Zürich

Mit Schleim gegen Schnee und Eis

Von Nicola Brusa. Aktualisiert am 18.12.2010 2 Kommentare

Bevor die Flieger am Flughafen Zürich abheben können, müssen sie von Schnee und Eis befreit werden. Die Enteiser arbeiteten gestern im Akkord – dennoch mussten Flüge annulliert werden.

Video: Jan Derrer

Für eine Zeit lang orangefarbig: Die Swiss-Flieger Pfannenstiel (vorne) und Bachtel (hinten) werden schneefrei. (Bild: Daniel Kellenberger)

Wenn das Frostschutzmittel ausgeht

In einem ordentlichen Winter – so einer scheint der Winter 2010/11 zu sein – verbraucht der Flughafen Zürich 1,5 bis 2 Millionen Liter Enteisungs- und Frostschutzmittel. Das Schweizer Chemieunternehmen Clariant ist einer der wenigen Hersteller in Europa. Derzeit produziert das Clariant-Werk in Bayern an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr.

Der heftige Wintereinbruch führte in Deutschland vergangene Woche zu Engpässen bei den Enteisungsmitteln. Auf dem Berliner Flughafen Schönefeld musste der Flugbetrieb zeitweise eingestellt werden: Ein Tankfahrzeug mit Nachschub steckte im Stau – auf dem Flughafen konnten die Flieger nicht mehr enteist werden.

Das Enteisungsmittel ist ein Gemisch aus Wasser und Glykol (Alkohol), versetzt mit verschiedenen Zusatzstoffen. Zum Beispiel wird Verdickungsmittel beigemischt, damit der Frostschutz besser an den Flugzeugen haftet. Je nach Luftfeuchtigkeit und Niederschlag variiert die Zusammensetzung der Flüssigkeit.

Die modernen Produkte sind gut biologisch abbaubar. In Zürich hat der Flughafen zusammen mit dem Awel ein Verfahren entwickelt, bei dem ein Grossteil der Enteiserabwasser in einem bakteriellen Prozess abgebaut werden. Seit diesem Jahr setzt Swissport am Flughafen Zürich neue Sprühdüsen ein. Dadurch können rund 20 Prozent Enteisungsmittel eingespart werden.

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Auf der Bachtel liegt Schnee, auf der Bern nebenan ebenso. Als Swiss-Maschinen sind sie einzig an der Heckflosse auszumachen. Der Schriftzug auf dem Rumpf liegt unter einer ordentlichen Schicht Schnee. Das Flugfeld am Flughafen Zürich ist gestern Freitagmorgen ein Schneefeld, durch das Räumfahrzeuge schwarze Schneisen gepflügt haben. Eine Piste nach der anderen, 14, 16, 28 und wieder von vorn, die ganze Nacht hindurch. Dafür verläuft der Verkehr ruhig und geordnet – um 9 Uhr heben die Flieger im Schnitt mit einer halben Stunde Verspätung ab. Kaum der Rede wert, bei diesen Wetterverhältnissen.

Nach dem Mittag macht der Schnee dem Flughafen mehr zu schaffen. Die Verspätungen steigen auf zwei bis drei Stunden an, bis zum Abend werden mehr als 150 Flüge annulliert.

Rote Sauce, grüner Glibber

Bevor die Bachtel abheben kann, muss der Airbus enteist werden. Das dauert zehn Minuten, braucht eine Menge Wasser, 300 Liter Enteiser, kostet die Fluggesellschaft rund 2000 Franken – und bietet ein grosses Spektakel.

Gleich neben der Piste 28 tanzen die Enteiser, Elefanten genannt. Immer synchron, einer links, einer rechts vom Flugzeug. Um eine A380 flugtauglich zu machen, arbeiten vier Elefanten gleichzeitig – mindestens. An ihren neun Meter langen Rüsseln tragen sie knallorange Fühler, starke Scheinwerfer beleuchten die Flugzeuge. Sie waschen mit Hochdruck, 80 Grad heissem Wasser und einer Menge Chemikalien den Schnee von den Flugzeugen.

Drei Maschinen gleichzeitig enteisen

Orange Sauce läuft über die Kabinenfenster und tropft vom Rumpf. Wasser stiebt, Flugzeuge und Enteiser verschwinden immer wieder in dicken Dampfwolken. In einem zweiten Arbeitsgang tragen die Elefanten Anti-Ice auf, zäher, giftgrüner Glibber, der das erneute Einfrieren verhindert. Vor allem die heiklen Stellen, Tragflächen, Leitwerke und Stabilisatoren, werden damit überzogen – das alles bei laufenden Triebwerken.

Am Flughafen Zürich wird an zwei sogenannten De-Icing-Pads enteist. Auf beiden können jeweils drei Maschinen gleichzeitig enteist werden. Die Elefanten arbeiten im Akkord, 10'000 Liter Wasser und Frostschutz fassen ihre Tanks, je nach Wetterbedingungen sprühen sie die Maschinen mit anderen Mischungen ein.

Unverdünnt hält länger

«Grüezi», melden sich die Swiss-Piloten beim De-Icing-Pad-Coordinator, der in einem schäbigen Bürocontainer vor drei Bildschirmen und einem kleinen gelben Funkgerät sitzt und die Jumbolinos, Airbusse und Elefanten dirigiert. Auf Englisch und im Eilzugstempo wird den Kapitänen das Prozedere auf einer eigenen Funkfrequenz durchgegeben: mit welchem Gemisch, in wie vielen Durchgängen der Flieger behandelt wird. Daraus kann die Besatzung errechnen, wie lange ihr Flieger geschützt ist. Lange: Am Flughafen Zürich wird der giftgrüne Schleim unverdünnt aufgetragen. Vor dem Abflug eine halbe Stunde im Schneegestöber zu stehen, ist kein Problem.

Dann wünscht der Coordinator einen guten Flug, «Ihnen auch», quittiert das Cockpit. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.12.2010, 23:31 Uhr

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2 Kommentare

Walter Hasler

18.12.2010, 10:22 Uhr
Melden

Könnt ihr nicht mal ein bisschen von Eurer Erfahrung und dem grünen und orangen Zeugs Heathrow und Gatwick,,,ehm...allen UK Flughäfen zur Verfügung stellen.? Hier kommt heute Morgen alles zum Erliegen.... Antworten


Hans Zimmer

18.12.2010, 22:21 Uhr
Melden

und das ganze Zeug fliesst dann ins Ökosystem rund um den Flughafen. Antworten



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