«Die Muslime in der Schweiz haben zu wenig getan!»
Interview: Maria Rodriguez. Aktualisiert am 30.11.2009 81 Kommentare
Sadaqat Ahmed: Der Imam der Mahmud Moschee in Zürich ist seit 2001 in der Schweiz. (Bild: ahmadiyya.ch)
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Zu Sadaqat Ahmed:
Der Imam der Mahmud Moschee stammt aus Pakistan. Er lebt seit 2001 in Zürich. Sadaqat Ahmed gehört zur Ahmadiyya-Bewegung, die 1889 in Indien gegründet wurde. Die Ahmadiyya-Bewegung zählt in der Schweiz 800 bis 900 aktive Mitglieder.
Die Mahmud Moschee wurde 1963 an der Forchstrasse in Zürich gegründet. Zur Moschee gehört das älteste der vier Minarette der Schweiz. Gegen seinen Bau gab es keinerlei Einsprachen.
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Als einziges Land in Europa verbietet die Schweiz den Bau von Minaretten. Wie gross ist die Enttäuschung bei Ihnen?
Wir sind sehr enttäuscht und sehr überrascht. Wir hatten nach den Umfragen vor der Abstimmung gedacht, dass die Schweiz ein demokratisches und tolerantes Land ist, welches eine diskriminierende Initiative ablehnen würde. Es gingen aber auch nicht alle Schweizer an die Urne. Von dem her denke ich, dass die Mehrheit der Schweiz nichts gegen Minarette hat.
Trotzdem zählen in einer Demokratie, die Stimmen der Leute, welche an die Urne gehen.
Ja, natürlich. Wir akzeptieren und respektieren diesen Mehrheitsentscheid. Persönlich erlebe ich die Schweiz aber weiterhin als tolerant.
Hat die islamische Gemeinde in der Schweiz genug getan, um ein Verbot zu verhindern?
Ganz klar: Nein, die Muslime in der Schweiz haben zu wenig getan und die Mobilisierung verschlafen. Sie haben zu wenig Aufklärungsarbeit geleistet. Wir von der Ahmadiyya-Bewegung haben versucht die Bevölkerung zu erreichen. Im November haben wir über 20 Veranstaltungen durchgeführt, wie drei Tage der offenen Moschee. Die Schweizer Bevölkerung zeigte grosses Interesse, wir hatten rund 800 Besucher in der Mahmud Moschee.
Gestern gab es am Helvetiaplatz eine Kundgebung gegen das Minarett-Verbot. Es waren praktisch nur Schweizer vor Ort. Warum?
Danach nützt die Mobilisierung nichts mehr. Kundgebungen hätte man vor der Abstimmung machen sollen.
Minarette, Beschneidung von Frauen und Kopftücher sind für viele Schweizer ein und dasselbe Thema. Muslime in der Schweiz haben ein offensichtliches Image-Problem. Wie wollen Sie dieses bekämpfen?
Beschneidungen von Mädchen und Steinigungen haben nichts mit dem Islam zu tun. Das sind keine religiösen Probleme, sondern kulturelle. Diese lassen sich auch mit einem Minarett-Verbot nicht lösen. Wir sind aktiv, und werden noch aktiver werden müssen. Wir werden den Dialog noch intensiver suchen, sowohl mit Muslimen wie mit Nicht-Muslimen.
Reden alleine löst diese Probleme auch nicht.
Der Dialog ist das einzige Mittel, um Lösungen zu finden. Wichtig ist, dass wir den Leuten die Ängste nehmen. Wenn man einander nicht kennt, entstehen Missverständnisse, welche sich nur durch Aufklärung und Dialog beseitigen lassen.
Gehen Sie rechtlich vor gegen das Minarett-Verbot?
Das ist eine Möglichkeit, die uns offen liegt und die wir zurzeit prüfen. Wir überlegen uns, beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg vorstellig zu werden. Ein Minarett-Verbot verstösst gegen die Menschenrechte.
Viele befürchten nun negative Konsequenzen für die Schweiz. Sind diese Ängste begründet?
Das Minarett-Verbot ist nicht nur für Muslime, sondern für die ganze Schweiz imageschädigend. Dass der Ruf der Schweiz im Ausland schlecht ist, macht uns auch traurig.
Inwiefern macht sich die Schweiz mit diesem Verbot zur Zielscheibe von radikalen Islamisten?
Bis jetzt habe ich keine Reaktionen gehört oder gelesen. Ich rufe die Muslime in der Schweiz auf, sich nicht provozieren zu lassen und ruhig zu bleiben. Ganz allgemein ist es so, dass – wenn man zum Beispiel versucht, die Gesellschaft in verschiedene Segmente zu teilen – sich eine Bevölkerungsschicht diskriminiert fühlt. Es könnte sein, dass gewisse Leute aus Frust einen falschen Weg beschreiten. Sorgen bereiten mir die jungendlichen Muslime, die in der Schweiz zwar aufgewachsen sind, sich aber nun nicht willkommen fühlen könnten. Die muslimischen Gemeinschaften, die Moscheen müssen da dringend Aufklärungsarbeit leisten. Der Ball liegt nun bei den Imamen.
9/11, die Anschläge auf Madrid und London waren gewalttätige Reaktionen gegen den Westen. Ist die Schweiz nun Zielscheibe für Radikale?
Wie terroristische Organisationen denken, kann ich nicht sagen, da habe ich keinen Kontakt.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.11.2009, 15:41 Uhr
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81 Kommentare
Warum diese Reaktionen? Ich empfinde dies als äusserst heuchlerisch. Islamische Länder sollen die Hausaufgaben zu den Menschenrechte endlich machen. Erdogan schreit sehr laut, aber gleichzeitig leiden Christen unter einer grossen intoleranz des türkischen Islams. Christliche Klöster werden enteignet und die Polizei schaut weg wenn Christen ermordet werden. Und nun soll die Schweiz intolerant sein! Antworten
Das Minarett gehört nicht in unseren Kulturkreis. Sowenig wie Kirchtürme von den Islamisten toleriert werden. Wenn schon auf unserem Volksentscheid herumgehackt wird. Wo bleibt die Toleranz gegenüber uns Christen. Seit dem Bestehen unserer Demokratie haben wir noch nie Krieg geführt mit unseren Nachbarländern. Jetzt wollen gerade diese Neider aus der EU uns belehren!Es lebe die direkte Demokratie Antworten





