Mit neuen Baumscheiben soll internationales Flair einziehen
Von Jürg Rohrer. Aktualisiert am 09.01.2012 51 Kommentare
Stand heute: Baumschutz mit Steinen... (Bild: Sophie Stieger)
...Wurzelschutz mit Eisen...
...oder mit Holz und Unkraut.
Der Zürichberg ist von geringer Bedeutung
Wo es wenig Passanten hat, kommen Standardbänke oder Standardlampen zum Einsatz. Deshalb sind aus gestalterischer Sicht Zürichberg und Schwamendingen gleichrangig – was in Schwamendingen Genugtuung auslösen dürfte. «Stadträume 2010» heisst die Strategie zur Gestaltung der Stadt Zürich, die vom Stadtrat abgesegnet und für alle Ämter verbindlich ist. Ihr Ziel: den öffentlichen Raum zu entschlacken, ihm eine klare, zusammenhängende Form zu geben und ihn gleichzeitig nach Hierarchiestufen zu unterscheiden. Arbeitsinstrumente sind zum einen der Bedeutungsplan, zum andern der Elementenkatalog. Beide sind einsehbar im Internet: www.stadt-zuerich.ch/stadträume 2010.
Der Bedeutungsplan zeigt auf einem Stadtplan die wichtigsten Räume für das öffentliche Leben aus Sicht Fussgänger. Vier Bedeutungsstufen werden unterschieden: landesweit/international, stadtweit/regional, quartierweit und nachbarschaftlich. Angesichts der Passantenströme sind von nationaler/internationaler Bedeutung: die Seeufer, Bellevue, Limmatquai, Heimplatz, Lindenhof, Limmatbrücken, Bahnhofstrasse, Bahnhofplatz, Platzspitz sowie das Zentrum Oerlikon und Messe/Hallenstadion. Von stadtweiter/regionaler Bedeutung sind unter anderem: Allmend Brunau, Rieter-/Bellevoirpark, Zoo, Hochschulen, grössere Plätze in den Aussenquartieren oder die grossen Verkehrsachsen.
Der Elementenkatalog zeigt 180 Standardelemente, die im öffentlichen Raum eingesetzt werden dürfen: Bänke, Signalträger, Lampen, Randsteine, Hecken (geschnitten oder wild), Abfallkübel, Plakatträger, Baumrabatten, Wartehäuschen, Abspannmasten (dick oder dünn), Schaltkästen, Geländer, Pfosten. In den Wohngebieten mit quartierweiter Bedeutung dürfen nur Standardobjekte zum Einsatz kommen, ausgesucht von den Fachleuten der Stadtverwaltung. An Orten von regionaler oder gar nationaler/internationaler Bedeutung dürfen externe Fachleute beauftragt und Spezialanfertigungen gemacht werden. Beispiel dafür sind die anthrazitfarbenen Bänke am Limmatquai oder eben die neuen Baumrabatten an der Bahnhofstrasse. Auch Wettbewerbe kommen an so wichtigen Orten infrage wie für den Sechseläutenplatz oder die PestalozziAnlage.
Kein Altglas am Bellevue
Die Richtlinien, die Bedeutungsplan und Elementenkatalog vorgeben, schliessen unter anderem aus, dass an der Bahnhofstrasse oder vor dem Hallenstadion eine Glassammelstelle installiert wird oder eine frei stehende Trafostation. Umgekehrt erhält der Zürichberg nie einen Unterflurcontainer wie in der Altstadt, nie die elegante Baumabdeckung aus Gusseisen, wie sie neu in Reihe vor der ETH zu sehen ist, oder nie eine nostalgische Altstadtleuchte. Salzkisten und Altölcontainer sind dafür am Zürichberg ausdrücklich erlaubt.
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«Raketenabschussrampe, völlig indiskutabel!» Ulrich Peters, Filialleiter von IWC Uhren und Zett Meyer an der Bahnhofstrasse 37, sieht zwar ein, dass die Bahnhofstrasse saniert werden muss, doch nicht so. Die neue Baumscheibe und der Stammschutz sind ihm viel zu gross. Für die Bahnhofstrasse müsste doch ein Künstler beigezogen werden, Calatrava zum Beispiel, damit das Mobiliar wertvoll aussehe.
Ulrich Peters hat überdies verärgert, dass ihm die Stadt ungefragt eine Baustelle für zwei Monate vor die Schaufenster setzte wegen der neuen Elemente. Das Geschäft sei kaum mehr sichtbar gewesen, und zusammen mit dem Dreck habe dies massive Umsatzeinbussen bewirkt – «massive!».
Grossbaustelle im Jahr 2014
Umsatzeinbussen drohen bald der ganzen Bahnhofstrasse, will doch die Stadt ab Ende 2013 bis 2014 die Tramgleise ersetzen und die Haltestellen behindertengerecht ausbauen. Diese Gelegenheit soll benützt werden, um der Bahnhofstrasse mit neuen, einheitlichen Gestaltungselementen ein Erscheinungsbild zu geben, «wie es einem Strassenraum von internationaler Ausstrahlung zukommt». So steht es auf der Orientierungstafel, wo die neuen Elemente einem Praxistest unterzogen werden.
Heute macht die Bahnhofstrasse tatsächlich keine «Gattig» mehr. Vier Arten Baumscheiben kommen vor: Kies, Pflastersteine, Pflastersteine mit Eisenring und Erde. Letztere sehen mit ihrer Holzabschrankung aus, als ob auf der Bahnhofstrasse das urbane Gärtnern gepflegt oder eine neue Anbauschlacht vorbereitet würde. Künftig soll es nur noch eine Baumscheibe geben, die wie eine «Perlenkette» durch die ganze Strasse zieht. Sie wurde in Zusammenarbeit mit Huggenbergerfries Architekten und Thomas Hagenbucher AG entwickelt und muss mehrere Vorgaben erfüllen: Druck von zehn Tonnen aushalten (Lastwagen), rutschfest und trotz durchbrochener Struktur sichtbar sein. Wegen der Sichtbarkeit werden auf dem Prototyp auch Beige- und Weisstöne getestet. Doch die endgültige Scheibe wird einfarbig sein.
Nach Auskunft von Stefan Hackh, dem Sprecher des Tiefbauamtes, hat sich die Beschichtung der Baumscheibe beim Einsatz der Reinigungsfahrzeuge als zu wenig beständig erwiesen. Ende Februar wird deshalb ein neues Modell mit Rillen getestet. Reaktionen aus der Bevölkerung hat das Tiefbauamt bis jetzt keine erhalten.
«Klar, elegant, einfach»
Bewährt hat sich die Schlitzrinne für die Entwässerung. Heute fliesst das Regenwasser über zwei flache, gepflästerte Rinnen neben den Tramgleisen ab. Künftig soll es nur noch einen kleinen Schlitz neben einem Tramgleis geben, wodurch der Asphaltbelag auf der ganzen Breite der Bahnhofstrasse eine einheitliche Fläche bildet. Die neue Lampe wiederum leuchtet bis jetzt zu schwach, was sich jedoch leicht beheben lässt. Auch sie wurde von den Huggenbergerfries Architekten gestaltet – in der «klaren, eleganten und aus der Funktion abgeleiteten Formensprache», welche die Stadt von ihren Möbeln verlangt (siehe Text rechts). 50'000 Franken kostet der ganze Test. Was der Umbau der Bahnhofstrasse kostet, ist noch offen.
Markus Hünig, Geschäftsleiter der Vereinigung Bahnhofstrasse, hat persönlich kein Problem mit den neuen Gestaltungselementen. Dass sich eine Lösung bei den Baumrabatten abzeichnet, findet er gut. Positiv sei auch, dass die neuen Leuchten weniger gegen oben strahlen, was ein Vorteil für die Weihnachtsbeleuchtung sei. Die Geschäftsvereinigung wurde von der Stadt allerdings nie um ihre Meinung gefragt. Hünig will das Thema an der morgigen Vorstandssitzung ansprechen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.01.2012, 06:44 Uhr
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51 Kommentare
der wurzelschutz mit eisen hat einen grossen nachteil. beim genauen hinsehen zeigen sich dort dutzende von zigarettenstummeln die sich mit der zeit ansammeln. Nikotin ist für pflanzen giftig und hemmt deren wachstum, die bäume sind und bleiben mager, siehe auch löwenstrasse/ob. bh-strasse. eine offene baumscheibe erleichtert die entfernung und das sollte berücksichtigt werden beim neuen design. Antworten

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