzende Peter Marti. «Wer darauf Bezug nimmt, löst Ängste aus.» Mit der milden Strafe trug das Obergericht dem Umstand Rechnung, dass der Mann zum Zeitpunkt der Tat psychisch stark angespannt und verzweifelt war. Zudem sei die Drohung nicht geplant, sondern eine eigentliche Kurzschlusshandlung gewesen. Auch habe er sich mehrmals für sein Verhalten entschuldigt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.08.2008, 08:49 Uhr

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