Mord in Höngg: Polizei reagiert auf Vorwürfe des Freundes
Von Maria Rodriguez. Aktualisiert am 17.05.2010
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Es sind schwere Vorwürfe, die der Freund der von ihrem Vater in Höngg ermordeten 16-jährigen Swera an die Behörden richtet. Als Swera am vergangenen Montag beim Stehlen einer Schachtel Zigaretten erwischt wurde, hätte die Polizei die Eltern informiert, und nicht ihren Beistand, wie es Swera gewünscht hatte. Dies sagt der 18-jährige Freund Louis, bei dem Swera vor ihrem Tod wochenlang gewohnt hatte gegenüber der Zeitung «Blick».
Polizei weist Vorwürfe zurück
Die Stadtpolizei Zürich sieht dies anders. Wenn eine minderjährige Person Diebstahl begehe, informiere man immer die Eltern oder den Vormund, erklärt Medienchef Marco Cortesi: «Hätte uns das Mädchen in diesem Moment aber gesagt, sie hätte Angst vor ihrem Vater, hätte die Geschichte sicher einen anderen Lauf genommen. Wir hätten vermutlich darauf verzichtet, die Eltern zu informieren. Doch sie hatte nichts dagegen, ihre Eltern und den Familienberater zu kontaktieren. Sie würde am nächsten Tag sowieso fremd platziert.»
Als die Eltern sie auf der Wache abholten, kam es gemäss Cortesi zu einer rührenden Szene: Vater und Tochter umarmten sich, die Mutter brach in Tränen aus. Damit hätte es für den Polizisten keinen Handlungsbedarf gegeben.
Swera erschien nie auf Polizeiposten
Warum der Vater nur zweieinhalb Stunden später die Tochter mit einer Axt erschlug, bleibt Gegenstand der Ermittlungen. In die Akten des Sozialamts habe die Polizei keine Einsicht. Das gelte im umgekehrten Fall auch. Die in Höngg wohnhafte Familie aus Pakistan war der Polizei lange Zeit unbekannt. Als Swera von zu Hause wegging, und zu ihrem Freund zog, meldete ihr Vater sie als vermisst.
Nach wenigen Stunden machte die Polizei die Ausreisserin telefonisch ausfindig. Erst nach mehreren Meldungen auf der Combox, meldete sich das Mädchen: «Nachdem sie am Telefon sagte, sie habe Angst vor ihrem Vater, weil er sie auch schon geschlagen habe, wurde sie für eine schriftliche Befragung auf die Polizeiwache eingeladen. Dort ist sie aber nie erschienen. Eine telefonische Aussage reicht nicht aus, um rechtliche Schritte einzuleiten», so Cortesi weiter.
Beamter verhielt sich «mehr als korrekt»
Auch den Vorwurf des Freundes, die Polizei habe Swera die Option, sich ins Schlupfhuus zurückzuziehen, gar nie angeboten, weist Cortesi zurück: «Der Polizeibeamte hat sich bei der Vermisstenanzeige mehr als korrekt verhalten. Er hat dem Mädchen nicht nur die Nummer für das Schlupfhuus in Wetzikon gegeben, weil in Zürich umgebaut wurde. Er hat sie auch eingeladen, für ein Gespräch vorbeizukommen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.05.2010, 11:00 Uhr





