Models ohne Starallüren

30 Kinder und Teenager mit Trisomie 21 haben am Sonntag im Kaufleuten Frühlingskleider präsentiert.

Julia Wyss wird frisiert, bereitet sich auf ihren grossen Auftritt vor und jubiliert auf der Bühne neben Melanie Winiger.

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Bild: Dominique Meienberg

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Es sind die Details, die verraten, dass eine etwas andere Modeschau vorbereitet wird: Die Models schlemmen beim Warten Schokoladekuchen, Nussweggen und Spitzbuben. Die Mütter der Models bügeln deren Kleidchen, Blusen und Hosen. Einige bereits geschminkte Models tanzen in der Garderobe ausgelassen zu Michael Jackson und Abba, schwitzen und wischen sich mit dem Schweiss auch die Schminke vom Gesicht. Die 30 Kinder und Teenager mit Trisomie 21 sind aus der ganzen Schweiz angereist, um auf dem Catwalk im Kaufleuten Frühlingsmode zu präsentieren.

Julia Wyss aus Herrliberg sitzt mit Lockenwicklern da und lässt sich von einer Stylistin die Haare fixieren. Ein bisschen nervös sei sie schon. «Ich werde zum ersten Mal auf der Bühne sein und freue mich auf alles: die Kleider, die Musik, die Bewegung.» Etwas Erfahrung im Rampenlicht hat die 15-Jährige bereits: Auf der Lenzerheide habe sie an den Special Olympics eine Eiskunstlauf-Kür gezeigt, an der Firmung mit dem Mikrofon vor der vollen Kirche gesprochen. Laut der Mutter nutzt Julia jedes Familienfest für Tanz- und Gesangseinlagen. «Dass die Modeschau nicht in einem Gemeindehaus in Hintertuggen stattfindet, sondern an einem so würdigen Ort, ist wunderbar. Das bedeutet Integration», sagt sie, während Julia mit der Stylistin plaudert. Als die Mutter ihr zuruft, «ich gehe schon mal runter in den Saal», winkt Julia cool zurück, flüstert «Mütter!» und verdreht die Augen.

Den Models ist es pudelwohl

Der Kaufleutensaal ist ausverkauft und rappelvoll. DJ Luca Papini legt Disco-Klassiker auf, und viele der Gäste wippen freudig mit. Ex-Mister-Schweiz Tim Wieland eröffnet die Show mit dem Motto «Das Leben ist bunt!» mit zwei der Models. Eine düst nach ihren Grussworten spontan den Catwalk herunter und posiert schelmisch. Dann gehts richtig los. Zum Song «Maneater» defilieren drei junge Frauen in Locken wie aus der Shampoo-Werbung und farbigen Kleidchen über den Laufsteg. Vorne bleiben sie stehen, drücken die Hüfte raus, werfen den Kopf in Pose. Das Publikum tobt – sie lachen laut und klatschen mit.

Zwei Jungs mit Justin-Timberlake-Hüten schlendern rhythmisch im Gangsta-Gang den Laufsteg hinunter. Nach einer kurzen Hiphop-Einlage bücken sie sich für Handschläge zum Publikum. Mädchen im Hippie-Look wirbeln ihre Halstücher zum Takt der Musik. Einem gefällt der Applaus der Menge so gut, dass es einfach vorne bleibt, tänzelt und die Arme in Siegespose in die Luft wirft. Die Organisatorin Karina Berger defiliert schliesslich zu ihr, nimmt sie an der Hand und wirbelt mit ihr von der Bühne. Ein Junge in tiefgelegenen Shorts und Dächlikappe hat einige Schritte einstudiert, die Tim Wieland nicht ohne Weiteres kopieren kann. Zurück beim roten Vorhang bittet der Junge um das Mikrofon des Moderators und ruft: «Ich will ins Final!»

90 freiwillige Helfer

Die Modeschau haben die drei Organisationen insieme21, Art21 und insieme Zürich anlässlich des 5. Welt-Down-Syndrom-Tags am 21. März organisiert. 90 freiwillige Helfer haben die Models geschminkt, frisiert, verpflegt und gecoacht. Jelmoli hat die Kleider zur Verfügung gestellt und sie den Kindern und Jugendlichen zum Abschied geschenkt.

Julia Wyss trägt ein graurosa Kleidchen zu türkis Strumpfhosen und einen blumigen Haarreif. Hand in Hand mit Melanie Winiger geht sie geschmeidig wie eine Raubkatze den Laufsteg entlang, schaut cool in die Menge, posiert, lacht und wirft die Hände in die Luft. Die Menge klatscht, ihre Mutter lächelt.

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Erstellt: 22.03.2010, 04:00 Uhr

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