Nackter Freier verfolgte nackte Prostituierte über einen Parkplatz

Weil sich eine Prostituierte und ihr Freier nicht einig wurden, kam es auf einem Parkplatz an der Limmat zu wüsten Szenen. Nun trafen sich die beiden vor dem Bezirksgericht wieder.

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Klar ist in diesem Fall nur eins: Ein nackter Freier jagte eine ebenfalls nackte Prostituierte über den Parkplatz an der Wasserwerkstrasse 98. Es geschah am 11. Juni 2006. Kurz vor Mitternacht hat der damals 28-jährige Schweizer die 20 Jahre ältere Prostituierte am Sihlquai angesprochen. Sie vereinbarten Oralsex und Geschlechtsverkehr für 80 Franken und fuhren im Auto des Angeklagten auf besagten Parkplatz.

Dann begann für die Prostituierte der Horror. So steht es zumindest in der Anklageschrift. Vor Gericht wollte die zierliche, 1,50 Meter grosse Italienerin, die auch als Putzfrau arbeitet, nichts mehr sagen. Nach kurzem, geschütztem Oralsex und dreiminütigem Geschlechtsverkehr habe der Freier die Hälfte des Geldes zurückverlangt, weil er mit dem «Service» nicht zufrieden gewesen sei. Als sie sich weigerte, habe sie der Mann brutal in den Schwitzkasten genommen. Sie habe sich losreissen können und sei aus dem Auto geflüchtet, zuvor habe sie lediglich ihren Büstenhalter anziehen können. Der nackte Freier sei ihr nachgerannt, habe sie gepackt und erneut gewürgt. Todesangst habe sie ausgestanden. Der Mann habe sie zurück ins Auto gezerrt, wo sie ihm die 80'Franken aushändigen musste. Als sich der Freier beruhigt hatte, habe sie ihn mit Pfefferspray besprüht, sei geflüchtet und habe die Polizei angerufen.

«Fast nichts passiert»

Alles gelogen, sagte der Angeklagte. Es sei gar nie zum Geschlechtsverkehr gekommen. Die Frau habe ihn zweimal mit Desinfektionsmittel eingeschmiert. Da sei bei ihm nichts mehr gegangen. «Diese Spitalstimmung hat mir voll abgelöscht, sorry». Deshalb habe er «die Übung abgebrochen» und 40 Franken zurückverlangt. Schliesslich sei ja fast nichts passiert. Die Frau sei dann unvermittelt mit ihrem Portemonnaie aus dem Auto geflüchtet. Er sei ihr gefolgt, und habe sie mit einem leichten Griff an der Schulter in den Wagen zurückgeführt. «Ich lass sie doch nicht mit dem Geld abhauen.» Wegen des Fluchtversuchs habe er nun den ganzen Betrag zurückgefordert. Sie habe ihm die Noten gegeben. Dann griff sie zum Pfefferspray. Am ganzen Körper habe es ihn gebrannt wie Feuer. Mit Müh und Not habe er zu einem Kollegen in Schwamendingen fahren können, um sich zu duschen. Zu seiner damaligen Freundin wollte der Hausabwart nicht gehen.

Die Prostituierte ist glaubwürdiger

Beweise gab es nicht in diesem Prozess. Die Staatsanwaltschaft hat nicht nachgeprüft, ob mit dem gefundenen Kondom tatsächlich Geschlechtsverkehr vollzogen wurde, wie es die Prostituierte behauptete. Zeugen kamen erst nach dem Vorfall hinzu. Die Geschädigte habe sich aber in ihren verschiedenen Aussagen widersprochen, sagte der Anwalt des Angeklagten. Ausserdem hätten die Ärzte bei der Frau keine Verletzungen festgestellt, die auf ein Würgen hätten schliessen lassen. Sein Mandant sei weder vorbestraft noch je gewalttätig geworden. «Er würde wegen 80 Franken nie eine Frau schlagen.» Vielmehr habe er unter den Folgen der Pfefferspray-Attacke und der neuntägigen Untersuchungshaft gelitten.

Der Richter sprach den Angeklagten wegen Raubes schuldig. Er stufte die Aussagen der Geschädigten als authentisch und glaubwürdig ein. Der Angeklagte hingegen habe sich während der Befragungen in Allgemeinplätze und Gegenfragen geflüchtet. Das Urteil lautet auf 270 Tagessätze à 130 Franken bedingt, insgesamt 35'100 Franken. Dazu kommen die Gerichtskosten, 150 Franken Schadenersatz und eine Genugtuungszahlung von 1000 Franken.

Der Angeklagte konnte es kaum fassen. Während der Urteilsverkündung fuhr er sich über seinen kahl rasierten Kopf und wollte den Richter mehrmals unterbrechen. Sein Anwalt kündigte Berufung an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.09.2008, 02:42 Uhr

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